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Der König berief vor 200 Jahren einen ersten Briloner Landrat

15. Oktober 2017
Der König berief vor 200 Jahren einen ersten Briloner Landrat Marsbergs Fundstück des Monats blickt auf Freiherr Droste zu Vischering Padberg / Altkreis Brilon. 1817 genehmigte König Friedrich Wilhelm III. von Preußen den Vorschlag der Regierung zu Arnsberg zur Einteilung des Regierungsbezirks in 13 Kreise. Vor genau 200 Jahren, am 16.10.1817, war es dann soweit. Der König berief einen ersten Landrat für den Kreis Brilon. Der Marsberger Geschichts- und Heimatverein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ besitzt hierzu im Archiv des Museums „Haus Böttcher – Marsbergs Haus der Geschichte aus 1589“ u. a. einen interessanten, 200 Jahre alten Schriftverkehr – geführt ab dem 18.07.1817 – zwischen dem Medebacher Landrat Adolf Pilgrim und Maximilian Freiherr Droste zu Vischering-Padberg, der der erste Landrat im Kreis Brilon (bestehend aus den Justizämtern Brilon und Marsberg) war. Diese Original-Urkunden wurden nun zum Fundstück des Monats Oktober 2017 prämiert. Neben den bis zuletzt bekannten drei Altkreisen Brilon, Meschede und Arnsberg richtete man damals u. a. einen vorübergehenden, bis zum 31.12.1818 aktiven Kreis Medebach – bestehend aus den Ämtern Medebach und Schmallenberg – in den heutigen Grenzen des Hochsauerlandkreises ein. Der erste Landrat in diesem Gebiet trat in Person von Adolf Pilgrim sein Amt am 26.06.1817 im damaligen Kreis Medebach an. Im Kreis Brilon sollte es noch bis zum Oktober 1817 dauern bis ein Landrat endlich vom König berufen wurde: Im Jahr 1802 heiratete der 1781 zu Münster geborene Maximilian Droste zu Vischering die Erbtochter Regina Dorothea Franziska von Padberg zu Padberg. Mit ihm kam erstmalig ein Droste zu Vischering nach Padberg und in das heutige Marsberger Gebiet. Er war Besitzer der früheren Herrschaft Padberg und des Gutes Hoppecke. Dinette von Plettenberg-Lenhausen schrieb bereits 1815 ermutigend an ihre Brüder: „Wenn die Anstellung von Landräthen, Beamten, etc. in unserer Gegend in Gang kommt, da müßten wir eigentlich das Näschen dabey haben.“ Die Bewerbung von Maximilian Droste zu Vischering zur Anstellung zum „Königlichen Landrat des Kreises Brilon“ erfolgte am 08.08.1816. Sein beflissenes Schreiben, das in sympathischer Offenheit auch bereits die Besorgnis wegen der vorgesehenen Landratsexamina eingesteht: „Die längst gewünschte Vereinigung des Herzogthums Westfalen mit dem Preußischen Kreise ist nun endlich erfolgt, und da Seine Königliche Majestät gnädigst zu verordnen geruhet haben: bey Ansetzung der Landräthe vorzugsweise auf die Gutsbesitzer Rücksicht zu nehmen, so halte ich es bey meinem lebhaften Wunsche, dem Könige und dem Vaterlande mein Leben zu widmen, für meine Pflicht eine Hochlöbliche Königliche Regierung gehorsamst zu bitten: mich zum Landrathe in dem Kreise, worin meine Güter, die Herrschaft Padtberg und das Gut Hoppecke gelegen sind, vorzuschlagen. Ich gehöre zu den Landständen dieses Landes, bin im kraftvollen Alter von 35 Jahren und es würde mir um so mehr zum Vorwurfe gereichen, wenn ich mich nicht nach Kräften bestreben wollte, den weisen landesväterlichen Absichten Seiner Königlichen Majestät die Wohlfahrt des Landes durch Anstellung solcher Landräthe zu befördern, welche einen lebhaften Antheil an dem Glück ihres Vaterlandes nehmen müßten, zu entsprechen, da im genannten Kreise meines Wissens keine Gutsbesitzer sind, deren Verhältnisse erlauben, sich diesem Amte zu widmen. … Vom besten Willen beseelt, aber noch zu wenig mit den Geschäften des preußischen Landrathes bekannt, getraue ich mir zwar nicht, mich einer vorübergehenden Prüfung zu unterwerfen, hoffe aber mit Zuversicht, daß meine wissenschaftliche Bildung sowohl als die Kenntnis, die ich durch meine Theilnahme an den Landesständischen Verhandlungen im Münsterlande und dem Herzogthum Westfalen erworben habe, mich in den Stand setzen werden, die Pflichten dieses Amtes pünktlich zu erfüllen.“ Aus dem Schriftverkehr Droste zu Vischerings mit dem befreundeten, bereits im Amt befindlichen Landrat Medebachs: Adolf Pilgrim vom 18.07.1817 geht hervor, dass der spätere Briloner Landrat intensiv Land und Leute vorab bereist hat, um sich auf sein Amt vorzubereiten: „Liebster Adolph, meine konjugalen Glückwünsche zur Beflissenschaffung in die Dienste Seiner Königlichen Majestät…“ … „Auch ich bereite mich auf künftige Aufgaben vor und bereise das Land meines wohl zukünftigen Schaffens!“ Die Ortschaften der Justizämter Brilons und Marsbergs wurden genaustens und karteikartenartig von Maximilian Droste zu Vischering in seinen Briefen beschrieben. Ein regelrechter Austausch der zwei Freunde zu den zwei Landkreisen und zur Weiterentwicklung mit Verarbeitungen von Ideen für künftige Verbesserungen entstand. Die umfangreichen Berichte über seine Kreisbereisungen zeigen den Umfang der Aufgaben an, die er zu lösen hatte. Es wundert nicht, dass die „Hochlöbliche Regierung“ positiv auf diese Bewerbung reagierte und der preußische König Droste zu Vischering durch „Allerhöchste Kabinetsordre“ vom 16.10.1817 zum Briloner Landrat „unter Vorbehalt der Prüfung“ ernannte. Die definitive Ernennung unter Entbindung von der Prüfung erfolgte am 20.12.1817. Nach der „Probezeit“ trat er seinen Dienst zum 01.01.1818 in Brilon an. Am 31.08.1845 starb Droste zu Vischering in Hovestadt. Sein Sohn Caspar Maximilian Droste zu Vischering-Padberg übernahm das Amt des Briloner Landrats und so konnten die Droste zu Vischerings über 60 Jahre lang dieses Amt bis 1878 ausführen. Zusätzlich war Caspar Maximilian Droste zu Vischering Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses für den Wahlbezirk „Meschede-Brilon-Wittgenstein“ und konnte sich somit in die Ahnengalerie der traditionsreichen und bedeutenden Adelsfamilie einreihen. Nähere Informationen zum Fundstück des Monats finden Sie unter: www.Marsberger-Geschichte.de Fotos im Anhang: 01 Ausschnitt aus einem Gemälde von Maximilian Droste zu Vischering-Padberg. Er war der erste Landrat des Kreises Brilon. 02 Die Postkarte zeigt Schloss Padberg. Sie wurde am 28.11.1911 verschickt. 03 Diese Postkarte ist aus den 1930er Jahren. Zu sehen ist das Schloss in Padberg: Ein Sitz der westfälischen Uradelsfamilie Droste zu Vischering. #Marsberg #Padberg #Brilon #AltkreisBrilon #Koenig #Landrat #Briloner #BrilonerLandrat #Fundstueck #MarsbergsFundstueckdesMonats #MarsbergsFundstueck #FundstueckdesMonats #DrostezuVischering #Vischering #Freiherr #1817 #2017 #FriedrichWilhelmIII #Preussen #Regierung #Arnsberg #Regierungsbezirk #Kreis #KreisBrilon #Geschichtsverein #Heimatverein #MarsbergerGeschichte #MarsbergerGeschichten #Museum #MuseumHausBoettcher #HausBoettcher #HausderGeschichte #MarsbergsHausderGeschichte #Medebach #MedebacherLandrat #AdolfPilgrim #MaximilianFreiherrDrostezuVischering #Justizaemter #Meschede #Arnsberg #KreisMedebach #Schmallenberg #HSK #Hochsauerlandkreis #Erbtochter #ReginaDorotheaFranziskavonPadberg #HerrschaftPadberg #GutHoppecke #DinettevonPlettenbergLenhausen #KoeniglicherLandrat #Hoppecke #Landstaende #HerzogthumWestfalen #Kabinettsordre #Hovestadt #CasparMaximilianDrostezuVischering #Abgeordnetenhaus #MeschedeBrilonWittgenstein #Wahlbezirk #SchlossPadberg #UnserMarsberg
Königliche Kabinetts-Ordre regelte das …

9. September 2017
Königliche Kabinetts-Ordre regelte das „Brückengeld“ Fundstück des Monats blickt auf das Jahr 1841 Niedermarsberg. Seit Monaten beherrschen die Arbeiten an der neuen Diemelbrücke das Stadtgeschehen Marsbergs. Gewerbetreibende, Verkehrsteilnehmer und ganz besonders die LKW-Fahrer freuen sich schon jetzt auf die Fertigstellung der neuen Überquerung der Diemel. Dann kann die Diemelbrücke wieder zweispurig, ganz kostenlos benutzt werden. Der Marsberger Geschichts- und Heimatverein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ hat in den letzten Tagen eine Original-Urkunde aus 1841 sowie „Quittungsscheine“ aus den 1830er Jahren zur Erhebung eines Brückengeldes für das Museum „Haus Böttcher – Marsbergs Haus der Geschichte aus 1589“ erhalten. Diese Relikte wurden nun zum Fundstück des Monats September 2017 prämiert. Jahrhunderte hindurch besaßen die Grundherren, später die Landesherren das ausschließliche Benutzungsrecht an den öffentlichen Wegen. Dieses Recht, Wegeregal genannt, gab den Landesherren auch die Befugnis, die Bauern zu Fronarbeiten an den Straßen heranzuziehen. Nur gegen Zoll, Geleits- und Wegegelder wurde dem Publikum die Benutzung der Straßen gestattet. Diese Wegegelder haben sich als Gebühr (Chausseegeld, Torgeld oder Brückengeld) für die Benutzung der Wege und Brücken auch nach Aufhebung des Wegeregals noch lange erhalten. Auch für den Übergang über die hiesige Diemelbrücke wurde lange Zeit ein Brückengeld erhoben. Das Diemeltor zu Niedermarsberg hatte im Obergebäude eine Wohnung für den Pförtner, der am Abend zur bestimmten Stunde das Tor schließen musste. Im Diemeltor, das in der Nähe des alten Amtshauses stand und das im Jahr 1807 abgebrochen wurde, befand sich auch ein kleiner Raum für den Brückenwärter. Zu seinen Rechten und Pflichten gehörte es, das Brückengeld zu erheben. Jeder, der das Brückengeld gezahlt hatte, erhielt von dem Brückenwärter eine Quittung. Die „Marsberger Geschichten“ haben jetzt einen Quittungsblock aus den 1830er Jahren hierzu bekommen. Wann die Erhebung eines Brückengeldes aufhörte, ist nicht bekannt. Allerdings ergeben sich aus einer originalen Urkunde aus dem Jahr 1841 neue Modalitäten zur Erhebung des Brückengeldes. Mit „Königlicher Kabinetts-Ordre“-Friedrich Wilhelms vom 17.03.1841 wurde der Tarif des Brückengeldes für die Stadt Niedermarsberg geregelt. „Auf Ihren Bericht vom 14. v. M. will Ich der Stadt Niedermarsberg das Recht zur ferneren Erhebung eines Brückengeldes für den Uebergang über die Diemelbrücke daselbst, jedoch nur unter Vorbehalt des Widerrufs bewilligen, und habe mit dieser Beschränkung den zurückerfolgenden Tarif vollzogen. Berlin, den 17. März 1841. – gez. Friedrich Wilhelm.“ Der Tarif für „den Uebergang über die Brücke über den Diemelfluß bei Untermarsberg, Kreis Brilon, Herzogthum Westphalen, Regierungs-Bezirks Arnsberg“ besagt, dass ein Fuhrwerk mit drei und mehr bespannten Zugtieren einen Silbergroschen (Sgr.) und 6 Pfennige (Pf.) zu zahlen hat. – 2 Zugtiere mit bespanntem Fuhrwerk 1 Sgr., Fuhrwerke mit einem Zugtier 8 Pf., ein einzelnes Pferd 4 Pf., jedes Rindvieh, Esel oder Kalb 2 Pf., jede Herde Schafe oder Schweine für je 10 Stück 1 Sgr. und in der Einzelabrechnung 2 Pf.. Das Brückengeld wurde von Pferden und Maultieren nicht erhoben, wenn sie den Hofhaltungen des „Königlichen Hauses“ oder den „Königlichen Gestüten“ angehörten. Außerdem waren Armeefuhrwerke und Fuhrwerke sowie Tiere, die Militär „auf dem Marsche bei sich führten“ befreit. Sofern auf den Pferden Militärbeamte sich befanden oder von Offizieren im Dienst und Dienstuniform beritten wurden, musste der Wärter sie ebenfalls ohne Erhebung eines Brückengeldes ziehen lassen. Ausnahmen und Freistellungen gab es auch bei „Fuhrwerken und Thieren, deren mit Freikarten versehene öffentliche Beamte auf Dienstreisen innerhalb ihrer Geschäftsbezirke, oder Pfarrer bei Amts-Verrichtungen innerhalb ihrer Parochie, sich bedienen“ oder „von ordinairen Posten, einschließlich der Schnell-, Cariol- und Reitposten nebst Beiwagen; imgleichen von öffentlichen Courieren und Estafetten und von allen, von Postbeförderungen leer zurückkehrenden Wagen und Pferden“. Sofern die Transporte „für unmittelbare Rechnung des Staates“ geschahen und sich mit „Freipässen“ ausweisen konnten oder es sich um „Feuerlöschungs-, Kreis- bzw. Gemeinde-Hülfsfuhren oder um Armen- und Arrestantenfuhren“ bzw. um „Kirchen- und Leichenfuhren innerhalb der Parochie“ handelte, musste man ebenfalls auf das Brückengeld verzichten. Befreit waren ebenfalls „Fuhrwerke, die Chaussee-Baumaterialien anfahren, sofern nicht durch den Minister der Finanzen und des Handels Ausnahmen angeordnet werden“ und „zur Beruhigung aller Einwohner von Niedermarsberg“ die Bürgerinnen und Bürger der Stadt. Alle weiteren Personen, auch der umliegenden Gemeinden und Ortschaften, die heutzutage zur Stadt Marsberg gehören, mussten wie alle anderen Brückennutzer zahlen und wurden kräftig zur Kasse gebeten. Nähere Informationen zum Fundstück des Monats finden Sie unter: www.Marsberger-Geschichte.de Fotos im Anhang: 01 Diese Aufnahme zeigt einen Blick auf die neue Diemelbrücke in Niedermarsberg. Sie wurde als Postkarte am 04.06.1956 verschickt. Rechts oben kann man den Bilsteinturm entdecken. 02 Im Vordergrund zeigt diese Aufnahme einen Teil der Häuser der Westheimer Straße in Niedermarsberg. Das markante Gebäude am rechten Bildrand ist die Villa Rentzing, heute Sekundarschule. Schön zu erkennen ist auch vor der Diemelbrücke die Josephskapelle. Die Trift, die Gansau, usw. sind noch nicht bebaut. Das Foto ist aus der Zeit um 1900. 03 Originaler Quittungsschein für das Marsberger Brückengeld in den 1830er Jahren. #Marsberg #Niedermarsberg #Koeniglich #KabinettsOrdre #Brueckengeld #Fundstueck #FundstueckdesMonats #1841 #Diemel #Diemelbruecke #Geschichtsverein #Heimatverein #MarsbergerGeschichte #MarsbergerGeschichten #Quittung #Quittungsscheine #1830erJahre #Museum #HausBoettcher #MuseumHausBoettcher #HausderGeschichte #MarsbergsHausderGeschichte #Benutzungsrecht #Wegeregal #Wegegeld #Chausseegeld #Torgeld #Brueckenwaerter #Quittungsblock #FriedrichWilhelm #Bruecke #Untermarsberg #KreisBrilon #Fuhrwerke #Tiere #Brueckennutzung #UnserMarsberg
Predigt zu Mordian von Canstein …

20. August 2017
Predigt zu Mordian von Canstein Fundstück des Monats August stammt aus dem Jahr 1581 Canstein / Heddinghausen. Das Schloss in Canstein brachte viele bedeutende Persönlichkeiten hervor. Neben der heutigen Familie von Elverfeldt residierten dort in vorherigen Zeiten die Familien von Croy, von Spee, Spiegel von Desenberg und natürlich die von Cansteins. Der Marsberger Geschichts- und Heimatverein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ besitzt hierzu in seinem Museum „Haus Böttcher – Marsbergs Haus der Geschichte aus 1589“ ein interessantes Dokument zu der Familie von Canstein aus dem Jahr 1581. Es wurde nun zum Fundstück des Monats prämiert. Es handelt sich um eine alte Leichenpredigt über Mordian von Canstein. Sie wurde von „M. Georg Nymphius, Pastor zu Corbach“ gehalten und wurde dem „… Junckherrn Arnolden von Viermunden, Fürstlichem Hoffrichter zu Marburgk, und Amptmann zu Meydebach, dem Kirchenpatron“ gewidmet. Als Datum trägt die Vorrede: „Corbach, d. 30. Nov. 1581 (Tag S. Andreae Apostoli)“. In dieser Vorrede sagt der Verfasser, dass er sich am 27. November, am 25. Tag nach dem Begräbnis Mordians von Canstein, „des Vettern, Gefattern und insonders guten Freundes, des Arnold von Viermünden“, vorgenommen habe, ein Zeugnis seiner Liebe zum Entschlafenen zu geben. Durch sein „tragendes Ampt“ hat er Befehl empfangen, dem Junker und der Witwe und ihren Kindern und der ganzen Freundschaft zu melden, dass der Verstorbene als Seliger lebt, und bittet die „exequias, Begengnisse oder Anniuersarien Christlich, nicht einmal, sondern vielmals im Jahr zu halten.“ Dazu übersendet er die von ihm gehaltene Leichenpredigt. Er bezeichnet ihn als gläubigen Christen und teilt mit, was der Verstorbene „mit eigener Hand in sein Manual und Psalter verzeichnet.“ … „Ich weis nichts bessers im Himel, noch auff Erden, denn das wir alle durch den Glauben an Christi verdienst, allein gerecht und selig werden. Mordian von Canstein, mein eigen Handt, Soli Deo gloria.“ Das Abendmahl nahm er vor seinem Tod am 09. Oktober und 30. Oktober. Zeugen seines seligen Todes waren Jeremias Nikolai, der „Praezeptor“ seiner Kinder, und sein Beichtvater Hermann Cuntzius. In seinem Haus hielt er „ein eigen Kirche“. „Alt geworden ist er 39 Jahre.“ Dann bezeichnet er ihn als guten Gatten, Vater und Hausherrn. Mit seiner Gemahlin Helena, geborene von Westphalen, hat er 7 Jahre im Ehestand gelebt. Die Ehe war mit 3 Söhnen und 4 Töchtern gesegnet; die älteste Tochter trug den Namen Clara. Des Weiteren bezeichnet er den Verstorbenen im Verhältnis zu seinen Untertanen. Mit Hilfe seines Schwagers Philipp Spiegel erneuerte er die Kirche zu Heddinghausen und stiftete auch mehr als 1.000 Taler. Hierauf folgt ein „Weitleufftiger Bericht“ von des Toten letzter Krankheit. „Am 18. tage Oktober 1581 ist Mordian von Canstein, nachdem er von der Jagt widerum´s zu Eilhausen (dahin er zuvor sampt Weib und Kindern von Canstein, die Seuche der Pestilentz ein zeitlang zu fliehen, veruckt) eingeritten, mit schwerer Leibesschwachheit, indem er hefftig und schwerlich mit Auswerffung allerley zehen und schleimichten Feuchtigkeit, gehustet, überfallen. Und ob man wol dem gewöhnlichen Ausschlag der Rosen, verhofft, so ist doch der Hochgelarte und achtbar Laurentius Hyporius, Doktor, Fürstlicher Casselischer Medikus auff schleunige erforderung, den 18. Oktober mit Rath und Cura dem Schwachen beyzuwonen, alhier angekomen, welcher nach erforschung des Schadens, etliche abwesende Materieo zur Curation fast dienlich von Cassel, in eigener Person geholet, und zum andernmal wider angelanget.“ Unter des Doktors Pflege legte sich der Husten zwar, doch war er sehr matt und geriet in eine „untregliche Hitze.“ Der Doktor glaubte nun, er sei doch mit der „Rose“ behaftet, welche „gar bald erfür brechen würde“, und „zog in solcher meinung, und aus anderen ursachen, daran ihm gelegen, am selben tage davon.“ Mordian hörte am 30. Oktober noch die Hausandacht, die der „Praeceptor“ dem Herkommen gemäß hielt, und zwar das verordnete Evangelium und die Auslegung nach Luthers Hauspostille, nachmittags um 2 Uhr aber war er fast ohnmächtig, abends um 7 Uhr nahm er nach Beichte und Absolution das Abendmahl, das ihm der Herr Hermann, Pfarrer zu Hesperinckhusen reichte. Unter den geistlichen Tröstungen des „Praeceptors“, Gesang und Gebet des Gesindes ward er ruhig und fand Schlaf; wechselnd schlafend und wachend durchkämpfte er den Todeskampf und starb am Morgen des 31. Oktober 1581. Am 02. November war er von Eilhausen „mit einer herrlichen Proceß vieler vom Adel und anderer gen Hedinckhusen abgefüret, und daselbst in der Pfarkirchen, im Chor vor dem Altar in die Erde gelegt.“ An die Leichenrede reiht sich: „Historia Seines Christlichen Lebens und seligen Abschieds, durch Herrn Hermanum Brockhusen, Pastorn zu Hedinckhusen Reimweiß beschrieben.“ Nach diesem Bericht ist Mordian 1542 geboren; nach dem Tode des Vaters erzog ihn seine Mutter „Margreta von Wreda“ (Wrede). Mit 22 Jahren übernahm er seine Güter, „hatte dabey viel gros gefahrn vom interim in sorglichen jahrn“; 1564 war Brockhusen sein Pfarrer; 1570 heiratet er „Helena von Westphal“ und zeugte 3 Söhne und 4 Töchter. Nach dem Schulbesuch kam er zum Grafen Hoier von Mansfeld und hatte auch einen „Feldzug“ nach Frankreich mitgemacht. Nähere Informationen zum Fundstück des Monats finden Sie unter: www.Marsberger-Geschichte.de Fotos im Anhang: 01 Das Denkmal zum Grab (Epitaph) des Mordian von Canstein – Es befindet sich in der Pfarrkirche in Heddinghausen. Mordian von Canstein ist im Jahr 1581 im Alter von 39 Jahren verstorben. In gepanzerter Rüstung kniet er vor einem Kruzifix. Links und rechts von ihm sind jeweils 7 Wappen seiner Ahnenreihe und das Fries zu sehen. Oben am Denkmal befindet sich ein Reliefbild der Auferstehung. Das Sandstein-Denkmal ist 3,90 m hoch und 1,90 m breit. 02 Schloss Canstein aus südöstlicher Richtung in 1831 – Das obere Schloss besitzt auf dieser Ansicht noch das „alte Aussehen“ vor den grundlegenden Veränderungen der Mitte des 19. Jahrhunderts. 03 Das Foto zeigt die „neue“ katholische Pfarrkirche „St. Hubertus“ in Heddinghausen. Sie wurde 1846 erbaut. Die „Vorgängerkirche“ war die Begräbnisstätte der von Cansteins. 04 Diese Ansichtskarte von Canstein ist aus der Zeit um 1910. Sie zeigt einen Blick auf das Schloss sowie auf die davon unterhalb liegenden Gebäude. #Marsberg #Canstein #Heddinghausen #Predigt #Leichenpredigt #Mordian #MordianvonCanstein #Fundstueck #FundstueckdesMonats #1581 #SchlossCanstein #vonElverfeldt #vonCroy #vonSpee #vonSpiegel #SpiegelvonDesenberg #vonCanstein #Geschichtsverein #Heimatverein #MarsbergerGeschichte #MarsbergerGeschichten #Museum #MuseumHausBoettcher #HausderGeschichte #MarsbergsHausderGeschichte #Dokument #FamilievonCanstein #GeorgNymphius #Pastor #Korbach #ArnoldvonViermunden #Marburg #Medebach #ArnoldvonViermuenden #JeremiasNikolai #HermannCuntzius #HelenavonWestphalen #PhilippvonSpiegel #Pest #Kassel #Hesperinghausen #Eilhausen #Prozession #HermannBrockhausen #MargretavonWrede #GrafHoiervonMansfeld #HubertusHeddinghausen #Begraebnisstaette #Denkmal #Grab #Epitaph #UnserMarsberg
Essenthoer Kupferbergbau …

29. Juli 2017
Essenthoer Kupferbergbau Über 300 Jahre alte Urkunden sind das Fundstück des Monats Juli Essentho / Marsberg. Nicht nur in Marsberg, sondern auch an zahlreichen Orten in der näheren Umgebung sind wiederholt und zu verschiedenen Zeiten bergmännische Arbeiten auf Kupfererze unternommen worden, u. a. bei Borlinghausen, Westheim, Dalheim, Scherfede, Bleiwäsche und vor allem bei Essentho. Man kam jedoch bei den genannten Orten mit den bergbaulichen Arbeiten über mehr oder weniger ausgedehnte Schürfarbeiten kaum hinaus. Marsbergs Fundstück des Monats Juli 2017 belegt, dass bei Essentho längere Zeit größere Mengen an Kupfererzen gewonnen werden konnten. Die rund 300 Jahre alten Urkunden sind im Besitz des Marsberger Geschichts- und Heimatvereins „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ und befinden sich im Museum „Haus Böttcher – Marsbergs Haus der Geschichte aus 1589“. Sie wurden nun zum Fundstück des Monats prämiert. Die Veranlassung zu diesem Bergbau gaben die dort verbreiteten Ablagerungen des Zechsteins, dessen Schichten als wichtige kupfer- und silberhaltige Gesteine bekannt sind. Diese Kupferlagerstätten bei Essentho, am „Hohe Loh“ – nordwestlich von Marsberg, sind mehrere Jahrzehnte lang Gegenstand zahlreicher bergbaulicher Unternehmungen ab 1712 gewesen. In diesem Jahr schürfte Ludwig Wegener aus Fürstenberg, der im damaligen Herzogtum Westfalen verschiedene Bergwerke, Hütten und Hämmer betrieb, mit einer Anzahl „Interessenten“ bei Essentho die ersten Kupfererze. Es gelang ihm auch, den „Geheimen Rath Ernst Konstantin von der Asseburg“ für das neue Unternehmen zu gewinnen. Letzterer suchte bei dem damaligen „Bundesherrn“, Fürstbischof Franz Arnold von Paderborn um die Erlaubnis, am „Hohe Loh unweit Essentho und in der Umgegend, Bergarbeiten nach seinem Gutdünken vorzunehmen.“ Der von dem Gewerken Wegener angefangene und betriebene Bergbau auf Kupfer gab Veranlassung, dass auch andere „Bergbaulustige“ ihr Glück versuchten und bei Essentho nach Kupfer schürften. 1723 war es die Familie von Plettenberg, 1729 war es eine Anzahl Bergleute aus Oesdorf, die den Bergbau auf Kupfer betrieben. Später übernahm die Gewerkschaft „Elling und Komp.“ den Betrieb, der auch ein gewisser Erfolg beschrieben war. Sogar die Hofkammer des Fürstbischofs in Paderborn machte im Jahr 1726 einen Versuch auf Rechnung des Fiskus ein Kupferbergwerk bei Essentho zu eröffnen. Es scheint, dass die gewonnenen Kupfererze niemals bei Essentho verschmolzen worden sind. Die Kupfererze wurden vielmehr nach Marsberg gebracht, wo seit uralten Zeiten Kupferverhüttung stattfand. In Marsberg wurden die Essenthoer Kupfererze auf gepachteten „Hulden“ geschmolzen. Die „Huldenpacht“ betrug für jeden Tag, an dem geschmolzen wurde, zwölf Groschen. Die Anlage einer eigenen Schmelzhütte in Essentho hätte sich bei der geringen Ausbeute der betriebenen Gruben nicht gelohnt. Das kurkölnische Bergamt in Brilon verlangte im Jahr 1715 von den aus den Essenthoer Gruben nach Marsberg verfahrenen Erzen den halben Zehnten, weil Essentho, wie der ganze Kreis Büren zum Hochstift Paderborn gehörte. Das Bergamt scheint aber mit seiner Forderung nicht durchgedrungen zu sein. Die Essenthoer Gewerke hatten seit 1716 ohne Einspruch der Bergbehörde ihre Erze in Marsberg verhüttet. Die Akten der Hofkammer des Paderborner Fürstbischofs geben noch den Ertrag des Essenthoer Kupferbergbaus der Gewerken Wegener und den damaligen Preis des Kupfers an. Im Jahre 1713 und 1714 betrug die Kupfermenge 15 Zentner 21 Pfund, der Preis pro Zentner 27 Taler, der Gesamtwert 410 Taler 9 Groschen. Im Jahr 1717 20 Zentner 82 Pfund, der Preis pro Zentner 29 Taler, der Gesamtwert 602 Taler. Im Jahr 1725 78 Zentner, der Preis 27 Taler, der Gesamtwert 2.107 Taler. Im Jahr 1729 4 Zentner, der Preis 28 Taler, der Gesamtwert 114 Taler. Nach und nach sah man ein, dass der Essenthoer Bergbau sich nicht rentierte. Von 1713 bis 1729 gingen 14.167 Taler 27 Groschen für verkauftes Kupfer ein, während 14.959 Taler 19 Groschen verausgabt wurden. Deshalb wurde 1729 der Betrieb eingestellt. Später wurde noch wiederholt der Versuch gemacht, den Bergbau bei Essentho wieder aufleben zu lassen, aber jedes Mal ohne dauernden Erfolg. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden die auf den Halden des „verlassenen alten“ Kupferbergwerkes bei Essentho liegenden „sehr eisenschüssigen Berge“ auf der Marsberger Hütte beim Kupferschmelzen zugesetzt und dafür von der hiesigen Gewerkschaft ein jährliches „Rezeßgeld“ von 2 Talern an die fürstbischöfliche Regierung in Paderborn entrichtet. In späteren Urkunden heißt es: „Sie transiit gloria in Essentho. – So verging die Kupferglorie in Essentho. Aber wer weiß, - ob nicht der Kupferbergbau in Essentho einmal wieder auflebt? Wurde ja auch in Marsberg, wo seit dem 10. Jahrhundert der Bergbau auf Kupfer betrieben wurde, der Betrieb wiederholt stillgelegt. Im 18. Jahrhundert stockte so mehr oder weniger das ganze Geschäft der Kupferhütte; erst im Jahre 1818 nahm die preußische Regierung, die seit 1816 an die Stelle der hessischen getreten war, den Betrieb des Bergbaues und die Kupferfabrikation wieder auf…“ Nähere Informationen zum Fundstück des Monats finden Sie unter: www.Marsberger-Geschichte.de Fotos im Anhang: 01 Das Foto zeigt die Stadtberger Bergleute im Obermarsberger Kohlhagen in den 1890er Jahren. Ganz links ist in Uniform der Obersteiger Josef Prior aus Obermarsberg zu sehen. 02 Diese Ansichtskarte aus den 1890er Jahren zeigt oben eine Totalansicht von Essentho bei Niedermarsberg. Außerdem sind verschiedenste Gebäude des Ortes, wie z. B. das Forsthaus, die Schule und die Kapelle abgebildet. 03 Eine Aktie der Stadtberger Hütte – Sie wurde am 01. November 1872 herausgegeben und hatte einen Nennwert von „200 Thaler Preuss. Court. = 600 Mark Deutsche Reichswährung“. Unterzeichnet wurde die im Nachhinein mit Liquidationsstempeln versehene Aktie von Dr. Rentzing. 04 Dieser Blick auf Essentho entstand um das Jahr 1960. #Marsberg #Essentho #Kupfer #Bergbau #Kupferbergbau #Essenthoer #Urkunden #Fundstueck #FundstueckdesMonats #MarsbergsFundstueckdesMonats #Juli2017 #Bergmann #Kupfererze #Borlinghausen #Westheim #Dalheim #Scherfede #Bleiwäsche #Schuerfarbeiten #Geschichtsverein #Heimatverein #MarsbergerGeschichte #MarsbergerGeschichten #Museum #HausBoettcher #MuseumHausBoettcher #HausderGeschichte #MarsbergsHausderGeschichte #Kupferlagerstaette #HoheLoh #1712 #LudwigWegener #Fuerstenberg #Westfalen #Herzogtum #Bergwerke #Huetten #Haemmer #ErnstKonstantinvonderAsseburg #Fuerstbischof #FranzArnoldvonPaderborn #Gewerke #1723 #vonPlettenberg #1729 #Oesdorf #Bergleute #Gewerkschaft #Elling #Hofkammer #Paderborn #1726 #Kupferbergwerk #Kupferverhuettung #Hulden #Pacht #Huldenpacht #Schmelzhuette #Ausbeute #Gruben #Bergamt #Kurkoeln #1715 #Gruben #KreisBueren #Hochstift #Bergbehoerde #Halden #Rezessgeld #Niedermarsberg #Forsthaus #Schule #Kapelle #Stadtberge #Bergleute #Obermarsberg #Kohlhagen #Obersteiger #JosefPrior #Aktie #StadtbergerHuette #DrRentzing #Rentzing #UnserMarsberg
Das Schützenwesen in der alten Herrschaft …

5. Juli 2017
Das Schützenwesen in der alten Herrschaft Canstein Aufzeichnungen eines Gerichtsrates sind das Fundstück des Monats Juni Herrschaft Canstein – Canstein / Udorf / Leitmar / Heddinghausen / Borntosten. Die Schützenfestsaison im Marsberger Stadtgebiet geht in ihre Hochphase. 14 Schützenvereine und Bruderschaften feiern jeweils ihr Fest der Feste. Marsbergs Fundstück des Monats Juni 2017 belegt, dass auch einst in der alten Herrschaft Canstein ein Schützenfest gefeiert wurde und das Brauchtum verankert war. Die Aufzeichnungen des Gerichtsrats von Canstein aus Berlin sind im Besitz des Marsberger Geschichts- und Heimatvereins „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ und befinden sich im Museum „Haus Böttcher – Marsbergs Haus der Geschichte aus 1589“. Sie wurden nun zum Fundstück des Monats prämiert. Am 18. und 19.06.1938 fand in Canstein zum ersten Mal nach dem Mittelalter ein Schützenfest statt. Auch in 1939 gibt es Belege für dieses Fest. Ausrichter war der kurz zuvor neugegründete Kriegerverein Canstein. Nach dem Kriegsende wurde der Kriegerverein, wie auf anderen Ortschaften auch, von den Alliierten verboten. Eine Neugründung des Vereins nach 1945 fand in Canstein nicht statt. Gerichtsrat von Canstein aus Berlin schreibt hierzu: „Das am 18. und 19. Juni 1938 seit 500 Jahren erstmalig zu Canstein wieder gefeierte Schützenfest ist ein Anlaß zu einem geschichtlichen Rückblick auf Einrichtungen ähnlicher Art aus früherer Zeit: Die Schützengilde war nach dem Schutzpatron „St. Sebastian“ bezeichnet. Erste Anzeichen, die auf das Vorhandensein einer Schützenbruderschaft schließen lassen, gehen in das 15. Jahrhundert zurück, als die Schützen noch mit Bogen und Armbrust ausgerüstet waren. Der Zweck der Schützenbruderschaft war ursprünglich eine Anzahl von Bauern und Handwerkern in der Handhabung der jeweilig üblichen Waffen, vor allem der Armbrust und später des Gewehrs für den Ernstfall auszubilden und in Übung zu halten. Erfahrungen und Erinnerungen an ruhmreiche kriegerische Ereignisse wollte man wachhalten und auch das kameradschaftliche Einvernehmen untereinander pflegen. Die höchste Blütezeit der Schützenbruderschaft fällt offenbar in die Zeit des 15. und 16. Jahrhunderts, um die vielen Fehden, welche von den Herren von Canstein zwecks Erhaltung und Festigung der Grundherrschaft geführt und nicht selten von den benachbarten Städten des Waldecker und Paderborner Landes aufgenötigt wurden, erfolgreich durchführen zu können. Nicht nur die Burg Canstein, der Schutz des herrschaftlichen Landes und des dazugehörigen Bauerntums bzw. auch die größeren Höfe und durch ihre Lage besonderen Gefahren ausgesetzten Häuser der zur Herrschaft gehörenden Gemeinden waren teils befestigt und besonders geschützt. Zur „Wehrposten-Mannschaft“ gehören galt als eine besondere Ehre, die sich niemand entzog. Die Schützenbrüder schufen sich ihre Waffen selbst an, soweit das ihnen möglich war; den übrigen wurden solche von der Herrschaft gestellt. Die Bruderschaft beteiligte sich beim Begang der Gemarksgrenzen und der Schnade. Bei Abhaltung des Gerichts waren Schützen brauchtümlich anwesend. Sie wurden bei Privatpfändungen zum Schutz des Pfandgläubigers hinzugezogen und transportierten bzw. bewachten Gefangene. Sie beschützten „wegen der Gefährlichkeit der Wege“ in unsicheren Zeiten Fuhrwerke, Fuhrleute, Waren und Pferde – das nicht nur von herrschaftlichen Gespannen, sondern auch der Untertanen. Auch zum Wachposten-Gehen wurden die Schützen in den Dörfern während der unruhigen Zeiten beauftragt, desgleichen aber auch manchmal während der Kornreife und solange die geerntete Frucht auf dem Felde stand. Holzungen von den Schützen wurden „schildwachweise“ zum Schutz gegen Holz- und Forstfrevel umstellt. Derartige Anordnungen findet man regelmäßig zum sogenannten Maytag und zu Schützenfesttagen. Denn bei solchen Gelegenheiten wurde nicht selten durch unberechtigte Wegnahme von „Bäumchen“ ein Holzfrevel begangen. Im Jahre 1764 z. B. sind in dieser Weise 4 Marsberger von den Schützen ertappt, welche die Frevler dem Gefängnis auf dem Schloss Canstein zuführten. Die Schützen nahmen geschlossen teil an den kirchlichen Prozessionen, vor allem der Fronleichnamsprozession. Ebenso bei Beerdigungen von Angehörigen der Familie von Canstein, solange sie die Herrschaft Canstein inne hatte, desgleichen bei Beerdigung des Pastors, des Küsters, Lehrers und anderer herrschaftlicher Beamte. Die Schützenbruderschaft erstreckte sich in früheren Jahrhunderten als eine einheitliche Organisation über alle zur Herrschaft Canstein gehörigen Ortschaften, also über Canstein, Udorf, Heddinghausen, Leitmar und Borntosten, die gleichzeitig den Umfang der Pfarrei Heddinghausen bildeten. Deswegen hatte sie einen zweiten Patron, den Hl. Hubertus. Die Schützenbrüder der einzelnen Ortschaften waren in sogenannte Rotten eingeteilt und von einem sogenannten Rottenmeister geführt, während in Udorf gelegentlich ein Schützenmeister, in anderen Orten z. B. in Leitmar und Canstein auch ein Corporal genannt wird. Die gesamte Schützenmannschaft wurde geführt von dem Schützenhauptmann, der von den Schützen im Einvernehmen mit der Herrschaft gewählt wurde und dann mehrere Jahre hindurch dieses Amt bekleidete, weil für dieses nicht nur Ansehen, sondern auch Tüchtigkeit entscheidend war. Diese Regelungen waren ebenso wie die sonstigen Rechte, Freiheiten und Pflichten der Schützenbruderschaft in den Statuten derselben festgelegt, die leider nur in Bruchstücken erhalten sind, sodaß die einzelnen Verhältnisse der Bruderschaft nur mühsam aus anderen Urkunden sich zusammenstellen lassen. Nach einer Mitgliederliste aus dem Jahre 1680 betrug die Stärke der Schützenmannschaft 124 Mann. Davon entfallen auf Canstein allerdings nur 14, auf Heddinghausen 17, Udorf 53, Leitmar 21 und auf Borntosten 19. Von den vorstehend genannten Mannschaften mußte jeder ein brauchbares „Rohr“ d. h. Büchsen haben. Doch waren bei der Musterung nur 55 als brauchbar anerkannt. Die Nichtinstandhaltung der Rohre wurde statutengemäß bestraft. Später in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts verlor sich die ursprüngliche Bedeutung der Schützenbruderschaft unter den veränderten Verhältnissen immer mehr. Das Aufkommen der stehenden Heere insbesondere nahmen den Bruderschaften die Grundlage, die gänzlich in Vergessenheit geriet und die Schützenbruderschaft zu einer nur noch auf freiwilliger Zugehörigkeit beruhenden Vergnügungsgesellschaft herabsinken ließ. Erst in dem letzterwähnten Zeitraum des Zerfalls entwickelten sich gesonderte Schützenvereine in den einzelnen zur Herrschaft Canstein gehörigen Dorfschaften. Diese aber wurden unter der Fremdherrschaft der Franzosen aufgehoben. Die Idee der Schützenvereine wurde nur in Udorf und Leitmar wieder erneuert und bestehen bis heute.“ Nähere Informationen zum Fundstück des Monats finden Sie unter: www.Marsberger-Geschichte.de Wegen des sicherlich weiteren Interesses folgt eine Aufstellung der Schützenmannschaft aus dem Jahre 1680, deren Nachkommen z. T. noch vor Ort ansässig sind. In der Freiheit Canstein: Adam Siebecker u. Sohn Heinrich Tönnies Kümmel Melcher Götten Jost Contzen Jacob Hillebrandt Feltin Kümmel Caspar Pottenhorn (Corporal) Andreas Nymphius Jacob Relingh Arnt Hoffmann Heinrich Botterweck Martin Bartholmay Friedrich Nymphius (Mü.-Canstein)“ Fotos im Anhang: 01 Ein Blick auf die Ortschaft und Schloss Canstein in den 1960er Jahren. 02 Diese Ansichtskarte zeigt eine Dorfansicht von Canstein mit Blick in Richtung Heddinghausen. Sie wurde um 1920 erstellt. 03 Eine Ansichtskarte von Udorf – Sie ist in den 1950er Jahren entstanden. Verkauft wurde sie im Gasthaus, Metzgerei und Pension Anton Wiegelmann, Telefon Canstein 62. 04 Diese Ansichtskarte „Gruß aus Udorf (Sauerland)“ ist aus der Zeit um 1960. Zu sehen sind eine Partie um die Kirche, ein Fernblick auf Udorf sowie das Gasthaus und die Metzgerei von der Familie Wiegelmann. 05 Diese Ansichtskarte ist aus der Zeit um 1915. Zu sehen ist oben eine Aufnahme von Leitmar. Unten sind die Kirche, die Schule und der Gasthof Schröder abgebildet. 06 Diese Ansichtskarte von Leitmar zeigt verschiedenste Motive des Ortes und der Umgebung. Sie ist aus den 1930er Jahren und wurde von dem Gasthaus und Sommerfrische Krug vertrieben. #Marsberg #Canstein #Schuetzen #Schuetzenwesen #Herrschaft #HerrschaftCanstein #Aufzeichnungen #Gerichtsrat #Fundstueck #FundstueckdesMonats #Udorf #Leitmar #Heddinghausen #Borntosten #Schuetzenfest #Schuetzenfestsaison #Stadtgebiet #Schuetzenvereine #Schuetzenbruderschaften #MarsbergsFundstueckdesMonats #Brauchtum #Gerichtsrat #vonCanstein #Berlin #Geschichtsverein #Heimatverein #MarsbergerGeschichten #Museum #HausBoettcher #MuseumHausBoettcher #HausderGeschichte #MarsbergsHausderGeschichte #Mittelalter #Kriegerverein #KriegervereinCanstein #Schuetzengilde #Schutzpatron #SanktSebastian #Fehden #HerrenvonCanstein #WaldeckerLand #PaderbornerLand #BurgCanstein #Wehrposten #Gemarksgrenzen #Schnade #WachpostenGehen #Holzfrevel #Waldfrevel #Maytag #1764 #Gefaengnis #SchlossCanstein #Prozessionen #Fronleichnam #Beerdigungen #Pfarrei #PfarreiHeddinghausen #HeiligerHubertus #Rotten #Rottenmeister #Schuetzenmeister #Corporal #Schuetzenmannschaft #Schuetzenhauptmann #Statuten #Mitgliederliste #1680 #AdamSiebecker #HeinrichSiebecker #ToenniesKuemmel #MelcherGoetten #JostContzen #JacobHillebrandt #FeltinKuemmel #CasparPottenhorn #AndreasNymphius #JacobRelingh #ArntHoffmann #HeinrichBotterweck #MartinBartholmay #FriedrichNymphius #Gasthaus #Metzgerei #Pension #Wiegelmann #AntonWiegelmann #Schule #GasthofSchroeder #Gasthaus #Sommerfrische #Krug #UnserMarsberg
Ein Stück Marsberger Siedlungsgeschichte …

28. Mai 2017
Ein Stück Marsberger Siedlungsgeschichte Fundstück des Monats Mai ist eine 65 Jahre alte Urkunde Obermarsberg / Rennufer. Der zweite Weltkrieg brachte eine große Not hervor. Viele Vertriebene der deutschen Ostgebiete, wie West- und Ostpreußen, Pommern, Schlesien, dem Sudetenland, usw. machten sich auf den Weg gen Westen. Im westlichen Deutschland angekommen, standen sie erstmal vor dem Nichts und suchten Unterkunft. Marsbergs Fundstück des Monats Mai 2017 ist die gedruckte Original-Urkunde der Gründung des Rennufers. Eine ganz spezielle Siedlung in der damaligen Stadt Obermarsberg. Die originale Urkunde wurde an den Marsberger Geschichts- und Heimatverein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ für das Museum „Haus Böttcher – Marsbergs Haus der Geschichte aus 1589“ übergeben und nun zum Fundstück des Monats prämiert. Die Gründungsurkunde des Rennufers wurde vor genau 65 Jahren am 28.05.1952 ausgestellt. Gedruckt wurde sie von der damaligen Marsberger Druckerei Schulte. Mit geschwungenen Lettern versehen unterzeichneten dieses Zeitdokument zur Grundsteinlegung der Siedlung der damalige Landrat des Kreises Brilon Lorenz Hoffmann; Oberkreisdirektor Robert Steineke; der Vorsitzende des Aufsichtsrates der gemeinnützigen Siedlungs- und Baugenossenschaft des Kreises, Josef Schmidt-Diemel; der Geschäftsführer der Baugenossenschaft, Friedrich Böttcher; Obermarsbergs Pfarrer Otto Bramkamp; Bürgermeister Franz Siebers; die Stadtvertreter: Heinrich Fobbe, Robert Fiege, Anton Kehr, Heinrich Koch, Fritz Kroker, Anton Todt, Josef Volbracht, August Wiegelmann und Hubert Willmes und Stadtdirektor Josef Kloke. Außerdem die Herren: Karl Leiße, Franz Bartholme, J. Pennig, Hans-Walter Möhring, Karl Kümmel, Wilhelm Gaentzsch, Anton Fobbe, Josef Dinkelmann und Heinrich Prior. Die Siedlung trug fortan den Namen „Rennufer-Siedlung der Stadt Obermarsberg“, so die Original-Urkunde. Der Bebauungsplan wurde vom Kreishochbauamt Brilon in Verbindung mit der Landesplanungsgemeinschaft Westfalen, Bezirksstelle Arnsberg, aufgestellt. Die Entwürfe für den Tiefbau stammen vom Kreiskulturbauamt Brilon. Die Bebauung des Geländes wurde der gemeinnützigen Siedlungs- und Baugenossenschaft des Kreises Brilon übertragen. Hans-Walter Möhring aus Niedermarsberg war als beratender Architekt für die Stadtverwaltung Obermarsberg tätig. Die Maurerarbeiten des ersten Bauabschnittes führte die Firma Heinrich Prior, Hoch-, Tief- und Eisenbetonbau aus Erlinghausen durch. Das Haus der Familie Owczarczak wurde als erstes fertiggestellt. In der Original-Gründungsurkunde heißt es: „Das Jahr 1952 ist das sechste nach Beendigung eines grauenhaften Krieges, in dessen Zeitgeschehen ganze Städte und Dörfer unseres deutschen Vaterlandes in Trümmer sanken, wodurch Millionen von Menschen obdachlos und weitere Millionen in den Auswirkungen dieses Krieges aus ihrer Heimat vertrieben und zu wohnungssuchenden Wanderern wurden, die auf die Hilfe ihrer Mitmenschen in den vom Kriege verschont gebliebenen Gebieten angewiesen waren. Durch die vielen Wohnungssuchenden wurde in diesen Gebieten eine Überbevölkerung herbeigeführt und trat ein Wohnraummangel ein, dem man nur im Laufe der Jahre durch umfangreiche Bau- und Siedlungsmaßnahmen erfolgreich begegnen konnte.“ Der Kreis Brilon hatte im Jahr 1939 insgesamt 51.128 Einwohner. Diese Zahl ist durch den Zustrom von Evakuierten und Flüchtlingen um 21.719 Personen gestiegen, sodass der Kreis Brilon im Jahr 1950 73.011 Einwohner hatte. Die Vertriebenen der ostdeutschen Gebiete brachten zumeist eine andere Religion (evangelisch) und Kultur mit sich. Sie waren somit damals erstmal „anders“ als die katholisch-geprägten Sauerländer. Auch in Brilon entstand eine neue Siedlung für Ost-Vertriebene: „Petersborn“. Die Rennufer-Urkunde weiter: „Durch die rege Bautätigkeit innerhalb des Kreises während der letzten Jahre, die durch wohlwollende Förderung der maßgeblichen Regierungsstellen gestützt und dank der tatkräftigen Mithilfe von Kreisvertretung und Kreisverwaltung und den Höchstleistungen der Gemeinden, konnte ein großer Teil der bestehenden Wohnungsnot beseitigt werden, deren vollkommene Lösung in der Verwirklichung des Siedlungsgedankens liegt, damit neben der Beseitigung der Wohnungsnot Familien wieder bodenständig gemacht und an die Scholle gebunden werden, die größtenteils in den Kriegsauswirkungen Haus und Heimat verloren haben.“ Um „dieses hohe Ziel verwirklichen zu helfen“, wurde durch Beschluss der Stadtvertretung von Obermarsberg vom 01.08.1950 das Gelände auf dem Rennufer im Gemarkungsbezirk Obermarsberg als Siedlungsgelände ausgewiesen. „Da die gemeinnützige Siedlungs- und Baugenossenschaft des Kreises Brilon, deren Mitglied die Stadt Obermarsberg ist, der berufenste Träger in der Durchführung der Siedlungsmaßnahmen im Kreise Brilon ist, wurde die Bebauung dieses Siedlungsgeländes in ihre bewährten Hände gelegt.“ Zu Letzt wird in der Urkunde auf den Schutz Gottes gehofft. „Gottes gütiger Schutz hat fast das gesamte Kreisgebiet, insbesondere aber auch unsere Stadt vor der allzunahen und drohenden Zerstörung bewahret, sodaß die Türme unserer herrlichen und weitsichtbaren Kirchen auch weiterhin den Wanderer grüßen. Um einen wertvollen Beitrag in der Seßhaftmachung von wohnungssuchenden Menschen zu leisten, wird diese Siedlung errichtet und ihrer Bestimmung übergeben, sei es in Dankbarkeit gegen Gott der der Stadt und ihren Einwohnern in schwerster Zeit seinen Schutz verlieh, der aber auch weiterhin seinen Schutz und Segen geben möge allen zukünftigen Bewohnern dieser Siedlung der Stadt und ihren Einwohnern sowie unserem gesamten Volke und Vaterlande.“ Zeitzeugen erinnern sich, dass das Gebiet ursprünglich keine optimale Lösung war. Es gab anfangs kein fließendes Wasser, noch Strom. Man musste zu Fuß mit Eimern zum Pumpenhäuschen bei Mühlenbeins gehen, um an frisches Wasser zu gelangen. Es befand sich etwa dort, wo heute bei der Unterführung unter der B 7 die Teiche sind. Kerzen und Petroleumlampen spendeten das Licht in den Häusern. Die Kinder mussten beispielsweise einen erschwerlichen Fußweg nach Obermarsberg in Kauf nehmen. Die Art und die Entstehung des Rennufers, das heutzutage bereits mit der Niedermarsberger Kernstadt, dem Meisenberg, usw. zusammengewachsen ist, sind aber auch ein guter Beleg für gelebte Integration und das bis heute. Nähere Informationen zum Fundstück des Monats finden Sie unter: www.Marsberger-Geschichte.de Fotos im Anhang: 01 Das Rennufer Ende der 1950er Jahre – durch das Bild verläuft die Bundesstraße 7 / Bredelarer Straße. Oberhalb davon die ab 1952 bebaute Rennufersiedlung. Am rechten Bildrand ist schon das Firmengebäude von WIVO (Wilhelm Vorneweg, Eigentümer: Zernicke) zu sehen. Ursprünglich war die Firma in Obermarsberg im städtischen Haus, Hauptstraße 31 (heute: Museumsgaststätte Im Weißen Ross im LWL-Freilichtmuseum Detmold), beheimatet. Zu Letzt war WIVO unter dem Namen ITT in Bredelar an der Carl-Reinke-Straße bekannt. 02 Diese Aufnahme - mit Blick vom Rittersprung aus - entstand um 1920. Im Vordergrund das Diemeltal mit der Vinzenziusmühle, dahinter an der Bredelarer Straße gelegen die Alte Ziegelei. Bekannter Weise sind Rennufer und Meisenberg zu diesem Zeitpunkt noch nicht bebaut. 03 Das Foto zeigt den Gasthof Rosenkranz auf dem Rennufer. Er hatte den Beinamen – wie unschwer auf dem Foto zu erkennen ist – „Zum Kuckuck“. Das Gasthaus Zum Kuckuck wurde zu Letzt von der Familie Mette betrieben. Die Aufnahme entstand um 1960. 04 Die Urkunde zur Gründung der Rennufer-Siedlung vom 28. Mai 1952, Seite 1. 05 Die Urkunde zur Gründung der Rennufer-Siedlung vom 28. Mai 1952, Seite 2. 06 Die Urkunde zur Gründung der Rennufer-Siedlung vom 28. Mai 1952, Seite 3. 07 Blick vom Rittersprung auf das Rennufer – Die Rennufer-Siedlung wurde ab 1952 bebaut. Im Vordergrund rechts ist die Vinzenziusmühle – dahinter die Alte Ziegelei – zu sehen. Die Aufnahme entstand ca. 1955. #Marsberg #Obermarsberg #Rennufer #Siedlung #Siedlungsgeschichte #Fundstueck #FundstueckdesMonats #Mai2017 #65Jahre #Urkunde #Weltkrieg #Not #Vertriebene #Ostgebiete #Westpreussen #Ostpreussen #Pommern #Schlesien #Sudetenland #MarsbergsFundstueck #OriginalUrkunde #Gruendung #StadtObermarsberg #Geschichtsverein #Heimatverein #MarsbergerGeschichten #Museum #HausBoettcher #MuseumHausBoettcher #MarsbergsHausderGeschichte #HausderGeschichte #Gruendungsurkunde #DruckereiSchulte #Grundsteinlegung #Landrat #Brilon #KreisBrilon #LorenzHoffmann #Oberkreisdirektor #RobertSteineke #Aufsichtsrat #Vorsitzender #Gemeinnuetzig #Siedlungsgenossenschaft #Baugenossenschaft #JosefSchmidtDiemel #Geschaeftsfuehrer #FriedrichBoettcher #Pfarrer #OttoBramkamp #Buergermeister #FranzSiebers #Stadtvertreter #HeinrichFobbe #RobertFiege #AntonKehr #HeinrichKoch #FritzKroker #AntonTodt #JosefVolbracht #AugustWiegelmann #HubertWillmes #Stadtdirektor #JosefKloke #KarlLeisse #FranzBartholme #JPennig #HansWalterMoehring #KarlKuemmel #WilhelmGaentzsch #AntonFobbe #JosefDinkelmann #HeinrichPrior #RennuferSiedlung #Bebauungsplan #Kreishochbauamt #Landesplanungsgemeinschaft #Westfalen #Bezirksstelle #Arnsberg #Tiefbau #Kreiskulturbauamt #Bebauung #Gelaende #Niedermarsberg #Architekt #Stadtverwaltung #Maurerarbeiten #Bauabschnitt #Hochbau #Eisenbetonbau #Erlinghausen #Haus #Owczarczak #1952 #Evakuierte #Fluechtlinge #Petersborn #RennuferUrkunde #Regierungsstelle #Kreisvertretung #Kreisverwaltung #Gemarkungsbezirk #Siedlungsgelaende #Wasser #Strom #Pumpenhaeuschen #Muehlenbeins #Unterfuehrung #B7 #Kerzen #Petroleumlampen #Meisenberg #Kernstadt #MarsbergerGeschichte #Integration #Bundesstrasse #BredelarerStrasse #Rennufersiedlung #WIVO #WilhelmVorneweg #Zernicke #StaedtischesHaus #Museumsgaststaette #WeissesRoss #LWL #Freilichtmuseum #Detmold #ITT #Bredelar #CarlReinkeStrasse #Rittersprung #Diemeltal #Vinzenziusmuehle #AlteZiegelei #GasthofRosenkranz #ZumKuckuck #Mette #UnserMarsberg
Ein Stück Marsberger Siedlungsgeschichte …

28. Mai 2017
Ein Stück Marsberger Siedlungsgeschichte Fundstück des Monats Mai ist eine 65 Jahre alte Urkunde Obermarsberg / Rennufer. Der zweite Weltkrieg brachte eine große Not hervor. Viele Vertriebene der deutschen Ostgebiete, wie West- und Ostpreußen, Pommern, Schlesien, dem Sudetenland, usw. machten sich auf den Weg gen Westen. Im westlichen Deutschland angekommen, standen sie erstmal vor dem Nichts und suchten Unterkunft. Marsbergs Fundstück des Monats Mai 2017 ist die gedruckte Original-Urkunde der Gründung des Rennufers. Eine ganz spezielle Siedlung in der damaligen Stadt Obermarsberg. Die originale Urkunde wurde an den Marsberger Geschichts- und Heimatverein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ für das Museum „Haus Böttcher – Marsbergs Haus der Geschichte aus 1589“ übergeben und nun zum Fundstück des Monats prämiert. Die Gründungsurkunde des Rennufers wurde vor genau 65 Jahren am 28.05.1952 ausgestellt. Gedruckt wurde sie von der damaligen Marsberger Druckerei Schulte. Mit geschwungenen Lettern versehen unterzeichneten dieses Zeitdokument zur Grundsteinlegung der Siedlung der damalige Landrat des Kreises Brilon Lorenz Hoffmann; Oberkreisdirektor Robert Steineke; der Vorsitzende des Aufsichtsrates der gemeinnützigen Siedlungs- und Baugenossenschaft des Kreises, Josef Schmidt-Diemel; der Geschäftsführer der Baugenossenschaft, Friedrich Böttcher; Obermarsbergs Pfarrer Otto Bramkamp; Bürgermeister Franz Siebers; die Stadtvertreter: Heinrich Fobbe, Robert Fiege, Anton Kehr, Heinrich Koch, Fritz Kroker, Anton Todt, Josef Volbracht, August Wiegelmann und Hubert Willmes und Stadtdirektor Josef Kloke. Außerdem die Herren: Karl Leiße, Franz Bartholme, J. Pennig, Hans-Walter Möhring, Karl Kümmel, Wilhelm Gaentzsch, Anton Fobbe, Josef Dinkelmann und Heinrich Prior. Die Siedlung trug fortan den Namen „Rennufer-Siedlung der Stadt Obermarsberg“, so die Original-Urkunde. Der Bebauungsplan wurde vom Kreishochbauamt Brilon in Verbindung mit der Landesplanungsgemeinschaft Westfalen, Bezirksstelle Arnsberg, aufgestellt. Die Entwürfe für den Tiefbau stammen vom Kreiskulturbauamt Brilon. Die Bebauung des Geländes wurde der gemeinnützigen Siedlungs- und Baugenossenschaft des Kreises Brilon übertragen. Hans-Walter Möhring aus Niedermarsberg war als beratender Architekt für die Stadtverwaltung Obermarsberg tätig. Die Maurerarbeiten des ersten Bauabschnittes führte die Firma Heinrich Prior, Hoch-, Tief- und Eisenbetonbau aus Erlinghausen durch. Das Haus der Familie Owczarczak wurde als erstes fertiggestellt. In der Original-Gründungsurkunde heißt es: „Das Jahr 1952 ist das sechste nach Beendigung eines grauenhaften Krieges, in dessen Zeitgeschehen ganze Städte und Dörfer unseres deutschen Vaterlandes in Trümmer sanken, wodurch Millionen von Menschen obdachlos und weitere Millionen in den Auswirkungen dieses Krieges aus ihrer Heimat vertrieben und zu wohnungssuchenden Wanderern wurden, die auf die Hilfe ihrer Mitmenschen in den vom Kriege verschont gebliebenen Gebieten angewiesen waren. Durch die vielen Wohnungssuchenden wurde in diesen Gebieten eine Überbevölkerung herbeigeführt und trat ein Wohnraummangel ein, dem man nur im Laufe der Jahre durch umfangreiche Bau- und Siedlungsmaßnahmen erfolgreich begegnen konnte.“ Der Kreis Brilon hatte im Jahr 1939 insgesamt 51.128 Einwohner. Diese Zahl ist durch den Zustrom von Evakuierten und Flüchtlingen um 21.719 Personen gestiegen, sodass der Kreis Brilon im Jahr 1950 73.011 Einwohner hatte. Die Vertriebenen der ostdeutschen Gebiete brachten zumeist eine andere Religion (evangelisch) und Kultur mit sich. Sie waren somit damals erstmal „anders“ als die katholisch-geprägten Sauerländer. Auch in Brilon entstand eine neue Siedlung für Ost-Vertriebene: „Petersborn“. Die Rennufer-Urkunde weiter: „Durch die rege Bautätigkeit innerhalb des Kreises während der letzten Jahre, die durch wohlwollende Förderung der maßgeblichen Regierungsstellen gestützt und dank der tatkräftigen Mithilfe von Kreisvertretung und Kreisverwaltung und den Höchstleistungen der Gemeinden, konnte ein großer Teil der bestehenden Wohnungsnot beseitigt werden, deren vollkommene Lösung in der Verwirklichung des Siedlungsgedankens liegt, damit neben der Beseitigung der Wohnungsnot Familien wieder bodenständig gemacht und an die Scholle gebunden werden, die größtenteils in den Kriegsauswirkungen Haus und Heimat verloren haben.“ Um „dieses hohe Ziel verwirklichen zu helfen“, wurde durch Beschluss der Stadtvertretung von Obermarsberg vom 01.08.1950 das Gelände auf dem Rennufer im Gemarkungsbezirk Obermarsberg als Siedlungsgelände ausgewiesen. „Da die gemeinnützige Siedlungs- und Baugenossenschaft des Kreises Brilon, deren Mitglied die Stadt Obermarsberg ist, der berufenste Träger in der Durchführung der Siedlungsmaßnahmen im Kreise Brilon ist, wurde die Bebauung dieses Siedlungsgeländes in ihre bewährten Hände gelegt.“ Zu Letzt wird in der Urkunde auf den Schutz Gottes gehofft. „Gottes gütiger Schutz hat fast das gesamte Kreisgebiet, insbesondere aber auch unsere Stadt vor der allzunahen und drohenden Zerstörung bewahret, sodaß die Türme unserer herrlichen und weitsichtbaren Kirchen auch weiterhin den Wanderer grüßen. Um einen wertvollen Beitrag in der Seßhaftmachung von wohnungssuchenden Menschen zu leisten, wird diese Siedlung errichtet und ihrer Bestimmung übergeben, sei es in Dankbarkeit gegen Gott der der Stadt und ihren Einwohnern in schwerster Zeit seinen Schutz verlieh, der aber auch weiterhin seinen Schutz und Segen geben möge allen zukünftigen Bewohnern dieser Siedlung der Stadt und ihren Einwohnern sowie unserem gesamten Volke und Vaterlande.“ Zeitzeugen erinnern sich, dass das Gebiet ursprünglich keine optimale Lösung war. Es gab anfangs kein fließendes Wasser, noch Strom. Man musste zu Fuß mit Eimern zum Pumpenhäuschen bei Mühlenbeins gehen, um an frisches Wasser zu gelangen. Es befand sich etwa dort, wo heute bei der Unterführung unter der B 7 die Teiche sind. Kerzen und Petroleumlampen spendeten das Licht in den Häusern. Die Kinder mussten beispielsweise einen erschwerlichen Fußweg nach Obermarsberg in Kauf nehmen. Die Art und die Entstehung des Rennufers, das heutzutage bereits mit der Niedermarsberger Kernstadt, dem Meisenberg, usw. zusammengewachsen ist, sind aber auch ein guter Beleg für gelebte Integration und das bis heute. Nähere Informationen zum Fundstück des Monats finden Sie unter: www.Marsberger-Geschichte.de Fotos im Anhang: 01 Das Rennufer Ende der 1950er Jahre – durch das Bild verläuft die Bundesstraße 7 / Bredelarer Straße. Oberhalb davon die ab 1952 bebaute Rennufersiedlung. Am rechten Bildrand ist schon das Firmengebäude von WIVO (Wilhelm Vorneweg, Eigentümer: Zernicke) zu sehen. Ursprünglich war die Firma in Obermarsberg im städtischen Haus, Hauptstraße 31 (heute: Museumsgaststätte Im Weißen Ross im LWL-Freilichtmuseum Detmold), beheimatet. Zu Letzt war WIVO unter dem Namen ITT in Bredelar an der Carl-Reinke-Straße bekannt. 02 Diese Aufnahme - mit Blick vom Rittersprung aus - entstand um 1920. Im Vordergrund das Diemeltal mit der Vinzenziusmühle, dahinter an der Bredelarer Straße gelegen die Alte Ziegelei. Bekannter Weise sind Rennufer und Meisenberg zu diesem Zeitpunkt noch nicht bebaut. 03 Das Foto zeigt den Gasthof Rosenkranz auf dem Rennufer. Er hatte den Beinamen – wie unschwer auf dem Foto zu erkennen ist – „Zum Kuckuck“. Das Gasthaus Zum Kuckuck wurde zu Letzt von der Familie Mette betrieben. Die Aufnahme entstand um 1960. 04 Die Urkunde zur Gründung der Rennufer-Siedlung vom 28. Mai 1952, Seite 1. 05 Die Urkunde zur Gründung der Rennufer-Siedlung vom 28. Mai 1952, Seite 2. 06 Die Urkunde zur Gründung der Rennufer-Siedlung vom 28. Mai 1952, Seite 3. 07 Blick vom Rittersprung auf das Rennufer – Die Rennufer-Siedlung wurde ab 1952 bebaut. Im Vordergrund rechts ist die Vinzenziusmühle – dahinter die Alte Ziegelei – zu sehen. Die Aufnahme entstand ca. 1955. #Marsberg #Obermarsberg #Rennufer #Siedlung #Siedlungsgeschichte #Fundstueck #FundstueckdesMonats #Mai2017 #65Jahre #Urkunde #Weltkrieg #Not #Vertriebene #Ostgebiete #Westpreussen #Ostpreussen #Pommern #Schlesien #Sudetenland #MarsbergsFundstueck #OriginalUrkunde #Gruendung #StadtObermarsberg #Geschichtsverein #Heimatverein #MarsbergerGeschichten #Museum #HausBoettcher #MuseumHausBoettcher #MarsbergsHausderGeschichte #HausderGeschichte #Gruendungsurkunde #DruckereiSchulte #Grundsteinlegung #Landrat #Brilon #KreisBrilon #LorenzHoffmann #Oberkreisdirektor #RobertSteineke #Aufsichtsrat #Vorsitzender #Gemeinnuetzig #Siedlungsgenossenschaft #Baugenossenschaft #JosefSchmidtDiemel #Geschaeftsfuehrer #FriedrichBoettcher #Pfarrer #OttoBramkamp #Buergermeister #FranzSiebers #Stadtvertreter #HeinrichFobbe #RobertFiege #AntonKehr #HeinrichKoch #FritzKroker #AntonTodt #JosefVolbracht #AugustWiegelmann #HubertWillmes #Stadtdirektor #JosefKloke #KarlLeisse #FranzBartholme #JPennig #HansWalterMoehring #KarlKuemmel #WilhelmGaentzsch #AntonFobbe #JosefDinkelmann #HeinrichPrior #RennuferSiedlung #Bebauungsplan #Kreishochbauamt #Landesplanungsgemeinschaft #Westfalen #Bezirksstelle #Arnsberg #Tiefbau #Kreiskulturbauamt #Bebauung #Gelaende #Niedermarsberg #Architekt #Stadtverwaltung #Maurerarbeiten #Bauabschnitt #Hochbau #Eisenbetonbau #Erlinghausen #Haus #Owczarczak #1952 #Evakuierte #Fluechtlinge #Petersborn #RennuferUrkunde #Regierungsstelle #Kreisvertretung #Kreisverwaltung #Gemarkungsbezirk #Siedlungsgelaende #Wasser #Strom #Pumpenhaeuschen #Muehlenbeins #Unterfuehrung #B7 #Kerzen #Petroleumlampen #Meisenberg #Kernstadt #MarsbergerGeschichte #Integration #Bundesstrasse #BredelarerStrasse #Rennufersiedlung #WIVO #WilhelmVorneweg #Zernicke #StaedtischesHaus #Museumsgaststaette #WeissesRoss #LWL #Freilichtmuseum #Detmold #ITT #Bredelar #CarlReinkeStrasse #Rittersprung #Diemeltal #Vinzenziusmuehle #AlteZiegelei #GasthofRosenkranz #ZumKuckuck #Mette #UnserMarsberg
Allgemein
Eine erste gedruckte Chronik für die Stadt …

1. Mai 2017
Eine erste gedruckte Chronik für die Stadt Obermarsberg Aufzeichnungen eines Richters sind Marsbergs Fundstück des Monats April Obermarsberg. Das alltägliche Leben war schon in früheren Zeiten sehr vielfältig. Chronisten dokumentieren und sammeln heutzutage wirklich alles zu den Geschehnissen des Jahresverlaufs. In früheren Jahrhunderten standen solche chronologischen Aufzeichnungen allerdings nicht auf der Tagesordnung und sind absolut rar. Marsbergs Fundstück des Monats April 2017 sind die handschriftlich verfassten Jahresdokumentationen für die 1830er und 1840er Jahre zu den Geschehnissen in Obermarsberg. Sie wurden im Original an den Marsberger Geschichts- und Heimatverein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ für das Museum „Haus Böttcher – Marsbergs Haus der Geschichte aus 1589“ übergeben und nun zum Fundstück des Monats prämiert. Adam Petrasch war in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts Richter in Obermarsberg. Er war in Niedermarsberg am 15. April 1795 als Sohn der Eheleute Ferdinand Petrasch und Elisabeth Bech geboren. Er schrieb die 1. in Buchform gedruckte Chronik zur Stadt Obermarsberg. Sie hieß „Chronik der tausendjährigen Stadt Obermarsberg, der ehemaligen sächsischen Festung Eresburg, angefangen mit dem Jahre 1836“. Ehe die Chronik gedruckt werden konnte, starb Richter Petrasch und zwar im Jahre 1847; wo er starb, ist nicht bekannt. Ein Jahr nach seinem Tode wurde die Chronik vom Verleger M. Friedländer in Brilon herausgegeben. Friedländer druckte auch die 1. Zeitung des Kreises Brilon und Büren. Ihr Name war „Wochenblatt des Kreises Brilon“. Später nannte sich die Zeitung „Sauerländischer Anzeiger“. Auf der Rückseite des 1. gedruckten Obermarsberger Buches ist ein Dankesvermerk enthalten. Dem „Sanitätsrath Dr. Ruer, Director der hiesigen Provinzial Irrenheilanstalt, Besitzer der altehrwürdigen Benediktinerpropstei, Freund und 1. Ehrenbürger unserer Heimatstadt Obermarsberg“ war es finanziell zu verdanken, dass dieses Buch in Druck gehen konnte. Die Publikation ist nur noch in ganz, ganz wenigen Exemplaren vorhanden. Neben den Original-Aufzeichnungen zur Chronik des Richters Petrasch befindet sich ein Exemplar der alten Chronik im Museum „Haus Böttcher“ in Obermarsberg. Die Chronik beschreibt die alte Eresburg, also die Geschichte Obermarsbergs, usw. Die Jahreschroniken beginnen mit dem Jahr 1836. Eine akribische Genauigkeit bestimmt die Jahresauflistung des Richters Petrasch. Im Folgenden werden seine Berichte zu 1836 in der Hauptsache wiedergegeben: „Den Vorstand der Stadt Obermarsberg“, so schreibt Petrasch, „bildet im Jahre 1836 der Bürgermeister Hattermann mit den Gemeinderäten Johann Tewes, August Knüppel, Heinrich Breker und Amtsschreiber Hermann Volbracht. Der Bürgermeister ist ein von der Regierung angestellter kuratorischer Beamter und fungiert als solcher auch in Untermarsberg, Erlinghausen, Giershagen, den Patrimonial-Gerichtsbezirken Canstein und Padberg. Städtischer Rentmeister ist Friedrich Biermann. Die Forstwirtschaft leitet der Kommunal-Oberförster Schuto, der seinen Wohnsitz in Brilon hat; die schützenden Unterförster sind Franz Fobbe und Ferdinand Pape. Wir haben auch einen Polizeidiener, Georg Lutter, und einen Flurschützen, Christoph Köchling; doch kann die Polizei-Handhabung bei hellem Tage mit Laternen gesucht werden. Die Pfarrei, wozu auch das Dorf Erlinghausen als Filialort gehört, wird von dem Seminar-Geistlichen Franz Padberg aus Hildfeld, der am 11. April des vorigen Jahres in Paderborn zum Priester geweiht wurde, verwaltet. Küster und Organist ist der eben genannte Rentmeister Biermann. Mitglieder des Kirchenvorstandes sind der Gemeinderat Tewes, Gemeinderat Volbracht und Hermann Steinhof; Kirchenrechner ist der Gemeinderat Breker. Schullehrer ist Arnold Schultze. Das städtische Vermögen besteht in den schönen Waldungen, die nach der jüngsten Vermessung 3.328 Morgen und 40 Ruten groß sind. Es wird daraus jährlich eine bedeutende Masse Holz verkauft, durchschnittlich für 1.200 Taler, weil wegen des vorhandenen Schuldenbestandes den Bürgern kein freies Holz gegeben wird. An Besoldungen muß die Stadtkasse jährlich an den Oberförster 73 Taler 9 Silbergroschen (Sgr.), an den Unterförster Fobbe 61 Taler 16 1/6 Sgr., an den Unterförster Pape 90 Taler zahlen. An Grundsteuern muß die Stadt 185 Taler entrichten. Da die Stadt außer dem Rathause, der Schule und einem Plätzchen an der Diemel, dem sogenannten Budih, keine weiteren Grundstücke besitzt, muß die Grundsteuer meist von den Waldungen entrichtet werden. Die Stadtkasse erhebt auch Weidegeld für alles Vieh, das von dem Hirten zur Weide geführt wird. Das Vieh besteht dermal in 90 Stück Schweinen, 249 Stück Rindvieh, 122 Ziegen, 1.426 Schafen und 270 Gänsen. Für erste (Schweine) wird pro Stück 1 ½ Sgr., für zweite 2 ½ Sgr., für dritte 3 1/12 Sgr., für vierte 7/12 Sgr. und für fünfte 5/12 Sgr. Weidegeld bezahlt, überhaupt also 70 Taler und 28 Sgr. 10 Pf. Für die Jagd werden gemäß der bis 1839 dauernden Verpachtung 14 Taler 12 ½ Sgr., für die Fischerei 11 Taler 13 ½ Sgr. erhoben. An Brandsteuer muß die Stadt 4 Taler 10 Sgr. zahlen, an die Kreiskommunalkasse 18 Taler, an das Landarmen-Haus 6 Taler 6 ½ Sgr., an die Irren-Heilanstalt 6 Taler, an Miete für das Wachthaus 13 Taler 25 Sgr. Außerdem hat sie noch einen Schuldenbestand vorwiegend bei Juden von 6.818 7/15 Taler zu verzinsen. Die Feld- und Wiesenflur der Einwohner ist 4.844 Morgen 116 Ruten und 86 Fuß groß. Bespannt sind wenig Bürger. Man zählt nur 28 Pferde, dagegen aber 537 Esel, mit denen hier ebenso viel Frucht und Holz angefahren wird, als mit Wagen und Karren. Auf den hiesigen Bergen ist der Esel ein so nützliches Tier, wie das Kamel in seiner Heimat.“ Richter Petrasch berichtet dann in seiner Chronik noch über „merkwürdige Ereignisse“ des Jahres 1836, besonders über die Einführung der neuen Städte-Ordnung und eines Schulvorstandes. – Dann schreibt er: „Die Unglücksfälle des Jahres 1836 beschränkten sich darauf, daß am 18. Oktober abends 9 Uhr drei Häuser auf dem Kohlbette durch Brand eingeäschert wurden. Das dritte Haus hätte gerettet werden können und wäre gerettet worden, wenn die Einwohner nicht größtenteils im Bette gesteckt hätten. Dies ist übrigens nicht zu verwundern; denn da sie mit den Hühnern aufstehen und da sie schweren Arbeiten nachgehen müssen, dürfen sie auch mit den Hühnern schlafen gehen. Am 29. November 1836 abends wütete noch ein Orkan, gleich dem von 1800, nur nicht so anhaltend. Der Sturm deckte Dächer ab, riß ein Haus um, riß von beiden Kirchen einige Sparren ab, schlug Fenster aus und zerstörte sie.“ Petrasch schließt seinen Bericht über das genannte Jahr mit den Worten: „Jetzt stehe ich am Ende des Jahres 1836. Der Silvestertag stellt mich vor ein neues, leeres, inhaltsloses Blatt, wie der denkende Mensch wohl an jedem Jahresschlusse im Buche seines Lebens ein solches leeres Blatt vor sich sieht, was er zu füllen und zu beschreiben hat. Geist und Herz, Zeit und Verhältnisse liefern die Farben zu dem Gemälde. Ein Tag überreicht dem andern den Griffel, um mit dem Zeichnen fortzufahren. Und so wird mit jedem letzten Jahrestage ein Blatt gefüllt, bis des Lebens letzte Stunde die letzte Hand daran legt, mit dem Erdenleben abschließt und uns ins Jenseits ruft.“ Nähere Informationen zum Fundstück des Monats finden Sie unter: www.Marsberger-Geschichte.de Fotos im Anhang: 01 Der Sanitätsrat Dr. Ruer war Direktor der Westfälischen Klinik (Irrenanstalt) zu Niedermarsberg. Dieses Bildnis von ihm ist aus der Zeit um 1840. Dank der Kostenübernahme durch Dr. Ruer konnten die Aufzeichnungen von Richter Petrasch in Druck gehen. Den Chronikdruck stellte der Verleger M. Friedländer aus Brilon im Jahr 1848 her. Foto: Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.. 02 Die Luftaufnahme aus 1979 zeigt im Vordergrund Obermarsberg, die alte Stadt auf dem Berge. Im Tal liegt Niedermarsberg. Foto: Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.. 03 Der störrische Esel in Obermarsberg vor der Nikolaikirche – Der Esel war in früheren Zeiten hauptsächlich das Nutz- und Lasttier der Bewohner der alten Stadt. In der Chronik von 1836 werden 537 Esel für Obermarsberg angegeben. Foto: Dirk Seehafer. 04 Die Titelseite der 1. in Buchform gedruckten Chronik zur alten Stadt Obermarsberg – Diese Chronik erschien im Jahr 1848. Foto: Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.. #Marsberg #Obermarsberg #Chronik #Stadt #StadtObermarsberg #Aufzeichnungen #Richter #Fundstueck #FundstueckdesMonats #MarsbergsFundstueckdesMonats #April #April2017 #Chronisten #Geschehnisse #Jahresverlauf #Handschriftlich #Jahresdokumentation #1830 #1840 #1830erJahre #1840erJahre #Geschichtsverein #Heimatverein #MarsbergerGeschichten #MarsbergerGeschichte #Museum #HausBoettcher #MuseumHausBoettcher #HausderGeschichte #1589 #MarsbergsHausderGeschichte #AdamPetrasch #Niedermarsberg #FerdinandPetrasch #ElisabethBech #Buch #Festung #Eresburg #1836 #RichterPetrasch #1847 #Verleger #Friedlaender #Brilon #KreisBrilon #Bueren #KreisBueren #Wochenblatt #WochenblattdesKreisesBrilon #Zeitung #SauerlaendischerAnzeiger #ObermarsbergerBuch #Sanitaetsrath #Ruer #DrRuer #Director #Provinzial #Irrenheilanstalt #Besitzer #Benediktinerpropstei #Ehrenbuerger #Heimatstadt #Publikation #Geschichte #Jahreschroniken #Jahresauflistung #BuergermeisterHattermann #Gemeinderaete #JohannTewes #AugustKnueppel #HeinrichBreker #Amtsschreiber #HermannVolbracht #Buergermeister #Regierung #Beamter #KuratorischerBeamter #Untermarsberg #Erlinghausen #Giershagen #Patrimonial #Gerichtsbezirke #PatrimonialGerichtsbezirke #Canstein #Padberg #Rentmeister #StaedtischerRentmeister #FriedrichBiermann #Forstwirtschaft #Oberfoerster #KommunalOberfoerster #Schuto #Unterfoerster #FranzFobbe #FerdinandPape #Polizeidiener #GeorgLutter #Flurschuetzen #ChristophKoechling #PolizeiHandhabung #Polizei #Pfarrei #SeminarGeistlicher #FranzPadberg #Hildfeld #Paderborn #Priester #Kuester #Organist #Kirchenvorstand #HermannSteinhof #Kirchenrechner #Schullehrer #ArnoldSchultze #Wald #Waldungen #Vermessung #Holz #Besoldungen #Stadtkasse #Grundsteuer #Rathaus #Schule #Diemel #Budih #Grundstuecke #Weidegeld #Vieh #Hirten #Weide #Schweine #Rindvieh #Ziegen #Schafe #Gaense #Jagd #Verpachtung #Fischerei #Brandsteuer #Kreiskommunalkasse #LandarmenHaus #IrrenHeilanstalt #Miete #Wachthaus #Schuldenbestand #Juden #Feldflur #Wiesenflur #Einwohner #Buerger #Morgen #Ruten #Fuss #Pferde #Esel #Frucht #Holz #Wagen #Karren #Berge #Tier #Kamel #Heimat #Einfuehrung #Staedteordnung #Schulvorstand #Ungluecksfaelle #Haeuser #Kohlbett #Brand #Huehner #Arbeit #Orkan #1800 #Sturm #Daecher #Kirchen #Sparren #Silvester #Silvestertag #Jahrestag #Luftaufnahme #1979 #AlteStadtaufdemBerge #Nikolaikirche #Nutztier #Lasttier #537Esel #DirkSeehafer #1848 #Sanitaetsrat #Direktor #WestfaelischeKlinik #Irrenanstalt #UnserMarsberg
Die Lebensgeschichte eines Beringhäuser im …

2. März 2017
Die Lebensgeschichte eines Beringhäuser im Dritten Reich Marsbergs Fundstück des Monats erinnert an einen Bibelforscher Beringhausen. Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) konnte nach der Machtergreifung durch Hitler in 1933, kaum eingeschränkt von gesetzlichen Regelungen, jede Form staatsfeindlicher Tätigkeit rigoros verfolgen. Sie schlug vor, wer in Schutzhaft und ggfls. in ein Konzentrationslager (KZ) eingewiesen wurde. Das konnte die verschiedensten Personenkreise treffen: - bekanntlich Juden -, aber auch politische Gegner genauso wie diejenigen, die den Führerstaat aufgrund religiöser Überzeugung ablehnten, z. B. engagierte Christen, aber auch Zeugen Jehovas (Bibelforscher) oder Mitglieder von Sekten. Alle diese Gruppen wurden verfolgt. Marsbergs Fundstück des Monats Februar 2017 erinnert an einen Bibelforscher aus Beringhausen. Hierzu hat der Marsberger Geschichts- und Heimatverein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ für das Museum „Haus Böttcher – Marsbergs Haus der Geschichte aus 1589“ verschiedene Urkunden und Aufzeichnungen erhalten. Sie wurden nun zum Fundstück des Monats prämiert. Viele Bürgerinnen und Bürger kamen während der Zeit des Dritten Reiches ins Gefängnis oder ins KZ. Sie verloren dabei meist ihr Leben. Einer von ihnen war der gebürtige Beringhäuser Christian Schalk. Christian Johannes Schalk wurde am 11. Oktober 1906 in Haus-Nr. 51 des Bauern Bödefeld in der Gemeinde Beringhausen geboren. Er war der Sohn des Jagdführers Christian Schalk und seiner Ehefrau Gertrud Schalk, geb. Lokonski. Familie Schalk war evangelischer Religion. Bis 1935 lebte Christian Schalk in Beringhausen. Dann zog er nach Künsebeck, im damaligen Kreis Halle in Westfalen gelegen. Er wohnte in der damaligen Haus-Nr. 96. Dort heiratete der Arbeiter auch am 02.10.1936. Christian Schalk wurde Bibelforscher, also zum „Zeugen Jehovas“. Immer sonntags kamen Jehovas Zeugen in ihren Privatwohnungen zusammen, um ihre Bibelarbeit zu leisten. Viele Freunde und Verwandte erinnern sich daran. Aber es sei nicht gern gesehen gewesen, weil alle Beteiligten sich fürchteten, dass es auffiel. Der Arbeiter Christian Schalk wurde überwacht: „Der Zeuge Jehovas (Bibelforscher) verweigerte den „Deutschen Gruß“ und ging nicht wählen.“ Er leistete zwar keinen Widerstand im klassischen Sinne, aber widersprach den Strukturen des Dritten Reiches in Form von Ablehnung. Versuche der örtlichen Parteigliederungen, ihn zum Eintritt in die NSDAP zu bewegen, scheiterten. Der Ortsgruppenleiter schrieb dazu am 06. März 1939: „Es liegt hier auch im allgemeinen Interesse, daß Schalk einmal ins Lager käme.“ Diesen Satz strich Amtsbürgermeister Meyer zu Hoberge aus seinem Bericht und schlug vor, weiter zu versuchen, Christian Schalk „in die Volksgemeinschaft einzufügen“ und sich seiner dabei „verstehend anzunehmen“. Im Verlauf des Jahres 1940 murrten einzelne Bürger, weil Schalk sich mit Erfolg von der Wehrmacht zurückstellen ließ. Er verweigerte aus Glaubensgründen strikt jeden Kriegsdienst. Hinzu lieferten „die Bürger“ „Auskünfte“ aus Schalks alter Heimat Beringhausen. Diese seien über sein „stures Wesen“ gegenüber der „rechtschaffenden Bürger“ schon damals informiert gewesen und sie ahnten bereits, dass er zum Bibelforscher überwechseln würde. Weiter wurde angeführt: „Solchen muß Einheit gewährt werden. … Es kann dem deutschen Volke nur so geholfen werden. … „Christenverräter und Hasadeure höret uns: Ihr gehört auf den Schaffott! Dort kommt Ihr zur klaren Auffassung!“ … und wir schließen uns Ihren Bestrebungen wohlwollend an. Mit deutschem Gruß Heil Hitler … .“ Christian Schalk wurde schließlich im April 1940 wegen Kriegsdienstverweigerung in Bielefeld inhaftiert. Das Reichskriegsgericht in Berlin verurteilte ihn wegen „Zersetzung der Wehrkraft“ zum Tode. Am 12. Juli 1940 wurde Christian Schalk durch das Fallbeil hingerichtet. Außer dem Abschiedsbrief hatte seine Frau Elisabeth seine Karten aus der Haft in Bielefeld und Berlin nicht erhalten, so konnte sie ihm seine bescheidenen Wünsche wie Essbesteck, Schuhputzzeug, usw. nicht erfüllen. Sie durften sich auch nicht mehr sehen. Nachdem sie einen Besuchsschein erhalten hatte, fuhr sie sofort nach Berlin. Sie sprach am 14. Juli 1940 in Berlin mit dem Wunsch vor, ihren Mann zu sprechen. Man sagte ihr, dass man ihn zwei Tage zuvor hingerichtet habe. Sie durfte auch sein Grab nicht besuchen. Sein Körper war der Medizin zur Verfügung gestellt worden. Seine Frau Elisabeth kehrte „am Boden zerstört“ nach Künsebeck zurück. Eine schwere Drüsenentzündung und ihr früher Tod waren die Folge. Als Witwe kämpfte sie nach dem Krieg um Anerkennung als Hinterbliebene eines religiös Verfolgten. Ein Schriftwechsel der Kreisverwaltung mit dem Sonderdezernat für politisch, rassisch und religiöse Verfolgte beim Detmolder Regierungspräsidium aus dem Jahr 1950 ist dokumentiert. Der Ausgang des Verfahrens ist in der Akte nicht enthalten. Nähere Informationen zum Fundstück des Monats finden Sie unter: www.Marsberger-Geschichte.de Der „letzte Briefwechsel“ zwischen den Eheleuten Schalk: Abschrift: (Originalwortlaut) Künsebeck den 08.07.1940 Lieber Christian! Selig sind, die um Gerechtigkeit willen verfolget werden; denn das Himmelreich ist ihr, denn das ist die Liebe zu Gott, das wir seine Gebote halten, und seine Gebote sind nicht schwer. Lieber Chr. wie geth es dir, hoffentlich gut? Da ich bis jetzt von dir noch kein Schreiben erhalten habe, fühle ich mich genötigt dich in der nächsten Woche zu besuchen. Da ich schon einen Besuchsschein beantragt habe, hoffe ich so Gott will am Dienstag den 16.7. bei dir zu sein. Lieber Christian diese Woche will ich noch Waldbeeren suchen. Tante Wagner ist auch schon 3 Wochen bei uns, die will auch gern noch 20 Pfd haben für nach Essen, 70 Pfd habe ich schon gepflückt 20 Pfd haben wir für Most machen lassen ist sehr schön. Heute haben wir Marmelade gekocht, von Dickbeeren Nachtbeeren u. Himmbeeren (ist sch.) haben 30 Gläschen bekommen, hoffentlich kannst du L. Chr. auch noch davon essen, schreibe mir doch bitte, ob dir etwas fehlt an Wäsche, oder sonst etwas, könnte ich dir dann schon mitbringen. L. Chr. in Gedanken bin ich doch stetz bei dir, wenn wir auch weit getrennt sind, denn was Gott zusammen geführt hat, das soll der Mensch nicht scheiden, es scheide uns dann der lebendige Gott. Ein jeglicher sei gesünet, wie Jesus Christus auch war. Er würdigt sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. L. Christian. Wir (mich) wihssen uns auch der Trübsale, diesweil wir wissen, das Trübsal Geduld bringet; Geduld aber bringet Erfahrung. Erfahrung aber bringet Hoffnung; Hoffnung aber läßt nicht zu Schanden werden. Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unser Herz durch den heiligen Geist, welcher uns gegeben ist. L. Chr. ich will nun schließen mit der Hoffnung auf ein frohes und gesundes Wiedersehn verbleibe ich bis dahin deine treue und in Liebe verbundene Elisabeth Viele Grüße auch von Vater u. Mutter und allen Lieben Abschrift: (Originalwortlaut) R. K. G. II 596/40 St. P. K. Berlin-Charlottenburg, 09.07.1940 Porto zahlt Empfänger Frau Elisabeth Schalk Künsebeck 96 Kr. Halle i. Westf. Meine liebe Elisabeth Im Namen unsers grohsen Gottes und Heilands Jesu Christi, sende ich dir die allerletzten Zeilen von hier, auf dieser Welt. Ich hätte gern gesehen, wenn du mich noch besucht hättest aber es hat nicht sollen sein, du hast dich unnütz abgemüht wirst mich nicht mehr unter den lebenden treffen. Liebe Elisabeth ich habe den guten Kampf gekämpft und den Glauben bewahrt. Und wenn die Welt voll Teufel währ und wollt uns ja verschlingen, so fürchten wir uns nicht so sehr, es soll uns doch gelingen, In diesem Sinne werden wir Abschied nehmen. Liebe Elisabeth ich danke dir für alles was du mir geschenkt hast, du hast es gut gemeint, hast es nur nicht mehr alles ausführen können. Wenn du mich jetzt besuchst, dann kannst du mich auch mitnehmen nach dort, dann brauchst du nicht mehr nach Berlin zu reisen. Die Reise war dir doch zu weit, Liebe Elisabeth ich will ausruhen von meiner Arbeit, hab genug gekämpft diese Zeit, bin Ruhbedürftig. Aber wir wollen hoffen, das es nicht mehr allzulange dauert, bis Jehova eingreifen wird, sonst wird kein Fleisch errettet werden. Es ist eine böse Zeit. Der Teufel sucht umher, welchen er noch kann verschlingen. Er wird uns nichts mehr abhaben können, wir sind geborgen in Gottes Hand. Liebe Elisabeth sei tapfer und bleibe fest, du wustest ja schon wie mein Schicksal ausfiel, darum wird es dir nicht schwer fallen, darüber hinweg zukommen. Wende dich an Berta, die hat immer einen guten Trost, sag ihr meinen herzlichen Dank, für ihren schönen Brief, er hat mich völlig beruhigt, wo ich den zu lesen bekam. Liebe Elisabeth ich will jetzt schliehsen in der Hoffnung, dass wir uns dermaleinst in einer besseren Welt wiedersehn. Sei vielmals gegrühst von deinem nur dich liebenden Christian Sachen mühsen abgeholt werden. Uhr und Trauring nicht vergessen. Viele Grühse an alle Vater u. Mutti Abs. Chr. Schalk, W. M. G. Berlin-Tegel, Seidelstr. 39 Übrigens, das Porto für den Brief musste Elisabeth Schalk, wie auf dem Umschlag zu erkennen ist, auch noch übernehmen. Fotos im Anhang: 01 Christian Johannes Schalk (Pass-Foto von Karl Wagemann, Halle/Westfalen) wurde am 11. Oktober 1906 in Haus-Nr. 51 des Bauern Bödefeld in der Gemeinde Beringhausen, dem heutigen Ortsteil der Stadt Marsberg, geboren. Er war der Sohn des Jagdführers Christian Schalk und seiner Ehefrau Gertrud Schalk, geb. Lokonski. Familie Schalk war evangelischer Religion. 02 Die Ansichtskarte von Beringhausen entstand in der Zeit um 1915. Rechts vor der Pfarrkirche ist das Fachwerkhaus des Bauern Bödefeld zu sehen. In diesem Gebäude wurde der spätere Bibelforscher Christian Schalk in 1906 geboren. 03 Das alte Fachwerkhaus des Bauern Bödefeld in Beringhausen. Das Foto wurde 1935 aufgenommen. Das Haus selbst stammte aus dem Jahr 1604. Christian Schalk wurde in diesem Haus geboren und lebte dort den überwiegenden Teil seines Lebens bis zum Jahr 1935. 04 Der Ausweis vom gebürtigen Beringhäuser, dem Bibelforscher Christian Schalk aus Künsebeck – Er wurde am 05. Juli 1937 vom Amtsbürgermeister in Halle/Westfalen ausgestellt. 05 Das Vollstreckungsprotokoll – Mit diesem Schreiben vom 15. Juli 1940 wurde Elisabeth Schalk informiert, dass ihr Mann Christian im Alter von nur 33 Jahren in Berlin hingerichtet wurde. 06 Das Foto, das in 2010 aufgenommen wurde, zeigt das Eingangstor der heutigen JVA Berlin-Tegel. Damals diente das Gebäude in der Seidelstraße 39 als Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis. Dort war der Bibelforscher Christian Schalk inhaftiert. 07 Der Briefumschlag des „Letzten Briefes“ von Christian Schalk an seine Frau Elisabeth – Er wurde im Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis in Berlin-Tegel am 09.07.1940 geschrieben. Am 12.07.1940 wurde Christian Schalk hingerichtet. #Marsberg #Beringhausen #DrittesReich #FundstueckdesMonats #Bibelforscher #Gestapo #Machtergreifung #ZeugenJehovas #Jehova #Geschichtsverein #Heimatverein #Marsberger #MarsbergerGeschichten #Museum #HausBoettcher #MuseumHausBoettcher #HausderGeschichte #ChristianSchalk #BauerBoedefeld #GertrudSchalk #Kuensebeck #Halle #Westfalen #Bibelarbeit #Amtsbuergermeister #MeyerzuHoberge #Kriegsdienstverweigerung #Bielefeld #Reichskriegsgericht #Berlin #ElisabethSchalk #Detmold #Regierungspraesidium #MarsbergerGeschichte #Charlottenburg #Tegel #Pfarrkirche #KarlWagemann #Hinrichtung #Vollstreckung #JVA #Wehrmachtsuntersuchungsgefaengnis #UnserMarsberg
Als vor 200 Jahren der Kirchturm brannte… …

29. Januar 2017
Als vor 200 Jahren der Kirchturm brannte… Marsbergs Fundstück des Monats erinnert an eine spektakuläre Rettungsaktion Obermarsberg. Erst jüngst wurden auf dem Marsberger Neujahrsempfang im Kloster Bredelar die Feuerwehrleute der Stadt Marsberg mit dem Bürgerpreis ausgezeichnet. Geschichte wiederholt sich… Vor 200 Jahren erhielten drei mutige Obermarsberger eine ganz besondere Auszeichnung. Marsbergs Fundstück des Monats Januar 2017 beschäftigt sich mit diesen Geschehnissen aus dem 19. Jahrhundert. Hierzu hat der Marsberger Geschichts- und Heimatverein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ für das Museum „Haus Böttcher – Marsbergs Haus der Geschichte aus 1589“ verschiedene Urkunden erhalten. Sie wurden nun zum Fundstück des Monats prämiert. Als während des 30-jährigen Krieges die Oberstadt im Jahre 1646 durch die Schweden und Hessen eingenommen wurde, ließ man die Chöre der Kirche mit Pulver in die Luft sprengen. Nach dem Krieg wurde die Kirche wieder instandgesetzt. Dabei wurde die Höhe des Turmes um 7 Meter erniedrigt, da man das Mauerwerk abtragen musste, um Steine zum Ausbau der vielen Mauerlücken zu erhalten. Bei dieser Gelegenheit erhielt der Turm, dem Baustil der damaligen Zeit entsprechend, eine Barockspitze: einen Zwiebelturm. Aus einem Bericht damaliger Zeit: „…in seiner Größe und auf seiner stolzen Höhe wirkt er ganz majestätisch…“. Leider wurde der prächtige Turm bei einem heftigen Gewitter zerstört. Am 27. Februar 1817 schlug der Blitz in die Spitze des Turmes und zwar in die oberste, also in die kleine Kuppel und entzündete das innere Dachwerk. Das „Amtsblatt der Königl. Regierung zu Arnsberg“ vom 22. März 1817 bringt darüber folgenden sehr interessanten Bericht: „Am 27. Februar 1817 abends 7 Uhr schlug der Blitz bei einem heftigen Sturmwinde und Schneegestöber in die Spitze des hohen Stiftsthurms in der Stadt Obermarsberg, und entzündete das innere Dachwerk in der obersten Kuppel. Die aus der Thurmspitze umhersprühenden Funken verkündeten den erschrockenen Stadtbewohnern den fürchterlich drohenden Brand. Der Thurm und die Kirche und die umliegenden Stiftsgebäude, und bei dem heftigen Sturmwinde auch die Stadt selbst, standen in Gefahr, ein Raub der Flammen zu werden, wenn nicht aufs schleunigste das Feuer vor seiner größeren Ausbreitung schon in der brennenden Thurmspitze gelöscht wurde, wohin aber ohne augenscheinliche Lebensgefahr nicht zu gelangen war. Da verdankte die Stadt ihre Rettung dreien wackeren Männern, namentlich Heinrich Gottwick, ein Schieferdecker, Anton Zieren, ein Ackersmann und Anton Fobbe, ein Zimmermann, alle drei Familienväter. Sie erstiegen unaufgefordert, ihre eigene Lebensgefahr nicht achtend, mit einer Laterne, einer Axt und zwei Eimern Wasser versehen, das höchste Thurmgebälk. Hier, wo ihnen keine Leiter mehr zu Gebote stand, und sie doch noch zu weit von dem über ihnen lodernden Feuer entfernt waren, kletterte der letztere, gestützt und gehalten von dem zweiten, über den Nacken des ersteren bis zu dem brennenden Dachgestelle der höchsten Kuppel, worauf er sitzend seine Axt mit kraftvoller Anstrengung auf die flammenden Dachstellen einhieb und sie nach außen über den Schieferrücken der Kirche herabwarf; während die beiden anderen auf einem halb verfaulten und zapfenlos gewordenen Riegel stehend, mit sparsamer Verwendung ihres kleinen Wasservorraths das Feuer im Inneren vollends löschten. Diese drei Männer haben sich dadurch den gerechten Anspruch auf den öffentlichen Dank ihrer Mitbürger erworben, und die unterzeichnete Königliche Regierung beeifert sich, ihnen dafür hiermit öffentlich das verdiente Lob zu ertheilen, mit dem Bemerken, daß nebst dem noch höchsten Orts auf eine besondere Belohnung für dieselben angetragen worden sey. Nächst ihnen verdienen folgende Personen rühmlich erwähnt zu werden: nämlich der Maurer Philipp Lutter, der ihnen zuerst auf die Thurmspitze nachfolgte, und einen Eimer voll Milch zutrug; sodann der Hospital-Oekonom Rhode, und der Stadt-Schultheiß Steinhoff, welche mit Nachdruck und Eifer die ersten Löscharbeiten betrieben“. (Arnsberg, den 06. März 1817 – Königlich Preußische Regierung, I. Abteilung) Die dreigenannten „wackeren Männer“ erhielten bald darauf durch Verfügung des Königl. Ministeriums die Rettungs-Medaille nebst einem Geldgeschenk. Dies brachte das Amtsblatt mit folgenden Worten zur Kenntnis: „Belohnung für Rettung bei Feuers-Gefahr zu Obermarsberg – In dem 17ten Stücke des diesjährigen Amtsblattes haben wir bereits das Verdienst öffentlich angerühmt, welches sich der Schieferdecker Heinrich Gottwick, der Ackersmann Anton Zieren jun. und der Zimmermann Anton Fobbe zu Obermarsberg bei Löschung des entzündeten dasigen Stiftsthurms erworben haben. Zur ferneren Belobung derselben und zur Erweckung des Nacheifers machen wir nachträglich bekannt, daß jedem der erwähnten drei Männer, in Gemäßheit eingelangter hoher Verfügung des Königlichen Ministeriums vom 28ten vorigen Monats, die Rettungs-Medaille zuerkannt, und nebst dem aus der Brand-Societäts-Casse Herzogthums Westphalen eine Belohnung in Geld erteilt worden“. (Arnsberg, den 23. April 1817 - Königlich Preußische Regierung) Eine Rettungsmedaille samt Urkunde ist heute noch im Besitz des Landwirts Bernhard Schröder (Zieren) in Obermarsberg. Das Feuer wurde zwar, wie es in dem Bericht heißt „schon in der brennenden Turmspitze“ gelöscht. Doch scheint das innere Dachwerk derartig gelitten zu haben, dass rund ein Jahrzehnt später eine Erneuerung des gesamten Turmhelmes notwendig wurde. Im März 1829 war die alte Turmspitze noch vorhanden. Später in 1829 ist erst die alte zwiebelförmige Spitze abgebrochen worden und durch die heutige achtseitige Pyramide ersetzt worden. Nähere Informationen zum Fundstück des Monats finden Sie unter: www.Marsberger-Geschichte.de Fotos im Anhang: 01 Diese Zeichnung spiegelt die Obermarsberger Stiftskirche samt Kloster im März 1829 wider. Auf dem Bildnis links neben dem Kloster befindet sich die Nikolaikirche. Beide Kirchen besitzen zu diesem Zeitpunkt noch den historischen Zwiebelturm. 02 Der Turm der Stiftskirche Obermarsberg erhält eine neue Spitze. Das Foto wurde 1892 aufgenommen. Es zeigt das Richtfest. Die Turmspitze musste neu gerichtet werden, da in Folge eines Blitzeinschlages der Turm Feuer fing. Ursprünglich bis 1829 hatte die Kirche einen Zwiebelturm, bis 1646 gab es links und rechts neben dem Langschiff jeweils einen, also somit insgesamt zwei Nebentürme. 03 Dieses Aquarell aus der Zeit vor 1900 zeigt die Situation an der Stiftskirche in Obermarsberg mit dem Benediktinerkloster, der Zehntscheune und einem Teil der Pagenstraße. 04 Die Aufnahme zeigt die Vorderseite der Florianrettungsmedaille von Anton Zieren aus Obermarsberg, fotografiert in 1934 von Max Kiesewetter (Photo-Jacobi). Diese Medaille ist heute noch im Besitz von Bernhard Schröder (Nachfahre). Inschrift Vorderseite: „FRIEDRICH WILHELM III. KÖNIG VON PREUSSEN. BELOHNER DER RETTENDEN NÄCHSTENLIEBE.“ 05 Die Aufnahme zeigt die Rückseite der Florianrettungsmedaille von Anton Zieren aus Obermarsberg – Inschrift der Rückseite: „WAS IHR GETHAN HABT EINEM UNTER DIESEN MEINEN GERINGSTEN BRÜDERN, DAS HABT IHR MIR GETHAN.“ #Marsberg #Obermarsberg #Stiftskirche #Kirchturm #Fundstueck #FundstueckdesMonats #Feuer #Rettungsaktion #Feuerwehr #Feuerwehrleute #Auszeichnung #Buergerpreis #Heimatverein #Geschichtsverein #MarsbergerGeschichten #Museum #Heimatmuseum #HausBoettcher #MuseumHausBoettcher #MarsbergsHausderGeschichte #Oberstadt #Barockspitze #Zwiebelturm #1817 #Regierung #Koenig #Arnsberg #Blitz #Stiftsturm #StadtObermarsberg #Stiftsgebaeude #HeinrichGottwick #AntonZieren #AntonFobbe #KoeniglicheRegierung #PhilippLutter #HospitalOekonomRhode #StadtSchultheissSteinhoff #Rettungsmedaille #BrandSocietaetsKasse #Landwirt #BernhardSchroeder #MarsbergerGeschichte #StiftskircheObermarsberg #Kloster #Nikolaikirche #Blitzeinschlag #Benediktinerkloster #Zehntscheune #Pagenstrasse #FlorianRettungsmedaille #MaxKiesewetter #PhotoJacobi #FriedrichWilhelmIII #UnserMarsberg