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LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte veröffentlicht Band über den Umgang mit Ehrungen, Denkmälern und Gedenkorten nach 1945

16. November 2017

Erinnerung, Ehrung und Politik beschreiben einen Spannungsbogen, der Auseinandersetzungen um Gedenkstätten, Denkmäler, Erinnerungsplätze und Namensgeber von Preisen, Gebäuden oder Straßen kennzeichnet. Die beiden Historiker des LWL-Instituts für westfälische Regionalgeschichte, Dr. Matthias Frese und Dr. Marcus Weidner, thematisieren in dem jetzt veröffentlichten Band “Verhandelte Erinnerungen. Der Umgang mit Ehrungen, Denkmälern und Gedenkorte nach 1945” den politischen und historischen Umgang mit der Zeit des Nationalsozialismus.

Die zahlreichen “Erinnerungsmedien” verweisen auf die Zeit ihrer Einrichtung und auf die Erinnerungsziele der Gruppen und Institutionen, die eine solche Gedenkstätte oder Benennung durchgesetzt haben. Zugleich markieren sie das offizielle Gedächtnis einer Stadt oder einer Organisation. Hingegen greifen Änderungen und Zusätze, die durch Umwidmungen oder Neuausrichtungen hervorgerufen werden, in dieses offizielle Gedächtnis ein und spiegeln damit aktuelle Vergangenheitspolitik − begleitet von zum Teil vehementen Konflikten innerhalb der Stadtgesellschaft oder zwischen den beteiligten Gruppen.

Solche Konflikte untersuchen die Beiträge des Bandes anhand von lokalen und regionalen Vorgängen in Westfalen im Vergleich mit anderen Regionen und Ländern seit 1945. Im Zentrum stehen zunächst Diskussionen um die Gestaltung von Denkmälern und Gedenkorten. Weiterhin werden die Auseinandersetzungen um einzelne Personen untersucht, die durch Ehrenbürgerschaften, Skulpturen, Erinnerungstafeln oder “Stolpersteine” sowie als Namensgeber von Preisen und öffentlichen Einrichtungen geehrt wurden oder deren ursprüngliche Ehrung zu einem späteren Zeitpunkt in Frage gestellt wurde. Schließlich behandeln die Autorinnen und Autoren anhand konkreter Beispiele die Konflikte um die beabsichtigten und beschlossenen Umbenennungen der jüngsten Zeit. Dabei behandeln die Beiträge insbesondere die Rolle und der Einfluss der externen, zumeist geschichtswissenschaftlichen Beratung.

Der Sammelband fußt auf der Tagung “Erinnerung, Ehrung, Politik. Zum Umgang mit Ehrungen und Erinnerungen nach 1945”, die von den beiden Herausgebern am 21. und 22. April 2016 in Münster veranstaltet wurde.

 

Matthias Frese/Marcus Weidner (Hg.)

Verhandelte Erinnerungen.

Der Umgang mit Ehrungen, Denkmälern und Gedenkorten nach 1945.

Ferdinand Schöningh Verlag

Paderborn 2018

386 Seiten gebunden

ISBN 978-3-506-78798-9

Preis: 49,90 Euro

Verhandelte Erinnerungen

Foto: Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn