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1968 – Pop, Protest und Provokation

6. Oktober 2017

Ausstellung zur 1968er-Bewegung auf dem Kulturgut Haus Nottbeck in Oelde-Stromberg

Anti, anders, revolutionär – das sind Stichworte, die das Herz der 1968er-Generation bewegten. Die Ausstellung “Pop, Protest und Provokation” zeigt anhand literarischer, fotografischer und filmischer Dokumente, dass man in Westfalen während der 68er-Bewegung keineswegs “hinter dem Mond” lebte. Es entwickelte sich eine lebendige Underground-Szene, Franz Josef Degenhardts Protestsongs waren in aller Munde und amerikanische Muster der Beat-Generation wurden adaptiert, um sie in der Lyrik und im Journalismus weiterzuentwickeln. Dieser bunte Mix wird so im Museum für Westfälische Literatur erstmals als Gesamtbild präsentiert.

Am Sonntag, dem 24. September 2017, wurde die Ausstellung im Beisein von Rudolf Luster-Haggeney (stellvertretender Landrat des Kreises Warendorf), Michael Pavlicic (stellvertretender Vorsitzender der LWL-Landschaftsversammlung) und Roland Klein (stellvertretendes Vorstandsmitglied der Sparkasse Münsterland Ost) eröffnet. Nach den Grußworten der Förderer stellte der wissenschaftliche Leiter des Literaturmuseums, Prof. Dr. Walter Gödden, zusammen mit dem Ausstellungsgestalter Jeremias Vondrlik und Dr. Thomas Strauch vom Zentrum für Informations- und Medientechnologien der Universität Paderborn die Konzeption und Inhalte der Ausstellung vor.

“1968 ließen sich auch in Westfalen zahlreiche junge Autoren von der Underground-Literatur in den USA zu eigenen Texten anregen. Es wurden Happenings inszeniert, Pop-Art-Filme gedreht, avantgardistische Zeitschriften gegründet und auf der Theaterbühne der Versuch unternommen, politisches Volkstheater ins Leben zu rufen”, sagt der Museumsleiter und Ausstellungsinitiator, Professor Walter Gödden. Diese Vielseitigkeit veranlasste Gödden dazu, in seinem gleichnamigen Buch zur Ausstellung “1968 – Pop, Protest und Provokation” unterschiedlichste Texte aus dieser Zeit zusammenzutragen und eine Rundumschau der damaligen Bewegung zu schaffen.

“Die Autoren wollten mit ihren Texten agitieren, mobilisieren und provozieren. Ihr ästhetischer Anspruch war eher gering. Es ging den Autoren nicht darum, einen neuen Goethe zu erfinden”, fasste Walter Gödden die Beweggründe der Literaten dieser Zeit zusammen. Unter dem Motto der Provokation standen bereits die beiden Prologausstellungen “We want to make a Revolution – Der Herforder Jaguar-Club” und “Sexy, Mini, Flower, Pop-Op. Charles Wilp: Werbung, Fotografie, Universalkunst”. Die dort angesprochenen Themen der Erotik und der sexuellen Befreiung spielen auch in die Hauptausstellung hinein, die einen Blick auf die höchst heterogene Literaturszene der 1968er Jahre wirft.

Die Bedeutung dieser Bewegung für Westfalen zeigt sich dabei vor allem in der sozialen Literatur, die in dieser Zeit starke Wurzeln ausbilden konnte. So wurde auch Literatur als Massenbewegung zu einem Thema. All diese Aspekte werden in der Ausstellung aufgegriffen, die bis zum 28. Januar 2018 im Museum für Westfälische Literatur zu sehen sein wird. Im Frühjahr 2018 soll dann der Ausstellungs-Epilog “Mein 68” folgen. Für diese Schau kann jeder sein Lieblingsexponat – sei es Text, Buch oder Schallplatte – aus dem Jahr 1968 zur Verfügung stellen. Unter der Beteiligung von Autorinnen und Autoren sollen diese Exponate Gegenstand einer Museumsinstallation werden und in eine Dokumentation einfließen. Auch dem Nachhall und den Auswirkungen dieser epochalen Bewegung auf den Einzelnen bis in die heutige Zeit versucht das Ausstellungsexperiment damit in Form persönlicher Exponate Rechnung zu tragen.

Das Ausstellungsprojekt wurde von der LWL-Literaturkommission für Westfalen in Verbindung mit dem Zentrum für Informations- und Medientechnologien der Universität Paderborn (IMT) konzipiert. Die Ausstellungsinstallationen gestaltete Jeremias H. Vondrlik. Das Projekt wird gefördert durch den Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und die Stiftung der Sparkasse Münsterland Ost.

Roland Klein, stellvertretendes Vorstandsmitglied der Sparkasse Münsterland Ost, betonte im Rahmen der Eröffnung: “Die Stiftung der Sparkasse Münsterland Ost unterstützt das Museum für Westfälische Literatur gerne dabei, kulturelle Akzente zu setzen. So auch mit dieser Ausstellung im Haus Nottbeck, das damit einmal mehr ein gefragtes Ziel für Menschen in und außerhalb des Münsterlandes werden dürfte. Gut für die Region!”

Das Materialienbuch zur Ausstellung “1968 – Pop, Protest und Provokation”, herausgegeben von Walter Gödden in Verbindung mit Fiona Dummann und Claudia Ehlert, erschien im Aisthesis Verlag und kann für 29,80 Euro im Literaturmuseum erworben werden.

INFO:

Museum für Westfälische Literatur – Kulturgut Haus Nottbeck
Landrat-Predeick-Allee 1
59302 Oelde-Stromberg

Öffnungszeiten: Dienstag – Freitag: 14.00 – 18.00 Uhr
Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 11.00 – 18.00 Uhr

Kultur-Café: Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 14.00 – 18.00 Uhr
Kulturgut Haus Nottbeck

Foto: Kulturgut Haus Nottbeck