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Waldeckischer Geschichtsverein will das Platt erhalten

22. September 2017

Zentrale Sammelstelle in Bad Arolsen geplant

Diemelsee-Ottlar / Bad Arolsen. Die niederdeutsche Sprache ist vom Aussterben bedroht. Immer weniger Leute sprechen das landläufige Platt. Der Waldeckische Geschichtsverein will deshalb eine Dokumentationsstelle in Bad Arolsen einrichten, um es für nachkommende Generationen bewahren. Das erklärte der Vorsitzende des Vereins, Heinrich Paul, bei der Jahrestagung in Ottlar.

Die Grundidee und Initiative dazu kam von dem Rhoder Heimatforscher Karl Heinemann, der seit Jahren Unterlagen und Tondokumente zum Platt sammelt und aufnimmt. Jüngst hatte er seinen Bestand mit 6.500 Datensätzen dem Geschichtsverein übergeben und damit praktisch schon einen Grundstein für das Zentrum gelegt.

Weitere Dokumente in Schrift und Ton aus ganz Waldeck sollen dazu kommen. Die Dokumentation und das Sammeln sind die ersten Schritte, um das noch vorhandene Sprachgut zu sichern. Im zweiten Schritt sollen die Materialien erforscht werden. Auch interessierte Platt-Sprecher könnten sich am Fundus bedienen.

Wissenschaftliche Hilfestellung beim weiteren Aufbau könnten die Germanisten der Marburger Philipps-Universität leisten. Mit dem „Sprachatlas“ verfügen sie über ein international bedeutsames Institut zur Erforschung der Mundarten.

Platt sei ein „immaterielles Kulturgut“, das nur erhalten werden könne, wenn es auch gesprochen werde, betonte Karl Heinemann. „Ich bin Realist genug, um zu sehen, dass es auf Dauer nicht überleben wird.“ Es stirbt aus. Deshalb müsste es mit modernen Techniken auf Dauer erhalten werden. Dazu solle der Geschichtsverein die zentrale Stelle einrichten.

„Wir sollten alle Schritte tun, um das Waldecker Platt zu erhalten“, erklärte auch der Ehrenvorsitzende Dr. Klaus Wendt.

Der Marsberger Geschichts- und Heimatverein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ ist ebenfalls stark an einer Zusammenarbeit interessiert. Er bemüht sich seit Jahren um die Pflege des Plattdeutschen. Zusammen mit der Hochsauerlandwelle e. V. hat er sogar eine eigene Radiosendung. Schon länger kommen dort neben den Sauerländer-Sprechern aus z. B. Marsberg, Brilon oder Olsberg auch Sprecher aus Waldeck zu Wort. Die Bezirksgruppen aus Diemelstadt und Diemelsee sind mit von der Partie.

Karl Heinemann, Manfred und Heinrich Paul setzen sich für das Platt ein

Sie haben den Grundstein für das Platt-Zentrum gelegt – von links: Plattdeutsch-Forscher Karl Heinemann aus Diemelstadt-Rhoden, der Geschäftsführer des Waldeckischen Geschichtsvereins, Manfred Paul, und der Vorsitzende des Vereins, Heinrich Paul. Foto: Dr. Karl Schilling