Das Heimat-Portal für das Sauerland, Paderborner, Warburger und Waldecker Land
Sauerland, Paderborn, Höxter, Waldeck

Ein Interview mit Karl Heinemann aus Rhoden

6. September 2017

Karl Hei­ne­mann aus Diemelstadt-Rhoden ist Mundart-Ex­per­te und Lei­ter des platt­deut­schen Ar­beits­krei­ses im Waldeckischen Geschichtsverein – Bezirksgruppe Die­mels­tadt:

Wie ver­su­chen Sie in Ih­rem Ar­beits­kreis das Wis­sen wei­ter zu ver­mit­teln?

Wir ver­an­stal­ten min­des­tens zwei Mal im Jahr ei­nen platt­deut­schen Abend für Jung und Alt. Der kommt sehr gut an. Die platt­deut­sche Spra­che an Schu­len un­ter­zu­brin­gen er­wies sich allerdings bei uns etwas schwieriger. Wenn in ei­nem Ort nicht noch min­des­tens 30 % der Bevölkerung Platt spricht, ist die ört­li­che Mund­art auf Dau­er nicht zu er­hal­ten, so die Aus­sa­ge von Fach­leu­ten der UNI Mar­burg.

Gibt es ei­nen Du­den, der ei­nem hel­fen kann, die platt­deut­sche Spra­che zu er­ler­nen?

Es gibt kei­nen Du­den für Platt­deutsch. In je­dem Dorf bes­te­hen auch gro­ße sprachliche Unterschiede sowohl im Wort­schatz als auch in der Be­to­nung. Ich bin da­bei, ent­spre­chend den Emp­feh­lun­gen von Prof. Dr. Hein­rich Ding­eld­ein (Uni Mar­burg) eine platt­deut­sche Daten­bank an­zu­le­gen. Da­bei geht es mir da­rum, mög­lichst viel von un­se­rem ört­li­chen Platt in Schrift und Ton mit Hil­fe des Com­pu­ters zu do­ku­men­tie­ren. Sprach­pro­ben und die sogenannten Stan­dard­sät­ze (Wen­ker­sät­ze) wer­den in der UNI Mar­burg für die Sprachforschung auf­be­wahrt. Das glei­che kann man mit ei­ner Da­ten­bank ma­chen, um Vergleiche der ein­zel­nen ört­li­chen Be­son­der­hei­ten zu er­for­schen. Ein­zel­ne Wörter ohne Anwendungsbeispiele zu no­tie­ren (Komma weg) bringt nicht viel. So habe ich zum Bei­spiel u. a. über 600 Da­ten­sät­ze, die eine Re­dens­art und alte Volks­weis­hei­ten be­in­hal­ten, gesammelt. Bei­spie­l: „An djem­me is auk´n Afkôôr­te ver­lo­ren´e gôôn.“ Auf Hochdeutsch: An dem ist auch ein Ad­vo­kat ver­lo­ren ge­gan­gen. (Re­dens­art, wenn ei­ner nicht nach sei­nen geistigen Fä­hig­kei­ten aus­ge­bil­det wor­den war.)

Sie über­set­zen das Hoch­deut­sche ins Platt­deutsche. Was ist be­son­ders schwie­rig?

Weil es im Platt für männ­li­che und weib­li­che Ge­gen­stän­de/Wör­ter nur ei­nen Ar­ti­kel = „de“ gibt, ist das nicht wei­ter schwie­rig. Die Ar­ti­kel im Sin­gu­lar und Plu­ral sind es auch eher nicht. Das Schwierigste sind die Ver­ben und da­bei die Bil­dung der ein­fa­chen und voll­en­de­ten Vergangenheit. Bei al­len Wort­ar­ten ver­su­che ich zu je­dem ge­spei­cher­ten Wort ein oder, wenn erforderlich, meh­re­re Bei­spiel­sät­ze zu schrei­ben und gleich­zei­tig zu ver­tonen.

P1040848

Foto: Silke Nieder