Das Heimat-Portal für das Sauerland, Paderborner, Warburger und Waldecker Land
Sauerland, Paderborn, Höxter, Waldeck

Das Erntedankfest, die Hl. Margaretha, Isidor und Michael

29. September 2017

Tiefe Volksfrömmigkeit bestimmte unser landwirtschaftlich geprägtes Sauerland

Unsere Geschichte zur Landwirtschaft und zu Erntedank in früheren Zeiten beschäftigt sich mit dem „Bauernstand“ und dem religiösen Leben unserer ländlichen Bevölkerung des Sauerlandes.

Die Landwirte und Ackersleute hatten damals die Auffassung, dass der Erntesegen und das Gedeihen der Feldfrüchte ganz und gar vom Segen des allmächtigen Gottes abhängen würden. Des „Bauern Väter vom alten Schlage“ machten stets das Zeichen des Kreuzes über dem Acker, bevor sie den ersten Samen für die neue Ernte auf dem Felde säten. Am Palmsonntag brachten sie dann einige der geweihten Palmen und am Feste Maria-Himmelfahrt (Krautweihfest) einige von den geweihten Kräutern auf den Acker. Kein neuer Brotlaib wurde angeschnitten, bevor mit dem Messer ein großes Kreuz über das Brot gemacht war. Das Nutzholz, das im Laufe des Jahres im landwirtschaftlichen Betriebe für kleinere Arbeiten gebraucht werden sollte, wurde am Karsamstag eine Zeitlang in das geweihte Osterfeuer gehalten. Ein besonderer Tag im Bauernleben war aber der Tag, an dem der „Erntehahn“ geholt, das heißt das letzte Fuder mit Getreide in die Scheune gefahren wurde. Alle – Jung und Alt – bestiegen den mit Getreide gefüllten Erntewagen. Ganz vorn saß die erwachsene Tochter des Bauern. Sie hielt den mit Blumen und bunten Bändern gezierten Erntehahn. Auf dem Wege vom Felde zum Dorfe wurde aus voller Brust gesungen – vorweg das Bauernlied. Ansonsten nur religiöse Lieder, also Kirchenlieder. Das letzte Lied war immer: „Gott, wir loben und bekennen Dich, den Schöpfer aller Welt.“ Der Erntehahn wurde abschließend neben dem großen Einfahrtstor der Scheune befestigt. Dort blieb er bis zum Erntefest im nächsten Jahr. –

Der Bauernstand hat auch von jeher seine besonderen heiligen Schutzpatrone. „Jeder Stand hat seine glorreichen Namen vor Gott“, hat einmal der verstorbene Bischof von Trier gesagt. Aus dem Schützen- und Kriegerlager kamen die Hl. Mauritius, Sebastian und Theodor; aus der Gerichtsstube der Hl. Ivo; vom Königshofe der Hl. Ludwig und aus der „Scheune“ der Hl. Isidor. Isidor ist somit der Patron der Landwirte. Er wurde um die Mitte des 11. Jahrhunderts zu Madrid geboren: Von armen, aber frommen Eltern, die ihm durch Wort und Beispiel die Liebe zu einem tugendhaften Wandel einflößten. Als Jüngling kam er in den Dienst eines Edelmannes, um dessen Feld zu bebauen. In diesem Dienst blieb er treu durch sein ganzes Leben. Für seine Arbeit gab ihm Gott den ewigen Lohn des Himmels. In Spanien wird am 15. Mai sein Fest mit großer Feierlichkeit begangen. Neben dem Patron haben die Landleute aber auch eine Hl. Patronin, die Hl. Margaretha. Ihr Fest wird am 20. Juli gefeiert. Am Margarethentage wurden von den Bauern die Ernteknechte und Erntemädchen angenommen und eingestellt. So wurde Margaretha Patronin des Nährstandes. –

Ursprünglich feierten beispielsweise die Bauern Nieder- und Obermarsbergs am Anfang des 20. Jahrhunderts das Erntedankfest gemeinschaftlich, turnusgemäß aber örtlich wechselnd. Es war schlichtweg das Fest des Jahres neben den örtlichen Schützenfesten. Die komplette Bevölkerung war auf den Beinen. In einer Archivalie aus dem Jahr 1932 steht geschrieben, dass es fortan eine Änderung dieser Gepflogenheiten und der Gemeinsamkeiten von Nieder- und Obermarsbergern gab. Die Obermarsberger feierten ihr Erntedank mit einem abschließenden Oktoberfest im neuen Schützenhaus ohne Beteiligung der Niedermarsberger. Die Urkunden spiegeln die Ausgelassenheit der Feier gut wider. Man wusste schon damals zu feiern: „Diesmal beherrschten der Seppl und die Resi das Feld und die echt bayerische Kapelle mit ihren flotten Weisen, mit Ländlern und Walzern. Ein Waggon Münchener Löwenbräu tat das Seinige. Dös wa a Gaudi!“. – Die Niedermarsberger trafen sich bereits am 29. September (Michael) zu ihrer letzten Prozession des Jahres, die über den Bomberg führte. Der Michaelstag war nämlich ein uralter Termin zur Ablieferung von Zinsen – meist in Form von landwirtschaftlichen Produkten – an den Lehnsherren. Glaube und Tradition vereinten sich am darauffolgenden Sonntag. Dann fand der große Ernteumzug der Bauern und Vereine der Stadt mit vorherigem Kirchgang statt. In der Mühlenstraße in Niedermarsberg setzte sich der Zug in Bewegung. Ein breites Spektrum des schaffenden Volkes war zu sehen und machte seine Aufwartung: Blumenwagen, Wagen mit Gemüse (gestellt von der Gärtnerei), Pflug- und Eggewagen (Joseph Zeitler), Sämaschine (Willeke, Grund.), Grasmäher (Bernhard Kleffner), Schnitterinnen und Schnitter, Harkmaschine (Spediteur Busch), Erntewagen mit Kranz (Kuhlmann), Erntefestwagen (Prior Bau) Dreschwagen (Joh. Zeitler), Wannemühle (Hammerschmidt), Mühlenwagen (Bunse), Bäckerwagen (Beverungen), Milchwagen (Varlemann), Molkereiwagen (Siebrecht), Spinnstube (Franz Tuschen), Feierabendwagen (Anton Dicke), Wagen mit Bauernjugend (Zimmermann), Kartoffelwagen, Esel, Selbstbinder, Breakwagen, Düngerstreuer und Scheffelsäer (alle Anstalt). Während des farbenprächtigen, abwechslungsreichen Umzugs wurde inbrünstig das alte Sauerländer-Bauernlied gesungen. Nach der Beendigung des Festzuges war in den Lokalen „Deutsches Haus“ und „Café Gerlach“ Tanz bis in die frühen Morgenstunden angesagt.

01 - Obermarsberg, Ernte auf dem Schwarzenberg, 1939

Erntearbeiten der Familie Zieren auf dem Schwarzen Berg in Obermarsberg im Jahr 1939.

03 - Erntedankfest Oesdorf, 1936

Einige Festzugsteilnehmer des Erntedankfestes in Oesdorf im Jahr 1936.

04 - Arbeiter bei Köhne aufm Feld, Bredelar, 1929, 1. Trecker

1929 auf dem Felde des Klostergutes Bredelar – Einige Arbeiter und der allererste Traktor der Region.

05 - Arbeiten auf dem Höling in Obermarsberg, 1937

Die traditionelle Feldarbeit auf dem Höling von Obermarsberg im Jahr 1937.

Erntedank Anzeige Café Gerlach

Werbeanzeige aus 1932 – Café Gerlach lädt zum Erntefest ein.

Erntedank Anzeige Druckerei Boxberger

Werbeanzeige aus 1932 – Druckerei Boxberger hält Festschmuck zum Erntedank bereit.

Alle Fotos: Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.