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Gesammelte Werke von Georg D. Heidingsfelder

18. Juli 2017

„Manchmal führte ich den Kampf mit zu großer Schärfe“

Gesammelte Werke von Georg D. Heidingsfelder (1899-1967) in zwei Buchbänden

Eine zweibändige Werkausgabe erschließt seit kurzem die Schriften des Wahl-Sauerländers Georg Heidingsfelder (1899-1967). Er war ein unangepasster Geist zu ganz verschiedenen Zeiten. Nach dem Verlust seiner Anstellung als Zeitungsredakteur kam der Mittelfranke 1938 mit seiner Familie nach Meschede. Dort arbeitete er bei einer landwirtschaftlichen Genossenschaftsbank. In Abendveranstaltungen erläuterte er Heranwachsenden aus der katholischen Gemeinde den Gegensatz zwischen Christentum und Nationalsozialismus. Der NSDAP-Kreisleiter ließ ihm das Kindergeld sperren. Der Vater von sechs Kindern musste Dienst in einem Wehrmachtsgefängnis tun, wo er die Menschenverachtung des Systems auf sehr drastische Weise kennenlernte.

Nach seiner Rückkehr aus US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft beteiligte sich Heidingsfelder ab 1946 an der demokratischen Bildungsarbeit im Sauerland. Soziale Gerechtigkeit und Frieden standen für ihn im Mittelpunkt. Als Konrad Adenauer jedoch mit Hilfe kirchlicher Verbände eine Wiederbewaffnung Westdeutschlands durchsetzen wollte, kündigte er seine Stelle bei der Katholischen Arbeiterbewegung und trat aus der CDU aus. Ein kritischer Artikel aus seiner Schreibwerkstatt zog im Juni 1953 eine zweimalige Vernehmung bei der Kripo „wegen Staatsgefährdung und Beleidigung des Bundeskanzlers“ nach sich.

Zu diesem Zeitpunkt zählte Heidingsfelder als Mitstreiter des berühmten Dichters Reinhold Schneider zu jenen oppositionellen Katholiken, die Remilitarisierung, Kriegsindustrien und Atombomben-Bewaffnung kompromisslos ablehnten. Er kandidierte im Sauerland für Gustav Heinemanns „Gesamtdeutsche Partei“, trat dann aber 1958 der SPD bei.

In Meschede galt der sehr kirchentreue Heidingsfelder längst als Außenseiter. Weil er Artikel für linke Friedensblätter schrieb, sagten manche, er sei „Kommunist“. Die großen Anfeindungen im eigenen katholischen Milieu bedrückten ihn sehr. Zuspruch kam allerdings von Heinrich Böll. Der brotlos gewordene Schriftsteller versuchte schließlich, fern vom Wohnort als Fabrikarbeiter seine Familie zu ernähren. In einer späten Schrift bekannte er selbstkritisch, den politischen Kampf manchmal mit zu großer Schärfe geführt zu haben.

Bereits 1994 hat die Meschederin Alexandra Rickert eine Dokumentation „Der Fall Georg (Dismas) Heidingsfelder“ verfasst. Der Publizist Peter Bürger sucht als Biograph eine Kopie dieser Arbeit, da sie im Archiv der Körber-Stiftung nicht mehr vorliegt (Kontakt P. Bürger: info@sauerlandmundart.de). In zwei preiswerten Buchbänden sind seit kurzem alle politischen und literarischen Arbeiten des linkskatholischen Nonkonformisten G. Heidingsfelder nachlesbar. Die Werkausgabe umfasst insgesamt über 820 Seiten und ist überall vor Ort unter Angabe der ISBN-Nummern im Buchhandel bestellbar:

Georg D. Heidingsfelder: Gesammelte Schriften. Eine Quellenedition zum linkskatholischen Nonkonformismus der Adenauer-Ära. Band 1 (13,90 €; ISBN 978-3-7431-3416-4) und Band 2 (13,99 €; ISBN 978-3-7448-2123-0). Norderstedt 2017.

BILD heidingsfelder 001

Fotoanlage (Archiv Peter Bürger):

Der Mescheder Schriftsteller Georg D. Heidingsfelder (1899-1967)


 

GEORG D. HEIDINGSFELDER (1899-1967):
Gesammelte Schriften. Band 1.
Eine Quellenedition zum linkskatholischen Nonkonformismus der Adenauer-Ära.
Norderstedt: BoD 2017 – ISBN: 978-3-7431-3416-4
(Paperback; 400 Seiten; Preis: 13,90 Euro)
https://www.bod.de/buchshop/gesammelte-schriften-band-1-georg-d-heidingsfelder-9783743134164

Gesammelte_Schriften_Band_1

Gesammelte Schriften. Band 2.
Eine Quellenedition zum linkskatholischen Nonkonformismus der Adenauer-Ära.
Norderstedt: BoD 2017 – ISBN: 978-3-7448-2123-0
(Paperback; 428 Seiten; Preis: 13,99 Euro)
https://www.bod.de/buchshop/gesammelte-schriften-band-2-georg-d-heidingsfelder-9783744821230

Gesammelte_Schriften_Band_2

Umschlagtext

Vor einem halben Jahrhundert starb im Sauerland der Publizist Georg D. Heidingsfelder (1899-1967), der während der Adenauer-Ära 1949-1963 als linkskatholischer Nonkonformist und Mitstreiter Reinhold Schneiders in Erscheinung getreten ist. Ein Artikel aus seiner Schreibwerkstatt, veröffentlicht Mitte Juni 1953, zog eine zweimalige Vernehmung bei der Kripo “wegen Staatsgefährdung und Beleidigung des Bundeskanzlers” nach sich. Heidingsfelders Kernthemen sind die Soziale Frage, die Auseinandersetzung mit dem deutschen Faschismus und der Frieden. Seine Ablehnung von Militarismus, Wiederbewaffnung, Wehrpflicht und Atombombentheologie fällt kompromisslos aus. Zuletzt konnte er fast nur noch in Blättern veröffentlichen, die als “kryptokommunistisch” galten. Die Verweigerung gegenüber der katholischen Einheitsfront führte zu große Anfeindungen im eigenen kirchlichen Milieu. Der brotlos gewordene Schriftsteller versuchte schließlich, als Fabrikarbeiter seine Familie zu ernähren.
Die hier in zwei Bänden vorgelegte Ausgabe der Gesammelten Schriften G. D. Heidingsfelders ist ein Beitrag zum Projekt Friedenslandschaft Sauerland und zugleich eine bedeutsame Quellenedition zur Erforschung des linkskatholischen Widerspruchs während der restaurativen Adenauer-Ära.