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Geotop des Jahres

21. September 2017

Panzerfisch-Fundstelle in Braunau – weltweit einzigartig

Anlässlich des „Tags des Geotops“ kuerte das Geopark-Projektbüro erstmalig ein Geotop des Jahres. Dabei stehen besonders interessante Erd- und Gesteinsaufschlüsse oder Fossilien-Fundstellen innerhalb des Geoparks im Mittelpunkt, die Erkenntnisse über die Entwicklung der Erde vermitteln und den Blick auf die Geschichte unseres Heimatplaneten schärfen.

In diesem Jahr hat das Geopark-Projektbüro den bekannten Panzerfisch-Steinbruch am Kalkofen bei Bad Wildungen-Braunau für den Titel „Geotop des Jahres“ bestimmt. Im Aufschluss nördlich der Ortslage wurde eine einzigartige Fischfauna aus dem Oberen Devon (Alter: ca. 375 Millionen Jahre) entdeckt, die der Fundstelle in Fachkreisen Weltruhm einbrachte (siehe auch Information).

Info-Broschüre

Anlässlich der Geotop-Auszeichnung hat das Projektbüro eine Informationsbroschüre mit dem Titel „Panzerfische und Kopffüßer“ herausgegeben – die von interessierten Bürgern ab sofort beim Geopark-Projektbüro angefordert werden kann.

Bei der Auszeichnung des „Geotops des Jahres“ sollen zukünftig auch Anregungen und Vorschläge aus der Bevölkerung berücksichtigt werden. Das Geopark-Projektbüro hat dazu ein Merkblatt verfasst, welches beim Geopark-Projektbüro (Tel. 05631-954313) angefordert oder auf der Internetseite www.geopark-grenzwelten.de unter dem Stichwort „Geotop des Jahres“ abgerufen werden kann.

Panzerfische aus Bad Wildungen – ein geologisches Welterbe

Das Devon war das Zeitalter der Fische. Allein im ehemaligen Kalksteinbruch „Kalkofen“ sowie in anderen ehemaligen Aufschlüssen in der Gemarkung Braunau wurden insgesamt 45 Panzerfisch-Arten, drei Hai- und eine Stachelhai-Art sowie fünf so genannten Knochenfisch-Arten gefunden. Speziell die Panzerfische (Placodermi) waren durch Knochenplatten vor allem am Kopf- und Rumpfbereich vor Fressfeinden geschützt. Diese Fischartigen zählen zu den ältesten, kiefertragenden Wirbeltieren der Welt. Der bewegliche Kiefer erlaubte ihnen eine völlig neue Art der Nahrungsaufnahme und zeigt den Beginn der Entwicklung von Zahn-Strukturen. In ihren Kiefern trugen die Panzerfische nämlich primitive Zahnleisten.

Der Hauptteil der Funde befindet sich u. a. im Museum für Naturkunde in Berlin und in der Sammlung des Geowissenschaftlichen Museums in Göttingen. Auch das Stadtmuseum in Bad Wildungen besitzt einige Fundstücke, die aber bisher nicht näher bestimmt und ausgestellt wurden.

Forschung wiederbeleben

Der Steinbruch bei Braunau galt lange Zeit als weltweit wichtiger Fundpunkt für die fossile Fischfauna der Devonzeit.

Seit Jahren befasst sich der Hobby-Paläontologe Hartmut Kaufmann (Burgwald) mit dem Thema „Panzerfische“. Nach seiner Ansicht und auch nach Meinung des Geopark-Projektbüros würde es sich nach wie vor lohnen, im Umfeld des Steinbruchs am Kalkofen im Rahmen einer wissenschaftlichen Grabung weiter gezielt nach fossilen Fischen zu suchen. Außerdem sei eine Aufarbeitung des in Bad Wildungen archivierten Materials angesichts der Bedeutung der Funde dringend notwendig.

Kontakt:

Projektbüro

Nationaler Geopark GrenzWelten

Auf Lülingskreuz 60

34497 Korbach

geopark@landkreis-waldeck-frankenberg.de

Im Panzerfisch-Steinbruch in Braunau

Vorstellung der Info-Broschüre im Panzerfisch-Steinbruch „Kalkofen“ in Braunau (von links nach rechts): Steinbruchbesitzer Manfred Schmidt, Natur- und Geoparkführerin Herwör Großenbach aus Borken/Hessen und Norbert Panek vom Geopark-Projektbüro (Korbach).

Panzerfisch-Kiefer

Gesteinsknolle mit Panzerfisch-Kiefer, von H. Kaufmann auf einem Acker bei Braunau gefunden

Modell Panzerfisch-Kopf

Modell eines Panzerfisch-Kopfes mit Knochenplatten