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Tiefe Volksfrömmigkeit herrschte bei uns in …

9. Dezember 2015

Tiefe Volksfrömmigkeit herrschte bei uns in Marsberg –

Urkunden zur Mission im Jahr 1858 sind das Fundstück des Monats

Niedermarsberg. Missionen, die eine Erneuerung im Glauben und im Geiste des Christentums bezweckten, wurden schon im frühen Mittelalter, zuerst in Frankreich und Italien gehalten. Besonders waren es die Franziskaner und Dominikaner, später die Jesuiten, die solche Missionen in Stadt und Land abhielten. In erster Linie waren es der Hl. Vinzenz von Paul und der Hl. Alfons von Ligouri, die im 17. und 18. Jahrhundert die Mission zur eigentlichen Volksmission ausgestalteten. Vinzenz von Paul stiftete zu diesem Zwecke den Orden der Lazaristen, Alfons von Ligouri den Orden der Redemptoristen.

Der Marsberger Geschichts- und Heimatverein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ erhielt jetzt für das Museum „Haus Böttcher – Marsbergs Haus der Geschichte aus 1589“ verschiedenste Urkunden zu solchen Volksmissionen im Marsberger Stadtgebiet. Diese Dokumente wurden nun zu Marsbergs Fundstück des Monats November 2015 prämiert.

In Deutschland wurden insbesondere nach der Revolution des Jahres 1848, selbst auf Wunsch der damaligen Regierung, „großartige Missionen“ von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf veranstaltet, um die durch „die Stürme der Revolution der Kirche entfremdeten Volksgenossen“ wiederzugewinnen und zur Kirche zurückzuführen. „Diese Missionen wurden damals eine Quelle des Segens für das deutsche Volk!“, so verschiedene Urkunden aus dem Ende des 19. Jahrhunderts. Für das Bistum Paderborn erließ Bischof Franz Drepper im Jahr 1850 eine eigene Missionsordnung. Die zahlreich abgehaltenen Missionen, die vom Apostolischen Missionar Josef Hillebrand aus Brilon (verstorben 1887) abgehaltenen oder geleitet wurden, beflügelten damals kräftig das religiöse Leben.

Auch in Niedermarsberg ließ Dechant Caspari rund 1 ½ Jahre nach der Einweihung der Magnuskirche eine erste Mission mit überwältigendem Erfolg vom 21.02. bis 02.03.1858 abhalten. In einem Bericht vom 03.03.1858 schreibt Caspari an den damaligen Bischof Conrad Martin und das Bischöfliche Generalvikariat: „Die Tage der Hl. Mission, die für die hiesige Pfarrgemeinde am Sonntag den 21. Februar durch die Jesuiten-Patres Pottgeißer, Hergarten und Schwerter aus Münster ihren Anfang nahm, sind nun beendigt. Gestern, am Dienstag, nachmittags, wurde das Missionskreuz errichtet und das Taufgelübde erneuert.“ … „Die elf Tage, die sie bei uns verweilten, sind wie ebenso viele Stunden verschwunden. Doch die Wirkungen sind solche, wie sie sonst nicht in gleich vielen Jahren zustande kommen: Das Samenkorn des Wortes Gottes, das darf man wohl sagen, ist hier auf ein empfängliches Erdreich gefallen!“ Caspari weiter: „Unsere Stadt zählt etwa 1900 Katholiken, von denen nur 1200 Kommunikanten sind. Das Gotteshaus war bei den Predigten fast zum Erdrücken voll. Es waren meistens 4000-5000 Menschen versammelt. Bis zum Hochaltare standen sie.“ Zur Magnuskirche pilgerten damals scharenweise Einwohner aus Obermarsberg, Essentho, Westheim oder Heddinghausen. Caspari: „In Obermarsberg waren nur die Unentbehrlichen zu Hause geblieben.“ Nachdem dritten Tag der Mission gingen „240 größere Schulkinder“, vorbereitet durch passende Predigten des P. Schwerter, zur Beichte.

12 bis 14 Beichtväter waren fast den gesamten Tag hindurch „im Beichtstuhl beschäftigt“. „Von den 1200 einheimischen Kommunikanten ist fast kein einziger zurückgeblieben; außerdem sind 400 auswärtige Beichtkinder hier, und 150 in der Pfarrkirche zu Obermarsberg und Essentho, die hier gebeichtet hatten, zur Hl. Kommunion gegangen, so daß im Ganzen wenigstens 1900 Personen die Hl. Sakramente empfangen haben.“ Eine „fromme Rührung“ und eine „Hl. Begeisterung“ hatten alle ergriffen. Schon am 2. Tag der Hl. Mission hatten Männer in einer Versammlung erklärt: „Wir bedürfen keiner Mission mehr, denn unsere weinenden Frauen können schon predigen.“ Am Abend vor dem Abschluss der Mission war ein „sehr großes Kreuz, das auf dem Bilstein steht und die ganze Stadt überragt, bei der Dunkelheit glänzend erleuchtet; aus vielen Teerpfannen schlugen die Flammen, weit in der Umgegend sichtbar, zum Himmel empor.“ In der Stadt hörte man „das Singen derjenigen, die trotz der Kälte und des Winters zahlreich mit brennenden Fackeln das Kreuz umgaben“. Am letzten Tag der Mission fand eine große Kreuzprozession statt. „Es wehte ein eisiger Wind, der alle Kleider durchdrang. Dennoch zogen von Obermarsberg, von Essentho und Westheim um 1 Uhr mittags die Pfarrkinder mit ihren Priestern, Fahnen und ihrer Schuljugend unter dem Geläute der Glocken hier ein.“ Die Stadt war mitten im Winter durch Bögen, Girlanden und Pyramiden aus Tannengrün sowie durch viele Flaggen reichlich geschmückt – selbst in den Straßen, die von der Prozession nicht berührt wurden.

Auf „einer großen Bahre“, die mit einem roten Tuch belegt war, lag das kolossale Missionskreuz mit einer Länge von 21 Fuß und „schönem Corpus in menschlicher Größe“. 120 Träger, eine Ehrengarde des Kreuzes aus vier Abteilungen von je 30 Personen der Honoratioren, der Handwerker, der Bergleute und der Jugend bestehend, begleiteten das Kreuz und trugen es abwechselnd auf ihren Schultern. 5000 Teilnehmer zählte man in dem langen Prozessionszuge. Caspari: „Eine solche Prozession war hier noch niemals gesehen. … Das Missionskreuz ist vor der Kirche aufgerichtet. Die Missionare sind von uns geschieden. Heil den Gemeinden, worin sie ferner ihr großes Werk vollbringen werden! Dank unserm hochwürdigsten Herrn Bischof, der sie uns gesendet hat! Möge der Grundstein, den die Missionare hier gelegt haben, unter uns weiter gebaut werden zum herrlichsten neuen geistigen Tempel für lange Zeiten! Das verleihe uns Gott!“

Fotos im Anhang:

01 Eine Postkarte aus dem Jahr 1921. Sie zeigt Propst Caspari und die Niedermarsberger Magnuskirche.

02 Die damalige Kirchstraße in Niedermarsberg mit der Magnuskirche und der Schule in den 1930er Jahren.

03 Die Gusstafel zu „Propst Caspari“ – Sie wurde in der Larenz-Werkstatt erstellt.

04 Eine mit Wachsfiguren verzierte Stickerei der Mission in Obermarsberg aus dem Jahr 1903. Sie ist Bestandteil der Sammlungen des Museums „Haus Böttcher – Marsbergs Haus der Geschichte aus 1589“.