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Luther, die Musik und das Lied

17. September 2017

“Wer sich die Musik erkiest, hat ein himmlisch Werk gewonnen; denn ihr erster Ursprung ist von dem Himmel selbst genommen, weil die lieben Engelein selber Musikanten sein.” – Martin Luther

500 Jahre Reformation – ein Jubiläum, das sich langsam seinem Ende nähert. In der ein Jahrzehnt währenden Vorbereitung wird die Thematik Luther und Reformation aus verschiedenen Perspektiven reflektiert, dabei spielt die Musik und der Gesang eine wichtige Rolle. Der Reformator selbst war ein geübter Sänger und Lautenspieler, konnte im polyphonen Stil seiner Zeit komponieren und war mit den Werken der Komponisten seiner Epoche bestens vertraut.

Es ist durch seine Schriften bekannt, dass er der Musik neben der Theorie einen hohen Stellenwert einräumte. Sie habe seiner Meinung nach einen außerordentlichen moralischen und seelischen Einfluss auf den Menschen. So sei sie zum Beispiel ein wirksames Mittel gegen “Zorn, Zank, Hass, Neid, Geiz, Sorge, Traurigkeit und Mord”, wie Luther in seiner Vorrede zu Gesangbüchern schrieb.

Grundsätzlich befürwortete Luther die praktische Musikausübung gegenüber der Musiktheorie und der Musikphilosophie. Er forderte eine aktivere Beteiligung der Gemeinde an der musikalischen Gestaltung des Gottesdienstes. Dafür sollten Teile der lateinischen Messe durch deutsche Lieder ersetzt werden, wobei auch die Musik den Besonderheiten der deutschen Sprache angepasst werden musste.

Es sind annähernd 40 Lieder Luthers überliefert. Davon stammen bei mindestens 20 auch die Melodien vom Reformator selbst. Luther sah die Musik als elementaren Bestandteil der schulischen und universitären Ausbildung. Sowohl Lehrer als auch Pfarrer sollten mindestens singen können und bestenfalls theoretische und praktische musikalische Fähigkeiten mitbringen. Immer wieder betonte er den pädagogischen Wert der Musik und forderte ihren Schutz und Förderung durch die Herrschenden.

Die Kernekamp Agende ist ein beredtes Zeugnis für die Geschichte der evangelischen Hymnologie und von überregionaler Bedeutung. Der umfangreiche Band in Folioformat wurde um 1560 von einem Pfarrer Hermann Kernekamp aus (dem im Edersee versunkenen Dorf) Bringhausen verfasst und stellt eine Art hymnologisch-liturgisches Handbuch dar. Verweise auf Liedbearbeitungen des waldeckischen Reformators Johannes Trygophoros sowie ein klar strukturiertes in einem Durchgang geschriebenes Manuskript lässt die Vermutung zu, dass diese Agende weniger für den privaten Gebrauch geschrieben wurde, sondern eher eine Auftragsarbeit im Umfeld des Grafen Philipp IV. von Waldeck gewesen sein könnte. Doch konnte diese Hypothese bisher nicht erhärtet werden.

In seinem Vortrag „Die Kernekamp-Agende als erste Quelle liturgisch-hymnologische Quelle Waldeckischer Kirchenlieder“ wird Herr Prof. Dr. Friedhelm Brusniak diese Agende näher vorstellen können. Alles in allem ist diese Buchquelle ein bewundernswertes Zeugnis für die Intensität theologisch-hymnologischer Arbeit in Waldeck in den Folgejahren der Reformation und wird bis heute in der Bibliothek des Waldeckischen Geschichtsvereins aufbewahrt.

Der Vortrag findet im Rahmen der Jahrestagung des Waldeckischen Geschichtsvereins am Sonntag, dem 17.09.2017 um 14 Uhr in der Dommelhalle in Diemelsee-Ottlar statt.

Kernekamp-Agende - klein

Die Kernekamp Agende