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800 Jahre Kirchweihe Vesperthe Fürstenberg

13. Oktober 2017

„800 Jahre Kirchweihe Vesperthe Fürstenberg“!

Unter diesem Leitwort wird von Mittwoch, den 18. Oktober 2017 bis zum Sonntag, den 10. Dezember 2017 in besonderer Weise einer Kirchweihe gedacht.

Eine Urkunde, die am 31. Oktober 1217 in Vesperthe, einem Ort mit etwa 10-12 Bauernhäusern im südlichen Teil Fürstenbergs das Bauvorhaben für den Bau einer Kirche als Grablege zwischen dem Edlen Widekind und seiner Frau Gisle für seinen Vater Otto, für seinen Bruder, seine Ehefrau und sich selbst mit Bernhard III., Bischof von Gottes Gnaden Bischof der Paderborner Kirche sein das Vorhaben besiegelte.

Auch zwei Hufen Land, eine Wiese und einige Hörige aus dem Stand der „Wachszinsigen“, das sind schutzbefohlene Hörige, die zu regelmäßigen Wachslieferungen an das neue Gotteshaus verpflichtet sind, hat der edle Mann mit Billigung seiner Frau der Vesperther Kirche übertragen, damit für ihn Widekind, seine Frau Gisle, seinen Bruder Wibold und seinen Vater Otto auf ewige Zeiten Gedenkgottesdienste gehalten werden. An Sonn- und Feiertagen sowie an drei Werktagen in jeder Woche sollen die Gottesdienste stattfinden. Auch nächtliche Gebete, zu denen der Pfarrer für Beleuchtung sorgen soll, sind zu verrichten. Der Pfarrer des Dorfes Vesperthe hat dafür Sorge zu tragen, dass dafür die notwendigen Lichter bereitstehen.

Wir bestätigen diese öffentliche Schenkung an die Kirche durch die Autorität des allmächtigen Gottes und der heiligen Apostel Petrus und Paulus sowie unserer Banngewalt.

Das ist alles aufgeschrieben, damit es nicht unter der Wolke der Zeitläufe in Vergessenheit gerät oder durch die Bosheit nachfolgender Generationen widerrufen werden kann.

Damit diese Schenkung auch in Zukunft festen Bestand hat, wurde diese Urkunde mit einem Siegel versehen.

Zeugen dieses Aktes waren Dompropst von Oesede, die Domkapitulare von Schwalenberg, Gerhard zur Lippe und Thetmar von Padberg sowie die Geistlichen Pfarrer Regenbodo, Winmar von Haaren und Hermann von Vesperthe als Zeugen.

Weitere Zeugen waren die Laienbrüder Gerhard von Etteln, Bernhard von Vesperthe, Roland von Zinsdorf sowie die Brüder Bruno und Rikolf von Bergheim und viele weitere Menschen, die das Vermächtnis bezeugen können. Besiegelt wurde die Urkunde am Tag vor Beginn des Monats November, am 31. Oktober des Jahres 1217 nach der Menschwerdung des Herrn.

Bischof Bernhard III. von Paderborn weihte die von dem Edlen Widekind von Vesperthe ebendaselbst auf seine Kosten gebaute Kapelle ein und bestätigt die von ihm begründete Memorienstiftung in Betreff der Familie.

Diese Urkunde liegt heute als Abschrift im Gau-Kirchkloster in Paderborn! Die Original-Urkunde, die diese Vereinbarung besiegelte, so Bernd Nolte vom Förderkreis für Kultur, Geschichte und Natur, wird wahrscheinlich im Laufe der Jahrhunderte den Flammen zum Opfer gefallen sein. Die Kirche diente bis 1658 als Vesperther Pfarrkirche, wurde 1780 wegen Baufälligkeit abgebrochen. Es blieb nur noch das gut ausgearbeitete Kruzifix als Andenken zurück. Später wurde dem Wunsch der Pfarrgemeinde nachgegeben eine Kapelle auf den Kirchhof 1847 zu erbauen. Erste Ruhestätten in der neuerbauten Kirche bekamen 1851 und 1873 die beiden Pastoren Heinrich und Wilhelm Batsche.

Am 02.10.1921 beschloss eine Versammlung, eine Gewandhauskapellmeisterei zu errichten, sie wurde 1925 würdig eingeweiht.

Im Rahmen des Festaktes am 31.10.2017 wird auf der urkundlich erwähnten Stelle der Vesperther Pfarrkirche ein 3,6 t-schwerer Granitstein mit einer Bronzetafel (17 kg) feierlich auf dem Kirchhof enthüllt. Der Granitstein wird fast genau im Bereich der Apsis der ehemaligen Vesperther Kapelle liegen.

Mit Hilfe des Katasteramtes wurde bereits im Vorfeld das ehemalige Grundstück der Vesperther Kirche ausgemessen und exakt in einem Bereich von 12,7 m X 24 m gekennzeichnet. Fahnen werden während der Festtage den Platz der Kirchstelle für die Besucher genau kennzeichnen. Auf dem Fürstenberger Kirchhof darf mit historischer Ausnahmegenehmigung eine Eucharistiefeier gefeiert werden durch die damalige Kapellenweihe mit Bernhard III. Bischof von Gottes Gnaden der Paderborner Kirche.

Um 15.00 Uhr wird in der Pfarrkirche St.-Marien Fürstenberg die feierliche Vesper mit Weihbischof König gefeiert.

Um 17.00 Uhr wird das von der Autorin Gabi Kloppenburg geschriebene Schauspiel „Vesperthe vor 800 Jahren“ im restaurierten ehemaligen Pferdestall der Familie von Westphalen am Schloss von Fürstenberger Spielerinnen und Spielern aufgeführt. Entsprechende Theaterkarten werden am Sonntag der Herbstkirmes von 12.00 – 14.00 Uhr verkauft. Pro Person können nur zwei Karten erstanden werden.

 

Programm mit Festakt „800 Jahre Kirchweihe in Vesperthe-Fürstenberg“

Mittwoch, den 18. Oktober 2017

19.30 Uhr Festvortrag durch Dr. Martin Kroker, Leiter des Museums in der Kaiserpfalz Paderborn in der Aula der Grundschule Fürstenberg

 

Dienstag, den 31. Oktober 2017

13.30 Uhr Gedenkfeier am Kirchhof vor der Friedhofskapelle, anschließend gemeinsamer Weg zur Kirche

15.00 Uhr Feierliche Vesper mit Weihbischof König in der Pfarrkirche, anschließend Stehkaffee im Pfarrheim

17.00 Uhr Historisches Schauspiel „Vesperthe vor 800 Jahren“ im Pferdestall des Schlossparks

Ca. 18.00 Uhr bis 19.00 Uhr Ausschank des „Vesperbräu“ mit Ausklang im Pfarrheim

 

Sonntag, den 10. Dezember 2017

18.00 Uhr Lebendiger Adventskalender am Kirchhof vor der Friedhofskapelle

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Die Theatergruppe in ihren Rollen bei den letzten Proben mit ihrer Autorin und Regisseurin Gabi Kloppenburg für das Schauspiel „800 Jahre Kirchweihe Vesperthe-Fürstenberg“ mit v. l. n. r.: (Schreiber) Antonius Monkos, (Herold) Klemens Henkel, (Bäuerin) Petra Herbst, (Mädchen aus der Neuzeit) Hannah Klaaßen, (Wäscherin) Karen Mendelin, (Bischof Bernhard III.) Michael Mendelin, (Mädchen aus der Neuzeit) Miryam Schliepark, (Gisle) Antonie Gräfin von Westphalen, (Edle Widukind) Matthias Graf von Westphalen, (Bruder Wibold) Frank Hillebrand, (Messdiener) Johannes Al Deshara, (Bauer Jost) Alfons Lücking, (Wäscherin) Kunigunde Havermann, (Bäuerin) Ruth Klaaßen.

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Historiker Bernd Nolte und Schreiber Antonius Monkos mit besiegelter Urkunde vor der Vesperther Kapelle auf dem Fürstenberger Kirchhof.

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Theaterprobe mit den darstellenden Vesperther Waschfrauen und Bäuerinnen unter der Leitung von der Autorin Gabi Kloppenburg. Text und alle Fotos: Brigitta Wieskotten