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„Marsberg wird modern

18. November 2017
„Marsberg wird modern!“, heißt es im Jahr 1884 Aufzeichnungen von Prof. Dr. Kuhlmann sind Marsbergs Fundstück des Monats Niedermarsberg / Obermarsberg. Interessante Publikationen und erstaunliche Werke haben die Niedermarsberger Heimatfreunde in den letzten Jahrzehnten gesammelt. Aus dieser Sammlung sticht hier besonders ein antiquiertes Mäppchen hervor. Die handschriftlichen Aufzeichnungen von Prof. Dr. Kuhlmann, der sich um die Marsberger Geschichte vielfältig verdient gemacht hat, sind ein wahrer Schatz. Diese Geschichtszeugnisse bilden eine Chronik als Rückblick auf Kaisers Zeiten in Marsberg in den 1880er und 1890er Jahren und befinden sich im Original im Museum „Haus Böttcher – Marsbergs Haus der Geschichte aus 1589“. Sie wurden nun vom Marsberger Geschichts- und Heimatverein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ zum Fundstück des Monats November 2017 prämiert. Ganz besonders findet das Jahr 1884 Erwähnung in den Kuhlmann´schen Aufzeichnungen. Es galt in Marsberg eine Aufbruchstimmung – die Industrialisierung einer neuen Epoche schritt voran. Unter der Überschrift „Marsberg wird modern!“ schreibt Kuhlmann über die erste Eisenbahn im Diemeltal, die Wasserleitung und das Schlachthaus. Diese Neuerungen waren „von weittragender Bedeutung“, die damals „dank der energischen Förderung einiger maßgeblicher Männer eingeführt wurden trotz des anfänglichen Widerstandes weiter Volkskreise“. Ferner hält Kuhlmann fest: „Was heute schon eine Selbstverständlichkeit ist, war vormals alles andere als willkommen. Als die erste Eisenbahn fuhr, haben die meisten Leute unverständlich die Köpfe geschüttelt.“ Alle die mit dem „Dampfross“ fuhren, wurden als verrückt erklärt. Beispielsweise liegen die Bahnschienen im „Obermarsberger Territorium unterhalb des sog. Königsbrunnes“ in einer starken Kurve. Hier musste nach Meinung des damaligen hiesigen Arztes Dr. Proß und anderer „der Zug beim Durchfahren krambulieren“. Dann würde es „ein großes Unglück“ geben. Dr. Proß fühlte sich verpflichtet, als Lebensretter dann zur Stelle zu sein. Pflichtgemäß erwartete er mit seinem „Pflasterkasten am Ufer sitzend den allerersten Zug, sprungbereit zur ersten Hilfeleistung. Als dann aber der Zug schlankweg, ohne umzufallen, durchfuhr, gab es bei Dr. Proß und seiner Begleitung lange Gesichter. Das ging nicht mit rechten Dingen zu!“ Sein Begleiter, der damals häufig dienstlich nach Brilon fahren musste, hat nie die Eisenbahn benutzt, das war nach seiner Meinung „Schwindel der Neuzeit, mit dem er nichts zu tun haben wollte.“ Er benutzte tatsächlich nur den „alten Kutschwagen“. Bis zum Jahr 1884 hatte das Diemeltal durch die Eröffnung der Ruhrtalbahn im Jahre 1872 „den ersten Hauch einer schnell fortschreitenden, fast überhasteten Zivilisation verspürt.“ „Das Diemelland verfiel allmählich wieder in seinen ruhigen, beschaulichen Dornröschenschlaf.“ Ab 1884 gab es „eine neue Sturm- und Drangperiode“. „Das Stadtoberhaupt den Ehrenamtmann Dr. Rentzing, ein Mann, der seiner Zeit vorauseilte durch seine fortschrittlichen und auf weite Sicht abgestellten Pläne“, initiierte durch den damaligen Direktor der Stadtberger Hütte, Kleffner, und mit Beschluss der Stadtvertretung und –verwaltung den Bau einer Wasserleitung. „Doch wie die Kletten an den Kleidern, so hingen die meisten Bürger an ihren ererbten Lebensgewohnheiten und Einrichtungen. Bürger und Bauern klebten am Alten mit einem bewundernswerten Beharrlichkeitsvermögen, sie wollten von solch einer Neuerung nichts wissen, wie dies zweifelsohne die Wasserleitung gegenüber dem bisherigen System der Wasserversorgung durch Brunnen darstellt. Bis dahin hatten die Stadtviertel oder auch die einzelnen Hauseigentümer eigene Ziehbrunnen, und das Wasser kostete den Bürgern und Bauern nicht viel, wenn man von den von Zeit zu Zeit notwendigen und kostspieligen Brunnenreparaturen absieht“. Gegen „diesen Kulturfortschritt schritten die Einwohner Niedermarsbergs mit hartem Widerstand voran“. „Die rechnenden Bürger“ dachten in erster Linie an die hohen Kosten der Wasserleitung für die Stadt und die damit für jeden einzelnen Anschluss verbundenen Gebühren sowie „allgemeine Erhöhung der Steuerlasten“. Der größte Widerstand kam allerdings aus „dem Stadtvorstande daselbst“. Ein Mitglied formulierte „eine Protestschrift gegen den Bau der Wasserleitung an die Regierung, trug diese von Haus zu Haus und sammelte Unterschriften zum größten Gaudium der Oberstädter, die den Segen einer Wasserleitung bereits einsahen, da sie die Last des Fehlens einer solchen am eigenen Leibe empfanden.“ Originalwortlaut: „Nur „Millionöhrenweiber“ konnten nach Ansicht dieses Stadtverordneten das Wasser, das unser Herrgott den Menschen umsonst gibt, bezahlen.“ Doch trotz Widerstands wurde gebaut. Das erste Wasserreservoir wurde in der Oesterstraße in der „Failbecke“ unweit des damals letzten „David-Müller´schen Hauses“ unterhalb eines Quells oder „Springes“ errichtet. Durch die Straßen wurden nun Gräben geworfen und Rohre verlegt. „Noch nach der Fertigstellung der Wasserleitung leistete mancher ´passiven` Widerstand, indem er bei Nacht und Nebel das Wasser aus seinem Brunnen zog, obschon der Brunnen als seucheverdächtig und bakterienhaltig amtlich bereits geschlossen war.“ Unter der Regie von Dr. Rentzing entstand auch eine nötige öffentliche „Desinfektionsanstalt“ auf dem Platz des Spritzenhauses. Große Aufregung herrschte auch über die Pläne eines städtischen Schlachthauses. Metzger und Bauern wollten davon nichts wissen und versuchten „zu sabotieren“. Nach Fertigstellung des Schlachthofes an der Westheimer Straße wurde durch Ortsstatut bestimmt, „daß jeder Einwohner verpflichtet sei, jedes zu schlachtende Tier dem städtischen Schlachthof zuzuführen.“ „Am 02. Januar sollte der Schlachthofzwang in Kraft treten. Neujahr trat heran und das Motto war: „Wie dauen´t nitt!“ Der Hausmetzger wurde vielerorts am Neujahrsabend um 11 Uhr bestellt, das Hausschwein zu töten.“ Das sollte zu solch ungewöhnlicher Zeit deswegen geschehen, um einmal den Neujahrstag nicht allzu sehr zu entheiligen und zum Zweiten der neuen Verordnung „ein Schnippchen“ zu schlagen. Doch der Niedermarsberger amtliche Nachtwächter „F. K.“ war aufmerksam und registrierte am Abend alle stattgefundenen „Notschlachtungen“. Er klopfte von Haus zu Haus an und verwies darauf, dass „die Tiere auch gut ausbluten“ müssten und ließ sich allen Ortens einen Schnaps „als Schweigegeld“ einschenken. Erst am nächsten Tag, so die Aufzeichnungen, „schrieb er ein Strafmandat über 3 Mark wegen des Verstoßes gegen die Polizeiverordnung“. Auch in der Familie Kuhlmann war das so. „Wir waren mindestens um 1 ½ Mark ärmer“, so Kuhlmann, denn die Schlachthofgebühren kosteten zu jener Zeit für ein Schwein nur 1,50 Mark. Fortan bevorzugten alle den Schlachthof. Nähere Informationen zum Fundstück des Monats finden Sie unter: www.Marsberger-Geschichte.de Fotos im Anhang: 01 „Photographie nach der Natur“ von F. Albert Schwartz, Friedrichstraße 115, Berlin – Das Foto zeigt die Diemelbrücke am Hammerberg. „Der 1. Zug befährt die Brücke nach der Einweihung in 1873“. Erbauer dieser Brücke war Johann Bartholmé aus Obermarsberg. 02 Die Aufnahme, die auch als Ansichtskarte gelaufen ist, zeigt die Partie an der Eisenbahn. Links oben sind die ersten Häuser des Bülbergs von Niedermarsberg zu sehen. Das Bildnis ist aus der Zeit um 1910. 03 Das Bildnis zeigt die damalige Stadt Niedermarsberg um 1915. Im Vordergrund ist der Schlachthof von Niedermarsberg zu sehen, auf dem linken Berg der Bilsteinturm, rechts auf dem Berg Obermarsberg mit der Stiftskirche. 04 Die Aufnahme bildet den Schweinehirten Kipphardt auf dem Felde des Klostergutes in Bredelar ab. Das Foto ist aus 1947. #Marsberg #Niedermarsberg #Obermarsberg #Moderne #1884 #Aufzeichnungen #Professor #Kuhlmann #Fundstueck #FundstueckdesMonats #MarsbergsFundstueckdesMonats #Publikationen #Werke #Niedermarsberger #Heimatfreunde #Sammlung #Maeppchen #MarsbergerGeschichte #Geschichtszeugnisse #Chronik #KaisersZeiten #1880 #1890 #Museum #HausBoettcher #MuseumHausBoettcher #HausderGeschichte #MarsbergsHausderGeschichte #Geschichtsverein #Heimatverein #MarsbergerGeschichten #Industrialisierung #Eisenbahn #Diemeltal #Wasserleitung #Schlachthaus #Bahn #Bahngeschichte #Dampfross #Bahnschienen #Koenigsbrunnen #Arzt #Pross #Brilon #Ruhrtalbahn #1872 #Diemelland #Stadtoberhaupt #Ehrenamtmann #Rentzing #Direktor #StadtbergerHuette #Kleffner #Stadtvertretung #Stadtverwaltung #Wasserversorgung #Brunnen #Ziehbrunnen #Stadtviertel #Hauseigentuemer #Wasser #Buerger #Bauern #Kulturfortschritt #Steuerlast #Stadtvorstand #Protestschrift #Regierung #Gaudium #Oberstaedter #Stadtverordnete #Herrgott #Wasserreservoir #Oesterstrasse #Failbecke #DavidMueller #Quell #Spring #Graeben #Rohre #Desinfektionsanstalt #Spritzenhaus #Metzger #Schlachthof #WestheimerStrasse #Ortsstatut #Einwohner #Schlachthofzwang #Neujahr #Hausmetzger #Neujahrsabend #Hausschwein #Neujahrstag #Verordnung #Nachtwaechter #Notschlachtungen #Schnaps #Schweigegeld #Strafmandat #Verstoss #Polizeiverordnung #Schlachthofgebuehren #Schwein #AlbertSchwartz #Diemelbruecke #Hammerberg #Einweihung #1873 #JohannBartholme #Buelberg #1910 #1915 #Bilsteinturm #Stiftskirche #Schweinehirt #Kipphardt #Klostergut #Bredelar #1947 #UnserMarsberg
Allgemein
Aufnahmen, Aufzeichnungen und Archivalien

23. September 2017
Aufnahmen, Aufzeichnungen und Archivalien Sammlung der Niedermarsberger Heimatfreunde übergeben Niedermarsberg / Obermarsberg. Ein wertvoller Geschichtsschatz wurde jetzt aufgestöbert. In Niedermarsberg bestand über Jahrzehnte bis zum Anfang der 1980er Jahre die Vereinigung „Heimatfreunde Niedermarsberg“. Unter der damaligen Federführung von Josef Hammerschmidt (Heimat-Josef) sammelten die Heimatfreunde alles zur Geschichte und Heimatkunde der Region aus den letzten 180 Jahren rund um Marsberg. Diese umfangreiche Sammlung wurde nun dem Marsberger Geschichts- und Heimatverein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ vermacht, der sie in das Archiv des Museums „Haus Böttcher – Marsbergs Haus der Geschichte aus 1589“ übernommen hat und ab sofort geschichtlich aufbereitet. Insgesamt wurden mehrere PKW-Fuhren an Kartons von Niedermarsberg in die Museumsräume nach Obermarsberg befördert. Der Vorsitzende der „Marsberger Geschichten“, Andreas Karl Böttcher, staunte nicht schlecht, als er diesen Fundus, der mit Sicherheit in Zukunft einen gesamten Raum des Museums „Haus Böttcher“ füllen wird, sah. Darunter befinden sich u. a. viele interessante Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus dem Marsberger Stadtbild mit Fotos aus der ehemaligen Villa-Rentzing, der heutigen Sekundarschule, dem ehemaligen Obermarsberger Münzgebäude oder etwa dem alten Niedermarsberger Burghof. Original-Zeichnungen auf altem Pauschpapier von ehemaligen Hausinschriften der Niedermarsberger Fachwerkhäuser und Gemälde weiterer Gebäude Marsbergs sind dieser besonderen Sammlung inbegriffen. Böttcher: „Es ist ein schier unendlicher Wissensschatz, praktisch ein voluminöses Geschichtsgedächtnis, was über Jahrzehnte aufgebaut, gesammelt und somit der Nachwelt erhalten geblieben ist!“ Alte Schriften und Original-Aufzeichnungen von dem Niedermarsberger Propst Caspari, Erfahrungs- und Erlebnisberichte aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, Urkunden von Professor Kuhlmann oder Propst Hagemann lassen tief in die Geschichte Marsbergs einblicken. Aber auch am Aufbau des derzeitigen städtischen Heimatmuseums waren die damaligen Niedermarsberger Heimatfreunde beteiligt. Die Dokumente und Verträge innerhalb der Sammlung geben Auskunft über die Eigentümer, die Leihgeber und Leihgegenstände des derzeitigen städtischen Museums samt Fotos der Exponate. Den Schwerpunkt der Sammlung der Heimatfreunde Niedermarsberg bilden heimatkundliche Aspekte Niedermarsbergs, wie u. a. die Aufzeichnungen über die 1.000-Jahrfeier und Festwoche der ehemaligen Stadt Niedermarsberg im Jahr 1937 oder der Errichtung der Bahnstrecke in den 1870er Jahren. Aber auch die heutigen Ortschaften Marsbergs, weitere angrenzende Städte des Sauerlandes, das Warburger, Paderborner und Waldecker Land wurden mit teils weit über 100 Jahre alten Schriften und Fotos dokumentiert. Als „Niedermarsberger Heimatfreunde“ war man auch auf „fremden“, außerhalb von Niedermarsberg gelegenen Gebieten, aktiv und unterstütze somit heimatkundliche Bemühungen bzw. sicherte wertvolles Kulturgut, so die Urkunden: Zusammen mit dem Obermarsberger Heimatfreund Josef Thiele sorgten die Niedermarsberger für den Erhalt der Weißen Kuhle im Obermarsberger Höling. Die Weiße Kuhle wurde schon seit Jahrhunderten als Steinbruch zum Abbau von Kalkstein genutzt. In den 1950er Jahren wurde der Abbau intensiviert und es erfolgten viele Sprengungen, die das gesamte Höhlensystem stark gefährdeten. Thiele erkannte als einziger Obermarsberger Bürger den Wert der Höhle und reichte immer wieder Anträge mit Unterstützung der Heimatfreunde Niedermarsberg auf Unterlassung der Sprengungen und Unterschutzstellung der Weißen Kuhle bei den zuständigen Behörden ein. Die Obermarsberger aber dachten nur an ihren Profit. Die Eingaben hatten Erfolg und der Steinbruchbetrieb wurde zurückgefahren, später eingestellt und die Weiße Kuhle unter Schutz (u. a. Landschaftsschutz) gestellt. Heutzutage (seit dem 16.02.1990) steht die Höhle – auf der Flurparzelle 15/106 von Obermarsberg - sogar als Bodendenkmal unter der laufenden Nr. 5 in der Denkmalliste B der Stadt Marsberg. Zahlreiche Fundstücke aus der Weißen Kuhle u. a. von Höhlenbären, Przewalski-Urpferden, Wölfen, Urhirschen oder auch über 2.000 Jahre alte Knochenfunde und interessante Relikte von Menschen zeugen von der besonderen Bedeutung dieser Höhle und unterstreichen dieses Kulturgut. Nähere Informationen unter: www.Marsberger-Geschichte.de Fotos im Anhang: 01 Diese Ansichtskarte der Weißen Kuhle von Obermarsberg entstand im Jahr 1948 aus südöstlicher Richtung. Links sieht man die Steinbrecheranlage und rechts das Eingangsportal der Höhle im Höling. Heute ist die Weiße Kuhle ein Natur- und Bodendenkmal. 02 Am Rande des Hölings blickt man auf die unterhalb liegenden Gleise des Abbaus der Weißen Kuhle in Obermarsberg. Gut zu erkennen ist auch die Straße nach Heddinghausen. Das Foto ist aus den 1950er Jahren. 03 Während der Heimatfestwoche „1.000 Jahre Niedermarsberg“ im Jahr 1937 spielen Fanfarenbläser im Park der Stadtvilla Rentzing vor dem Nachbau des Bilsteinturmes in Niedermarsberg. 04 Die Stadtherren tragen das Holzmodell des Stadttores „Diemeltor“ während der Heimatfestwoche 1937 in Niedermarsberg. Das Modell wurde von den Bildhauern Larenz gefertigt. 05 Das Jubiläum 100 Jahre Postkutsche „Stadtberge – Arolsen“ in Niedermarsberg im Jahr 1951. Der Postillion Herr Bangert (aus der Trift) befindet sich in Niedermarsberg am Hotel zur Post. 06 Die „Weist“ in Niedermarsberg in den 1930er Jahren – Zu sehen ist das Haus Schultheiß Kloke. Es war später Konsum und Kolonialwarenladen für Hüttenleute. #Marsberg #Niedermarsberg #Obermarsberg #Aufnahmen #Aufzeichnungen #Archivalien #Sammlung #Heimatfreunde #HeimatfreundeNiedermarsberg #Geschichte #Geschichtsschatz #JosefHammerschmidt #HeimatJosef #Heimatkunde #Geschichtsverein #Heimatverein #MarsbergerGeschichte #MarsbergerGeschichten #Museum #MuseumHausBoettcher #HausBoettcher #HausderGeschichte #MarsbergsHausderGeschichte #AndreasKarlBoettcher #VillaRentzing #Muenzgebaeude #Burghof #Hausinschriften #Fachwerkhaeuser #Gemaelde #Schriften #PropstCaspari #ProfessorKuhlmann #PropstHagemann #GeschichteMarsbergs #Heimatmuseum #Exponate #1000Jahrfeier #Festwoche #1937 #Bahn #Bahnstrecke #Sauerland #Warburg #Paderborn #Waldeck #Fotos #JosefThiele #WeisseKuhle #Hoeling #Steinbruch #Abbau #Kalkstein #Hoehle #Bodendenkmal #Denkmal #Denkmalliste #StadtMarsberg #Fundstuecke #Hoehlenbaeren #PrzewalskiUrpferd #Woelfe #Urhirsch #Knochenfunde #Menschen #Kulturgut #Steinbrecheranlage #Naturdenkmal #Heddinghausen #Heimatfestwoche #Bilsteinturm #Stadtherren #Stadttor #Diemeltor #Larenz #Bildhauer #Postkutsche #Stadtberge #Arolsen #1851 #1951 #Postillion #Bangert #Trift #HotelzurPost #Weist #Schultheiss #Kloke #Konsum #Kolonialwarenladen #Huettenleute #UnserMarsberg
Das Schützenwesen in der alten Herrschaft …

5. Juli 2017
Das Schützenwesen in der alten Herrschaft Canstein Aufzeichnungen eines Gerichtsrates sind das Fundstück des Monats Juni Herrschaft Canstein – Canstein / Udorf / Leitmar / Heddinghausen / Borntosten. Die Schützenfestsaison im Marsberger Stadtgebiet geht in ihre Hochphase. 14 Schützenvereine und Bruderschaften feiern jeweils ihr Fest der Feste. Marsbergs Fundstück des Monats Juni 2017 belegt, dass auch einst in der alten Herrschaft Canstein ein Schützenfest gefeiert wurde und das Brauchtum verankert war. Die Aufzeichnungen des Gerichtsrats von Canstein aus Berlin sind im Besitz des Marsberger Geschichts- und Heimatvereins „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ und befinden sich im Museum „Haus Böttcher – Marsbergs Haus der Geschichte aus 1589“. Sie wurden nun zum Fundstück des Monats prämiert. Am 18. und 19.06.1938 fand in Canstein zum ersten Mal nach dem Mittelalter ein Schützenfest statt. Auch in 1939 gibt es Belege für dieses Fest. Ausrichter war der kurz zuvor neugegründete Kriegerverein Canstein. Nach dem Kriegsende wurde der Kriegerverein, wie auf anderen Ortschaften auch, von den Alliierten verboten. Eine Neugründung des Vereins nach 1945 fand in Canstein nicht statt. Gerichtsrat von Canstein aus Berlin schreibt hierzu: „Das am 18. und 19. Juni 1938 seit 500 Jahren erstmalig zu Canstein wieder gefeierte Schützenfest ist ein Anlaß zu einem geschichtlichen Rückblick auf Einrichtungen ähnlicher Art aus früherer Zeit: Die Schützengilde war nach dem Schutzpatron „St. Sebastian“ bezeichnet. Erste Anzeichen, die auf das Vorhandensein einer Schützenbruderschaft schließen lassen, gehen in das 15. Jahrhundert zurück, als die Schützen noch mit Bogen und Armbrust ausgerüstet waren. Der Zweck der Schützenbruderschaft war ursprünglich eine Anzahl von Bauern und Handwerkern in der Handhabung der jeweilig üblichen Waffen, vor allem der Armbrust und später des Gewehrs für den Ernstfall auszubilden und in Übung zu halten. Erfahrungen und Erinnerungen an ruhmreiche kriegerische Ereignisse wollte man wachhalten und auch das kameradschaftliche Einvernehmen untereinander pflegen. Die höchste Blütezeit der Schützenbruderschaft fällt offenbar in die Zeit des 15. und 16. Jahrhunderts, um die vielen Fehden, welche von den Herren von Canstein zwecks Erhaltung und Festigung der Grundherrschaft geführt und nicht selten von den benachbarten Städten des Waldecker und Paderborner Landes aufgenötigt wurden, erfolgreich durchführen zu können. Nicht nur die Burg Canstein, der Schutz des herrschaftlichen Landes und des dazugehörigen Bauerntums bzw. auch die größeren Höfe und durch ihre Lage besonderen Gefahren ausgesetzten Häuser der zur Herrschaft gehörenden Gemeinden waren teils befestigt und besonders geschützt. Zur „Wehrposten-Mannschaft“ gehören galt als eine besondere Ehre, die sich niemand entzog. Die Schützenbrüder schufen sich ihre Waffen selbst an, soweit das ihnen möglich war; den übrigen wurden solche von der Herrschaft gestellt. Die Bruderschaft beteiligte sich beim Begang der Gemarksgrenzen und der Schnade. Bei Abhaltung des Gerichts waren Schützen brauchtümlich anwesend. Sie wurden bei Privatpfändungen zum Schutz des Pfandgläubigers hinzugezogen und transportierten bzw. bewachten Gefangene. Sie beschützten „wegen der Gefährlichkeit der Wege“ in unsicheren Zeiten Fuhrwerke, Fuhrleute, Waren und Pferde – das nicht nur von herrschaftlichen Gespannen, sondern auch der Untertanen. Auch zum Wachposten-Gehen wurden die Schützen in den Dörfern während der unruhigen Zeiten beauftragt, desgleichen aber auch manchmal während der Kornreife und solange die geerntete Frucht auf dem Felde stand. Holzungen von den Schützen wurden „schildwachweise“ zum Schutz gegen Holz- und Forstfrevel umstellt. Derartige Anordnungen findet man regelmäßig zum sogenannten Maytag und zu Schützenfesttagen. Denn bei solchen Gelegenheiten wurde nicht selten durch unberechtigte Wegnahme von „Bäumchen“ ein Holzfrevel begangen. Im Jahre 1764 z. B. sind in dieser Weise 4 Marsberger von den Schützen ertappt, welche die Frevler dem Gefängnis auf dem Schloss Canstein zuführten. Die Schützen nahmen geschlossen teil an den kirchlichen Prozessionen, vor allem der Fronleichnamsprozession. Ebenso bei Beerdigungen von Angehörigen der Familie von Canstein, solange sie die Herrschaft Canstein inne hatte, desgleichen bei Beerdigung des Pastors, des Küsters, Lehrers und anderer herrschaftlicher Beamte. Die Schützenbruderschaft erstreckte sich in früheren Jahrhunderten als eine einheitliche Organisation über alle zur Herrschaft Canstein gehörigen Ortschaften, also über Canstein, Udorf, Heddinghausen, Leitmar und Borntosten, die gleichzeitig den Umfang der Pfarrei Heddinghausen bildeten. Deswegen hatte sie einen zweiten Patron, den Hl. Hubertus. Die Schützenbrüder der einzelnen Ortschaften waren in sogenannte Rotten eingeteilt und von einem sogenannten Rottenmeister geführt, während in Udorf gelegentlich ein Schützenmeister, in anderen Orten z. B. in Leitmar und Canstein auch ein Corporal genannt wird. Die gesamte Schützenmannschaft wurde geführt von dem Schützenhauptmann, der von den Schützen im Einvernehmen mit der Herrschaft gewählt wurde und dann mehrere Jahre hindurch dieses Amt bekleidete, weil für dieses nicht nur Ansehen, sondern auch Tüchtigkeit entscheidend war. Diese Regelungen waren ebenso wie die sonstigen Rechte, Freiheiten und Pflichten der Schützenbruderschaft in den Statuten derselben festgelegt, die leider nur in Bruchstücken erhalten sind, sodaß die einzelnen Verhältnisse der Bruderschaft nur mühsam aus anderen Urkunden sich zusammenstellen lassen. Nach einer Mitgliederliste aus dem Jahre 1680 betrug die Stärke der Schützenmannschaft 124 Mann. Davon entfallen auf Canstein allerdings nur 14, auf Heddinghausen 17, Udorf 53, Leitmar 21 und auf Borntosten 19. Von den vorstehend genannten Mannschaften mußte jeder ein brauchbares „Rohr“ d. h. Büchsen haben. Doch waren bei der Musterung nur 55 als brauchbar anerkannt. Die Nichtinstandhaltung der Rohre wurde statutengemäß bestraft. Später in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts verlor sich die ursprüngliche Bedeutung der Schützenbruderschaft unter den veränderten Verhältnissen immer mehr. Das Aufkommen der stehenden Heere insbesondere nahmen den Bruderschaften die Grundlage, die gänzlich in Vergessenheit geriet und die Schützenbruderschaft zu einer nur noch auf freiwilliger Zugehörigkeit beruhenden Vergnügungsgesellschaft herabsinken ließ. Erst in dem letzterwähnten Zeitraum des Zerfalls entwickelten sich gesonderte Schützenvereine in den einzelnen zur Herrschaft Canstein gehörigen Dorfschaften. Diese aber wurden unter der Fremdherrschaft der Franzosen aufgehoben. Die Idee der Schützenvereine wurde nur in Udorf und Leitmar wieder erneuert und bestehen bis heute.“ Nähere Informationen zum Fundstück des Monats finden Sie unter: www.Marsberger-Geschichte.de Wegen des sicherlich weiteren Interesses folgt eine Aufstellung der Schützenmannschaft aus dem Jahre 1680, deren Nachkommen z. T. noch vor Ort ansässig sind. In der Freiheit Canstein: Adam Siebecker u. Sohn Heinrich Tönnies Kümmel Melcher Götten Jost Contzen Jacob Hillebrandt Feltin Kümmel Caspar Pottenhorn (Corporal) Andreas Nymphius Jacob Relingh Arnt Hoffmann Heinrich Botterweck Martin Bartholmay Friedrich Nymphius (Mü.-Canstein)“ Fotos im Anhang: 01 Ein Blick auf die Ortschaft und Schloss Canstein in den 1960er Jahren. 02 Diese Ansichtskarte zeigt eine Dorfansicht von Canstein mit Blick in Richtung Heddinghausen. Sie wurde um 1920 erstellt. 03 Eine Ansichtskarte von Udorf – Sie ist in den 1950er Jahren entstanden. Verkauft wurde sie im Gasthaus, Metzgerei und Pension Anton Wiegelmann, Telefon Canstein 62. 04 Diese Ansichtskarte „Gruß aus Udorf (Sauerland)“ ist aus der Zeit um 1960. Zu sehen sind eine Partie um die Kirche, ein Fernblick auf Udorf sowie das Gasthaus und die Metzgerei von der Familie Wiegelmann. 05 Diese Ansichtskarte ist aus der Zeit um 1915. Zu sehen ist oben eine Aufnahme von Leitmar. Unten sind die Kirche, die Schule und der Gasthof Schröder abgebildet. 06 Diese Ansichtskarte von Leitmar zeigt verschiedenste Motive des Ortes und der Umgebung. Sie ist aus den 1930er Jahren und wurde von dem Gasthaus und Sommerfrische Krug vertrieben. #Marsberg #Canstein #Schuetzen #Schuetzenwesen #Herrschaft #HerrschaftCanstein #Aufzeichnungen #Gerichtsrat #Fundstueck #FundstueckdesMonats #Udorf #Leitmar #Heddinghausen #Borntosten #Schuetzenfest #Schuetzenfestsaison #Stadtgebiet #Schuetzenvereine #Schuetzenbruderschaften #MarsbergsFundstueckdesMonats #Brauchtum #Gerichtsrat #vonCanstein #Berlin #Geschichtsverein #Heimatverein #MarsbergerGeschichten #Museum #HausBoettcher #MuseumHausBoettcher #HausderGeschichte #MarsbergsHausderGeschichte #Mittelalter #Kriegerverein #KriegervereinCanstein #Schuetzengilde #Schutzpatron #SanktSebastian #Fehden #HerrenvonCanstein #WaldeckerLand #PaderbornerLand #BurgCanstein #Wehrposten #Gemarksgrenzen #Schnade #WachpostenGehen #Holzfrevel #Waldfrevel #Maytag #1764 #Gefaengnis #SchlossCanstein #Prozessionen #Fronleichnam #Beerdigungen #Pfarrei #PfarreiHeddinghausen #HeiligerHubertus #Rotten #Rottenmeister #Schuetzenmeister #Corporal #Schuetzenmannschaft #Schuetzenhauptmann #Statuten #Mitgliederliste #1680 #AdamSiebecker #HeinrichSiebecker #ToenniesKuemmel #MelcherGoetten #JostContzen #JacobHillebrandt #FeltinKuemmel #CasparPottenhorn #AndreasNymphius #JacobRelingh #ArntHoffmann #HeinrichBotterweck #MartinBartholmay #FriedrichNymphius #Gasthaus #Metzgerei #Pension #Wiegelmann #AntonWiegelmann #Schule #GasthofSchroeder #Gasthaus #Sommerfrische #Krug #UnserMarsberg
Eine erste gedruckte Chronik für die Stadt …

1. Mai 2017
Eine erste gedruckte Chronik für die Stadt Obermarsberg Aufzeichnungen eines Richters sind Marsbergs Fundstück des Monats April Obermarsberg. Das alltägliche Leben war schon in früheren Zeiten sehr vielfältig. Chronisten dokumentieren und sammeln heutzutage wirklich alles zu den Geschehnissen des Jahresverlaufs. In früheren Jahrhunderten standen solche chronologischen Aufzeichnungen allerdings nicht auf der Tagesordnung und sind absolut rar. Marsbergs Fundstück des Monats April 2017 sind die handschriftlich verfassten Jahresdokumentationen für die 1830er und 1840er Jahre zu den Geschehnissen in Obermarsberg. Sie wurden im Original an den Marsberger Geschichts- und Heimatverein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ für das Museum „Haus Böttcher – Marsbergs Haus der Geschichte aus 1589“ übergeben und nun zum Fundstück des Monats prämiert. Adam Petrasch war in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts Richter in Obermarsberg. Er war in Niedermarsberg am 15. April 1795 als Sohn der Eheleute Ferdinand Petrasch und Elisabeth Bech geboren. Er schrieb die 1. in Buchform gedruckte Chronik zur Stadt Obermarsberg. Sie hieß „Chronik der tausendjährigen Stadt Obermarsberg, der ehemaligen sächsischen Festung Eresburg, angefangen mit dem Jahre 1836“. Ehe die Chronik gedruckt werden konnte, starb Richter Petrasch und zwar im Jahre 1847; wo er starb, ist nicht bekannt. Ein Jahr nach seinem Tode wurde die Chronik vom Verleger M. Friedländer in Brilon herausgegeben. Friedländer druckte auch die 1. Zeitung des Kreises Brilon und Büren. Ihr Name war „Wochenblatt des Kreises Brilon“. Später nannte sich die Zeitung „Sauerländischer Anzeiger“. Auf der Rückseite des 1. gedruckten Obermarsberger Buches ist ein Dankesvermerk enthalten. Dem „Sanitätsrath Dr. Ruer, Director der hiesigen Provinzial Irrenheilanstalt, Besitzer der altehrwürdigen Benediktinerpropstei, Freund und 1. Ehrenbürger unserer Heimatstadt Obermarsberg“ war es finanziell zu verdanken, dass dieses Buch in Druck gehen konnte. Die Publikation ist nur noch in ganz, ganz wenigen Exemplaren vorhanden. Neben den Original-Aufzeichnungen zur Chronik des Richters Petrasch befindet sich ein Exemplar der alten Chronik im Museum „Haus Böttcher“ in Obermarsberg. Die Chronik beschreibt die alte Eresburg, also die Geschichte Obermarsbergs, usw. Die Jahreschroniken beginnen mit dem Jahr 1836. Eine akribische Genauigkeit bestimmt die Jahresauflistung des Richters Petrasch. Im Folgenden werden seine Berichte zu 1836 in der Hauptsache wiedergegeben: „Den Vorstand der Stadt Obermarsberg“, so schreibt Petrasch, „bildet im Jahre 1836 der Bürgermeister Hattermann mit den Gemeinderäten Johann Tewes, August Knüppel, Heinrich Breker und Amtsschreiber Hermann Volbracht. Der Bürgermeister ist ein von der Regierung angestellter kuratorischer Beamter und fungiert als solcher auch in Untermarsberg, Erlinghausen, Giershagen, den Patrimonial-Gerichtsbezirken Canstein und Padberg. Städtischer Rentmeister ist Friedrich Biermann. Die Forstwirtschaft leitet der Kommunal-Oberförster Schuto, der seinen Wohnsitz in Brilon hat; die schützenden Unterförster sind Franz Fobbe und Ferdinand Pape. Wir haben auch einen Polizeidiener, Georg Lutter, und einen Flurschützen, Christoph Köchling; doch kann die Polizei-Handhabung bei hellem Tage mit Laternen gesucht werden. Die Pfarrei, wozu auch das Dorf Erlinghausen als Filialort gehört, wird von dem Seminar-Geistlichen Franz Padberg aus Hildfeld, der am 11. April des vorigen Jahres in Paderborn zum Priester geweiht wurde, verwaltet. Küster und Organist ist der eben genannte Rentmeister Biermann. Mitglieder des Kirchenvorstandes sind der Gemeinderat Tewes, Gemeinderat Volbracht und Hermann Steinhof; Kirchenrechner ist der Gemeinderat Breker. Schullehrer ist Arnold Schultze. Das städtische Vermögen besteht in den schönen Waldungen, die nach der jüngsten Vermessung 3.328 Morgen und 40 Ruten groß sind. Es wird daraus jährlich eine bedeutende Masse Holz verkauft, durchschnittlich für 1.200 Taler, weil wegen des vorhandenen Schuldenbestandes den Bürgern kein freies Holz gegeben wird. An Besoldungen muß die Stadtkasse jährlich an den Oberförster 73 Taler 9 Silbergroschen (Sgr.), an den Unterförster Fobbe 61 Taler 16 1/6 Sgr., an den Unterförster Pape 90 Taler zahlen. An Grundsteuern muß die Stadt 185 Taler entrichten. Da die Stadt außer dem Rathause, der Schule und einem Plätzchen an der Diemel, dem sogenannten Budih, keine weiteren Grundstücke besitzt, muß die Grundsteuer meist von den Waldungen entrichtet werden. Die Stadtkasse erhebt auch Weidegeld für alles Vieh, das von dem Hirten zur Weide geführt wird. Das Vieh besteht dermal in 90 Stück Schweinen, 249 Stück Rindvieh, 122 Ziegen, 1.426 Schafen und 270 Gänsen. Für erste (Schweine) wird pro Stück 1 ½ Sgr., für zweite 2 ½ Sgr., für dritte 3 1/12 Sgr., für vierte 7/12 Sgr. und für fünfte 5/12 Sgr. Weidegeld bezahlt, überhaupt also 70 Taler und 28 Sgr. 10 Pf. Für die Jagd werden gemäß der bis 1839 dauernden Verpachtung 14 Taler 12 ½ Sgr., für die Fischerei 11 Taler 13 ½ Sgr. erhoben. An Brandsteuer muß die Stadt 4 Taler 10 Sgr. zahlen, an die Kreiskommunalkasse 18 Taler, an das Landarmen-Haus 6 Taler 6 ½ Sgr., an die Irren-Heilanstalt 6 Taler, an Miete für das Wachthaus 13 Taler 25 Sgr. Außerdem hat sie noch einen Schuldenbestand vorwiegend bei Juden von 6.818 7/15 Taler zu verzinsen. Die Feld- und Wiesenflur der Einwohner ist 4.844 Morgen 116 Ruten und 86 Fuß groß. Bespannt sind wenig Bürger. Man zählt nur 28 Pferde, dagegen aber 537 Esel, mit denen hier ebenso viel Frucht und Holz angefahren wird, als mit Wagen und Karren. Auf den hiesigen Bergen ist der Esel ein so nützliches Tier, wie das Kamel in seiner Heimat.“ Richter Petrasch berichtet dann in seiner Chronik noch über „merkwürdige Ereignisse“ des Jahres 1836, besonders über die Einführung der neuen Städte-Ordnung und eines Schulvorstandes. – Dann schreibt er: „Die Unglücksfälle des Jahres 1836 beschränkten sich darauf, daß am 18. Oktober abends 9 Uhr drei Häuser auf dem Kohlbette durch Brand eingeäschert wurden. Das dritte Haus hätte gerettet werden können und wäre gerettet worden, wenn die Einwohner nicht größtenteils im Bette gesteckt hätten. Dies ist übrigens nicht zu verwundern; denn da sie mit den Hühnern aufstehen und da sie schweren Arbeiten nachgehen müssen, dürfen sie auch mit den Hühnern schlafen gehen. Am 29. November 1836 abends wütete noch ein Orkan, gleich dem von 1800, nur nicht so anhaltend. Der Sturm deckte Dächer ab, riß ein Haus um, riß von beiden Kirchen einige Sparren ab, schlug Fenster aus und zerstörte sie.“ Petrasch schließt seinen Bericht über das genannte Jahr mit den Worten: „Jetzt stehe ich am Ende des Jahres 1836. Der Silvestertag stellt mich vor ein neues, leeres, inhaltsloses Blatt, wie der denkende Mensch wohl an jedem Jahresschlusse im Buche seines Lebens ein solches leeres Blatt vor sich sieht, was er zu füllen und zu beschreiben hat. Geist und Herz, Zeit und Verhältnisse liefern die Farben zu dem Gemälde. Ein Tag überreicht dem andern den Griffel, um mit dem Zeichnen fortzufahren. Und so wird mit jedem letzten Jahrestage ein Blatt gefüllt, bis des Lebens letzte Stunde die letzte Hand daran legt, mit dem Erdenleben abschließt und uns ins Jenseits ruft.“ Nähere Informationen zum Fundstück des Monats finden Sie unter: www.Marsberger-Geschichte.de Fotos im Anhang: 01 Der Sanitätsrat Dr. Ruer war Direktor der Westfälischen Klinik (Irrenanstalt) zu Niedermarsberg. Dieses Bildnis von ihm ist aus der Zeit um 1840. Dank der Kostenübernahme durch Dr. Ruer konnten die Aufzeichnungen von Richter Petrasch in Druck gehen. Den Chronikdruck stellte der Verleger M. Friedländer aus Brilon im Jahr 1848 her. Foto: Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.. 02 Die Luftaufnahme aus 1979 zeigt im Vordergrund Obermarsberg, die alte Stadt auf dem Berge. Im Tal liegt Niedermarsberg. Foto: Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.. 03 Der störrische Esel in Obermarsberg vor der Nikolaikirche – Der Esel war in früheren Zeiten hauptsächlich das Nutz- und Lasttier der Bewohner der alten Stadt. In der Chronik von 1836 werden 537 Esel für Obermarsberg angegeben. Foto: Dirk Seehafer. 04 Die Titelseite der 1. in Buchform gedruckten Chronik zur alten Stadt Obermarsberg – Diese Chronik erschien im Jahr 1848. Foto: Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.. #Marsberg #Obermarsberg #Chronik #Stadt #StadtObermarsberg #Aufzeichnungen #Richter #Fundstueck #FundstueckdesMonats #MarsbergsFundstueckdesMonats #April #April2017 #Chronisten #Geschehnisse #Jahresverlauf #Handschriftlich #Jahresdokumentation #1830 #1840 #1830erJahre #1840erJahre #Geschichtsverein #Heimatverein #MarsbergerGeschichten #MarsbergerGeschichte #Museum #HausBoettcher #MuseumHausBoettcher #HausderGeschichte #1589 #MarsbergsHausderGeschichte #AdamPetrasch #Niedermarsberg #FerdinandPetrasch #ElisabethBech #Buch #Festung #Eresburg #1836 #RichterPetrasch #1847 #Verleger #Friedlaender #Brilon #KreisBrilon #Bueren #KreisBueren #Wochenblatt #WochenblattdesKreisesBrilon #Zeitung #SauerlaendischerAnzeiger #ObermarsbergerBuch #Sanitaetsrath #Ruer #DrRuer #Director #Provinzial #Irrenheilanstalt #Besitzer #Benediktinerpropstei #Ehrenbuerger #Heimatstadt #Publikation #Geschichte #Jahreschroniken #Jahresauflistung #BuergermeisterHattermann #Gemeinderaete #JohannTewes #AugustKnueppel #HeinrichBreker #Amtsschreiber #HermannVolbracht #Buergermeister #Regierung #Beamter #KuratorischerBeamter #Untermarsberg #Erlinghausen #Giershagen #Patrimonial #Gerichtsbezirke #PatrimonialGerichtsbezirke #Canstein #Padberg #Rentmeister #StaedtischerRentmeister #FriedrichBiermann #Forstwirtschaft #Oberfoerster #KommunalOberfoerster #Schuto #Unterfoerster #FranzFobbe #FerdinandPape #Polizeidiener #GeorgLutter #Flurschuetzen #ChristophKoechling #PolizeiHandhabung #Polizei #Pfarrei #SeminarGeistlicher #FranzPadberg #Hildfeld #Paderborn #Priester #Kuester #Organist #Kirchenvorstand #HermannSteinhof #Kirchenrechner #Schullehrer #ArnoldSchultze #Wald #Waldungen #Vermessung #Holz #Besoldungen #Stadtkasse #Grundsteuer #Rathaus #Schule #Diemel #Budih #Grundstuecke #Weidegeld #Vieh #Hirten #Weide #Schweine #Rindvieh #Ziegen #Schafe #Gaense #Jagd #Verpachtung #Fischerei #Brandsteuer #Kreiskommunalkasse #LandarmenHaus #IrrenHeilanstalt #Miete #Wachthaus #Schuldenbestand #Juden #Feldflur #Wiesenflur #Einwohner #Buerger #Morgen #Ruten #Fuss #Pferde #Esel #Frucht #Holz #Wagen #Karren #Berge #Tier #Kamel #Heimat #Einfuehrung #Staedteordnung #Schulvorstand #Ungluecksfaelle #Haeuser #Kohlbett #Brand #Huehner #Arbeit #Orkan #1800 #Sturm #Daecher #Kirchen #Sparren #Silvester #Silvestertag #Jahrestag #Luftaufnahme #1979 #AlteStadtaufdemBerge #Nikolaikirche #Nutztier #Lasttier #537Esel #DirkSeehafer #1848 #Sanitaetsrat #Direktor #WestfaelischeKlinik #Irrenanstalt #UnserMarsberg
Fundstück des Monats

25. September 2016
Fundstück des Monats: Marsbergs berühmte Söhne Ein interessanter Beitrag zur Familienforschung Marsberg / Büren / Erwitte. Neben den Adelsfamilien Marsbergs haben in unserer Stadt auch immer wieder „bürgerlich“ Geborene es in herausragend bedeutende Positionen geschafft. Marsbergs Fundstück des Monats September 2016 beschäftigt sich mit einer alteingesessenen Familie und einem berühmten Sohn der Stadt. Hierzu hat der Marsberger Geschichts- und Heimatverein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ für das Museum „Haus Böttcher – Marsbergs Haus der Geschichte aus 1589“ in den letzten Tagen verschiedene Aufzeichnungen aus dem 19. Jahrhundert erhalten. Sie wurden nun zum Fundstück des Monats prämiert. Zu diesen Persönlichkeiten gehört zweifellos der große Schulmann und Priester Heinrich Aloysius Kloke. Er wurde am 04. Juni 1782 im „Schultheiß-Klokeschen Hause“ zu Niedermarsberg geboren. Schon früh widmete er sich dem geistlichen Stande sowie dem Lehrerberuf und trat im Jahre 1800 als Klerikus in das Priesterseminar zu Corvey ein, wo er am 06.10.1804 zum Priester geweiht wurde. Während der Zeit seiner Ausbildung widmete er sich „mit großer Liebe dem Studium der Erziehungswissenschaft“. In den ersten Jahren seiner „Wirksamkeit“ war Kloke als Lehrer und Seelsorger sowohl in Corvey als auch in Höxter tätig. Später wurde er aufgrund seiner „hervorragenden“ Anlagen und Fähigkeiten vom Fürstbischof Ferdinand von Lüninck als Administrator präsentiert, vom König Jerome von Westfalen bestätigt und von dem damaligen Generalvikar von Schade „installiert“. Am 28. April 1808 wurde er als erster Pfarrer in Albaxen eingeführt. Nach mehrjähriger priesterlicher Tätigkeit in Albaxen und Alme (Brilon) hatte er durch sein verschiedenes, öffentliches Auftreten auf dem Gebiet der Schulreform die Aufmerksamkeit des Staates sowie des Klerus auf sich gelenkt. An dem in den Jahren 1817 bis 1819 in Berlin ausgearbeiteten Entwurf eines allgemeinen Gesetzes über die Verfassung des Schulwesens im preußischen Staate hatte der damals weithin bekannte Pädagoge und Schulmann Heinrich Aloysius Kloke „im Verein mit dem damaligen Regierungsrat Sauer zu Arnsberg maßgeblichen Anteil“. In dem großen Sprengel der umfangreichen Diözese Paderborn bestand zur Ausbildung der Lehrer seit 1788 nur eine einzige Normalschule und zwar direkt in Paderborn. Diese wurde aber bald als „unzureichend“ erkannt. In einem Bericht, den der Paderborner Landrat von Elverfeldt am 03. August 1817 der Regierung in Minden über die Mittel zur Ausbildung der Lehrer erstattete, heißt es: „Höchst wünschenswert würde es sein, wenn die Normalschule durch ein Schullehrerseminar erhöht würde, das schon seit 15 Jahren im Plane war und bisher darin blieb.“ Am 17. März 1818 forderte die Regierung von dem Landrat näheren Bericht hierüber. Besonders lebhaft interessierte sich für diesen Plan der Oberpräsident Freiherr von Vincke zu Münster, der die Errichtung eines Provinzialschulseminars betrieb und zur Beschaffung der erforderlichen Mittel das den „Krondomänen“ einverleibte „Haus Büren reklamierte“. Am 29. Januar 1820 ersuchte er den Regierungspräsidenten zu Minden „um baldige Mitteilung der Verhandlungen wegen Rückgabe des Bürenschen Fonds an den Paderborner Studienfonds sowie um Beschleunigung der Errichtung des Provinzialschulseminars zu Büren. Am 23. November 1823 unterzeichnete König Friedrich Wilhelm III. die Kabinettsordre, durch die ein Teil der zum Hause Büren gehörenden Gebäude und Einkünfte „dem neuerrichteten Seminar überwiesen wurde“. Am 27.10.1824 richtete der Oberpräsident Freiherr von Vincke an den Generalvikar Dammers zu Paderborn folgendes Schreiben: „Ich beabsichtige, die Eröffnung des Schulseminars durch die Amtsblätter zur Kunde zu bringen. Um hierüber mit Ew. Hochwürden im Einverständnis zu verfahren, übersende ich Ihnen hiermit den Entwurf einer Bekanntmachung zur gefälligen Äußerung Ihrer Meinung und zugleich mit dem Ersuchen, auch Ihrerseits über diese Angelegenheit ein die gute Sache förderndes Schreiben an die Geistlichkeit ihrer Diözese zu richten. Die für die Anstalt in Vorschlag gebrachten beiden Hauptlehrer sind der Pfarrer Kloke in Alme und der Kaplan Gausterdt in Büren. Der Musiklehrer ist bisher noch vergebens gesucht.“ Auf Veranlassung des Oberpräsidenten machte nun Pfarrer Kloke auf Staatskosten zwei große pädagogische Studienreisen, von denen die zweite Reise über Sachsen, Brandenburg, Böhmen, Schlesien und Franken führte. Den Bericht über die Reisen legte er in einer dem damaligen Kultusminister von Altenstein zu Berlin eingereichten Denkschrift nieder, die zahlreiche praktische Vorschläge für die Lehrerbildung enthielt. Daraufhin wurde er zum ersten Direktor des Lehrerseminars in Büren ernannt. Er unterrichtete die „Schulamtsbewerber“ in Deutsch, Rechnen, Geschichte und Physik. „Im Geschichtsunterricht weckte er seine Schüler in einer Weise“, wie sie erst später sich allgemein durchsetzte, durch „innere Anteilnahme an den Ereignissen“. Im Physikunterricht bemühte er sich, zumal damals die „kostspieligen Apparate“ noch fehlten, die Schüler mit den allereinfachsten Mitteln in „die Geheimnisse der Natur hineinblicken zu lassen“. Und so gab er seinen „Zöglingen“ für die damaligen Verhältnisse „viel mit ins Leben“. Als „Seminardirektor“ wirkte Heinrich Aloysius Kloke vom 17. Mai 1828 bis zum Frühjahr 1830. „Die rege und anstrengende Aufbauarbeit im Seminar sowie auch in der Seelsorge gingen nicht unberührt an ihm vorüber“. Aus „Gesundheitsrücksichten“ berief ihn die Regierung zu Arnsberg am 10. Oktober 1830 zum Pfarrer in Erwitte. Die „Collation und Investitur“ erteilte das Generalvikariat am 23. Oktober 1830. Gleichzeitig mit seinem Pfarrantritt wurde er von der preußischen Regierung zu Arnsberg als Kreisschulinspektor des Kreises Lippstadt ernannt. Als alter Schulfachmann nahm sich Pfarrer Kloke mit „besonderem Verständnis und viel Liebe des daniederliegenden Schulwesens innerhalb des Kreises Lippstadt an“. Das erfolgreiche Wirken des Pfarrers Kloke ehrte die Preußische Regierung, indem sie ihn zum Ritter des Roten Adlerordens mit der Schleife ernannte. Am 29. April 1846 wurde er von dem damaligen Bischof Franz Drepper zu Paderborn zum Dechanten des Dekanats Geseke ernannt. „Der Seminardirektor und Dechant, der Kreisschulinspektor und Jubilarpriester, Heinrich Aloysius Kloke“, starb am 18. April 1855 im Alter von 72 Jahren. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof zu Erwitte. Nähere Informationen zum Fundstück des Monats finden Sie unter: www.Marsberger-Geschichte.de Fotos im Anhang: 01 Das Bildnis zeigt das „alte Lehrerseminar“ zu Büren. Es war das ehemalige Schloss der Ritter und Edelherren von Büren . 02 Die Familie Kloke war und ist neben dem Standort Niedermarsberg auch u. a. in Obermarsberg, Erlinghausen, Essentho und Giershagen vertreten. – Hier ein Hochzeitsfoto der Familie Kloke in der damaligen Hauptstraße in Obermarsberg aus den 1920er Jahren. 03 Der Stammbaum der Marsberger Familien Kloke aus dem Jahr 1934. 04 Das Kloken-Kreuz in Niedermarsberg. #Marsberg #Fundstueck #FundstueckdesMonats #Soehne #Familienforschung #Bueren #Erwitte #Adelsfamilien #Buergerlich #MarsbergsFundstueckdesMonats #MarsbergsFundstueck #Familie #MarsbergerGeschichte #MarsbergerGeschichten #Heimat #Heimatverein #Geschichtsverein #Museum #MuseumHausBoettcher #HausBoettcher #HausderGeschichte #MarsbergsHausderGeschichte #Aufzeichnungen #Persoenlichkeiten #Schulmann #Priester #Kloke #HeinrichKloke #HeinrichAloysiusKloke #Schultheiss #KlokeschesHaus #Niedermarsberg #Lehrer #Lehrerberuf #Klerikus #Priesterseminar #Corvey #Ausbildung #Studium #Erziehungswissenschaften #Seelsorger #Hoexter #Fuerstbischof #FerdinandvonLueninck #Administrator #Koenig #JeromevonWestfalen #Generalvikar #Schade #Pfarrer #Albaxen #Alme #Brilon #Schulreform #Klerus #Berlin #Gesetz #Verfassung #Schulwesen #Preussen #Staat #Paedagoge #Regierungsrat #Sauer #Arnsberg #Paderborn #Dioezese #Normalschule #Landrat #PaderbornerLandrat #Elverfeldt #vonElverfeldt #Regierung #Minden #Schullehrerseminar #Oberpraesident #FreiherrvonVincke #Muenster #Provinzial #Schulseminar #Provinzialschulseminar #Krondomaene #HausBueren #Regierungspraesident #BuerenscherFond #Studienfonds #Koenig #KoenigFriedrichWilhelmIII #Kabinettsordre #Generalvikar #GeneralvikarDammers #Geistlichkeit #Hauptlehrer #PfarrerKloke #KaplanGausterdt #Musiklehrer #Studienreise #Sachsen #Brandenburg #Boehmen #Schlesien #Franken #Reisen #Kultusminister #vonAltenstein #Denkschrift #Lehrerbildung #Direktor #Lehrerseminar #Schulamtsbewerber #Deutsch #Rechnen #Geschichte #Physik #Geschichtsunterricht #Schueler #Seminardirektor #Arnsberg #Kreisschulinspektor #Lippstadt #KreisLippstadt #Schulwesen #PreussischeRegierung #Ritter #RoterAdlerorden #Schleife #Bischof #FranzDrepper #Dechant #Dekanat #Geseke #LehrerseminarBueren #Schloss #SchlossBueren #Ritter #Edelherren #FamilieKloke #Obermarsberg #Erlinghausen #Essentho #Giershagen #Hochzeitsfoto #Hauptstrasse #Stammbaum #KlokenKreuz #UnserMarsberg
Bildung für alle in der Herrschaft Canstein …

29. August 2016
Bildung für alle in der Herrschaft Canstein Marsbergs Fundstück des Monats und die Entstehung einer Schulvikarie Canstein / Udorf / Heddinghausen / Leitmar / Borntosten. Aus Sicht der I-Dötzchen ist die jetzt beginnende Schulpflicht bestimmt ein „kleiner Fluch“, denn es beginnt fortan der Ernst des Lebens! – Allerdings ist die Bildung und Ausbildung ein wesentlicher Teil des später einmal angestrebten Wohlstands… Marsbergs Fundstück des Monats August 2016 beschäftigt sich passend zum Wiederbeginn der Schulzeit mit den Ursprüngen des Schulwesens in der alten Herrschaft Canstein. Hierzu hat der Marsberger Geschichts- und Heimatverein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ für das Museum „Haus Böttcher – Marsbergs Haus der Geschichte aus 1589“ in den letzten Tagen verschiedene Aufzeichnungen aus dem 19. Jahrhundert erhalten. Sie wurden nun zum Fundstück des Monats prämiert. Eine Schulvikarie wurde in Canstein vom Kammerpräsidenten Franz Wilhelm von Spiegel zum Desenberg und Canstein am 15. Januar 1794 begründet. Im Jahr 1761 hatte bereits Goswin Anton Freiherr von Spiegel (Vize-Dominus des Domkapitels zu Münster) eine Frühmessstiftung von 1.000 Talern in der Pfarrei Heddinghausen gemacht. Diese Stiftung bildete den Grundstock des Schulvikariefonds, den Franz Wilhelm von Spiegel aufstockte. Weitere 300 Reichstaler steuerte der „Domscholaster“ und Domkantor Clemens Philipp von Spiegel bei. Eine Schule „von weltlichen Lehrern geleitet“ bestand schon vordem in Canstein. Das Schulgebäude lag auf der Südseite der Kleppe am Wildhof (Grundstück: „Siedhoff´sche Schmiede“). Diese brannte 1801 ab. Der Kammerpräsident von Spiegel erwarb nun ein altes Bauernhaus und ließ es auf seine Kosten zu einer Schule umbauen. Die Gemeinde Canstein leitete dabei „Fuhr- und Handlangerdienste“, wie eine in Stein gehauene Inschrift bezeugt: „Industrieschule – Mit Beihilfe der von der Gemeinde Kanstein geleisteten Fuhren- und Handlangerdienste auf Kosten Franz Wilhelms von Spiegel Freiherrn zum Desenberg. Gebaut 1802.“ Der Standort des Gebäudes wird seinerzeit als an der „Straßengabelung Udorf-Arolsen an der Hauptstraße“ bezeichnet. Es war ein einstöckiger langgestreckter Bau. Außer den Schulräumen befand sich darin auch die Wohnung des Schulvikars. Auf der Südseite an der Kleppe war noch ein kleines Gärtchen, der sogenannte Industriegarten. Im Jahr 1818 wurde noch ein Stall angebaut, um den Lehrpersonen die Möglichkeit zu geben, „durch Halten von Vieh ihre geringen Einkünfte auszubessern“. Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde von dem Schuhmachermeister Wilhelm Kraushaar das Gebäude von Grund auf renoviert und aufgestockt. Eine neue Volksschule wurde 1893 in der Nähe der Kapelle erbaut. „Stiftungsgemäß sollte der Schulunterricht nur von Priestern erteilt werden“. Diese versahen gleichzeitig den Frühmessdienst in der Pfarrkirche zu Heddinghausen oder in der Cansteiner Schlosskapelle. „Es herrschte allerdings großer Priestermangel“, sodass zeitweise auch weltliche Lehrer angestellt wurden. Ein Bericht von Pfarrer Kiffe vom 28.03.1809 an den für das Herzogtum Westfalen angeordneten Kirchen- und Schulrat: „daß er sich unsäglichen Fleiß gegeben habe, ein taugliches Subjekt zu der Administration wieder zu erhalten. Bald fanden sich sechs auf einmal, aber bald, wenns zum Streiche kam, wollte keiner.“ Als erster Schulvikar wurde ein Mönch „Frater Leonhard Bausch“ erwähnt. In Folge von Meinungsverschiedenheiten mit dem Pfarrer wurde er aber schon bald abberufen. Am 02.08.1801 erhielt dann Johann Josef Hensell aus Neuhaus vom Kammerpräsidenten von Spiegel die „Collation“ und vom Erzbischöflichen Vikariat die Investitur. Allerdings sagten Hensell die Verhältnisse einer Dorfschule auf Dauer nicht zu. Mit dem Pfarrer und dem „Patron“ geriet er auch bald in Konflikt, da „er die Schule nach Willkür verwaltete“. Am 01.10.1804 verließ er eigenmächtig seine Stelle und wurde Feldprediger bei den Preußen. Der wiederholten Aufforderung zurückzukehren oder formell auf sein Amt zu verzichten, leistete er keine Folge. Das Erzbischöfliche Vikariat bestimmte darauf erstmals „nur administrative“ Anstellungen. Bei der Rückkehr Hensells sei ihm „60 Reichtaler pro anno von dem jeweiligen Administrator“ auszuzahlen. Erst am 12.08.1809 „veröffentlichte dasselbe in den Zeitungen eine Edictal-Citation gegen Hensell.“ Im „Nichterscheinungsfalle“ wurde das „Beneficium“ für „vaciierend“ und Hensell aller Ansprüche für „verlustig“ erklärt. Hensell aber blieb verschollen. Für den „entwichenen Hensell hielt zunächst Lehrer Krickenberg aus Heddinghausen die Schule in Kanstein“. 1805 gelang es den Ex-Benediktiner Josef Zieren anzustellen. 1807 musste er allerdings nach Paderborn zurück, da ihm sonst der Verlust seiner Pension drohte. Bis 1809 war die Stelle somit verwaist. Von 1809 bis 1815 war ein „Rektor namens Koerholz aus Werl“ an der Cansteiner Schule tätig. Danach erhielt er mit „bestem Zeugnis ausgestattet“ die Pfarrstelle in Madfeld. Weltliche Lehrer folgten einige Jahre. Peter Lübke war von 1819 bis 1824 Lehrer in Canstein. Doch der „Mangel an Besoldung zur Bestreitung der notwendigsten Lebensbedürfnisse“ und die „Vereitelung aller Bemühungen und Vorschläge zur Verbesserung“ trieben ihm zum Weggang. „Die Tränen in den Augen der Schuljugend und deren Eltern mir das Scheiden schmerzhaft und bitter machten“, so Lübke. Das Gehalt der Stelle sollte fortan auf 250 Reichstaler aufgestockt werden. Allerdings konnten sich weder der Patron, noch die Schulgemeinde auf diese Summe einigen und so waren die Stellenbesetzungen „regelmäßig wechselnd“. Unterrichtet wurde neben Religion, Lesen, Schreiben und Rechnen. „Besonderes Gewicht“ wurde auf den „Kirchengesang“ gelegt. Die Schule wurde eigens als Industrieschule bezeichnet. Es waren ein Industriezimmer und ein Industriegarten ausgewiesen. In der Baumschule und im Handarbeitsunterricht wurden so „Produkte“ erstellt und veräußert. Das Schul-Stiftungskapital der von Spiegels wurde als Darlehn an die Stadt Obermarsberg und an die einheimische Bevölkerung zu einem Zinssatz von 4 bzw. 5 Prozent vergeben. Im „Revenüenetat“ von 1824 bezog der Schulvikar pro Jahr 60 Taler festes Gehalt, 60 Taler für Kost, 9 Taler für Licht, 9 Malter Brennholz (23 Taler und 24 Stüber), dessen Heranholen durch die Gemeinde im Wert von 3 Taler und 54 Stüber, das Schulgeld von ungefähr 50 Kindern à 52 Stüber (43 Taler und 20 Stüber), freie Wohnung (12 Taler), freier Hausgarten (1 Taler) und für ein „Leichenbegräbnis von Kanstein nach Heddinghausen“ (1 Taler). Zusammen machte das eine Jahressumme von 212 Talern und 98 Stübern. Das war das Salär eines geistlichen Lehrers, weltliche Lehrer erhielten nur die Hälfte: Lehrer Lübke beispielsweise 108 Taler. Wobei die Stelle in Canstein noch die beste besoldete Stelle war. Die Nachbargemeinden waren noch ärmer dran. Heddinghausen bot 154 Taler, 1 Silbergroschen und 4 Pfennig. Allerdings musste der Lehrer den Küster- und Organistendienst sowie weitere örtliche Aufgaben wahrnehmen. In Leitmar gab es 94 Taler, 16 Silbergroschen und 4 Pfennige und in Udorf nur 80 Taler, 9 Silbergroschen und 8 Pfennige. Die Schule wurde gerne geschwänzt. Allerdings dank der Eltern. Sie brauchten ihre älteren Kinder zum Viehhüten und für Feldarbeiten. „Um diesem Uebelstand zu begegnen, wurde für die Oberstufe schon morgens von 5 bis 8 oder nach Feierabend Schule gehalten“. Auch „durch Holzdiebstähle und Waldfrevel wurden die Kinder der Schule entzogen“. Durch das „Patrimonialgericht“ wurden „Tagesstrafen“ verhängt. Nach 1838 wechselte das Schloss Canstein in kurzer Folge dreimal den Besitzer. Die Leistungen für die Schule standen zur Disposition. Durch Rezess vom 22.07.1879 wurden die Leistungen der Rentei-Kasse abgelöst und von der Rentenbank in Münster übernommen. Nähere Informationen zum Fundstück des Monats finden Sie unter: www.Marsberger-Geschichte.de Fotos im Anhang: 01 Schloss Canstein von der Nordostseite – Rechts befindet sich die alte Burg auf dem Kalksteinkegel, dem „Kantstein“. Das Gemälde von F. E. Klein zeigt eine Ansicht des Schlosses zum Zeitpunkt von 1831. 02 Franz Wilhelm von Spiegel zum Desenberg und Canstein – Kammerpräsident und Begründer des Schulwesens der Herrschaft Canstein. 03 Die Ansichtskarte wurde im Gasthaus zur Post von „Joh. Biker“ verkauft. Auf ihr ist eine Ortsansicht von Canstein samt dem Schloss zu sehen. Die Karte ist aus der Zeit um 1910. 04 Dieser Blick auf Canstein zeigt den Ort und das Schloss in den 1960er Jahren. 05 Die Ansichtskarte „Gruss aus Canstein“ aus der Zeit um 1895 bildet verschiedene Ansichten auf Canstein ab. Zu sehen sind ferner u. a. das Schloss, die Kapelle, das Gasthaus zur Post und die Cansteiner Felsen. #Marsberg #Canstein #HerrschaftCanstein #Bildung #Fundstueck #FundstueckdesMonats #MarsbergsFundstueck #Schulvikarie #Schule #Udorf #Heddinghausen #Leitmar #Borntosten #IDoetzchen #Schulpflicht #ErnstdesLebens #Ausbildung #Wohlstand #Schulzeit #Schulwesen #Geschichtsverein #Heimatverein #MarsbergerGeschichten #Museum #MuseumHausBoettcher #HausBoettcher #HausderGeschichte #MarsbergsHausderGeschichte #Aufzeichnungen #Kammerpraesident #FranzWilhelmvonSpiegel #Desenberg #GoswinAntonFreiherrvonSpiegel #VizeDominus #Domkapitel #Muenster #Stiftung #Fruehmessstiftung #Pfarrei #Grundstock #Schulvikariefonds #Domscholaster #Domkantor #ClemensPhilippvonSpiegel #Lehrer #Schulgebaeude #Kleppe #Wildhof #Siedhoff #Schmiede #Bauernhaus #Gemeinde #Industrieschule #Kanstein #Arolsen #Hauptstrasse #Schulraum #Schulvikar #Industriegarten #Stall #Schuhmachermeister #WilhelmKraushaar #Volksschule #Kapelle #Schulunterricht #Priester #Fruehmessdienst #Pfarrkirche #Schlosskapelle #Priestermangel #PfarrerKiffe #Westfalen #HerzogtumWestfalen #Kirchenrat #Schulrat #Moench #FraterLeonhardBausch #JohannJosefHensell #Neuhaus #Collation #ErzbischoeflichesVikariat #Investitur #Dorfschule #Pfarrer #Patron #Feldprediger #Preussen #Administrator #LehrerKrickenberg #Benediktiner #JosefZieren #Paderborn #Rektor #Koerholz #Werl #CansteinerSchule #Pfarrstelle #Madfeld #PeterLuebke #Schulgemeinde #Stellenbesetzung #Religion #Lesen #Schreiben #Rechnen #Kirchengesang #Industriezimmer #Industriegarten #Baumschule #Handarbeitsunterricht #Produkte #SchulStiftungskapital #vonSpiegel #Darlehn #Obermarsberg #StadtObermarsberg #Zinssatz #Revenueenetat #Gehalt #Kost #Licht #Malter #Brennholz #Taler #Stueber #Schulgeld #Kinder #Wohnung #Hausgarten #Leichenbegraebnis #Jahressumme #Salaer #Silbergroschen #Pfennig #Kuesterdienst #Organistendienst #Eltern #Viehhueten #Feldarbeit #Waldfrevel #Holzdiebstahl #Patrimonialgericht #Tagesstrafe #SchlossCanstein #Rezess #RenteiKasse #Rentenbank #MarsbergerGeschichte #Burg #Kalksteinkegel #Kantstein #FEKlein #GasthauszurPost #JohBiker #Ortsansicht #Schloss #CansteinerFelsen #Kapelle #UnserMarsberg